Kunst im Fenster

Fast alle in den Pleysteiner Familien vorhandenen Hauskrippen sind Nachbildungen der Kreuzbergkrippe aus dem Jahr 1918, die im Oberammergauer Stil gebaut worden ist. Bild: tu
Lokales
Pleystein
04.12.2015
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Seit dem ersten Adventsonntag zieht die Brauchtumsaktion "Weihnachtsfenster in der Rosenquarzstadt" wieder viele Besucher aus der Region an. Der Spaziergang lohnt sich.

In über 40 Fenstern, die mit Einbruch der Dunkelheit beleuchtet und die durch Fichtenbäumchen gekennzeichnet sind, können von Jung und Alt im Bereich Marktplatz, Altstadt, Am Stadtweiher, Steingasse, Untere Steingasse, Neuenhammerstraße und Ferdinand-Lehner-Straße Spielsachen, handwerkliche Kunstgegenstände, Raritäten der verschiedenen Art und handgefertigte Krippen besichtigt werden.

Wahre Kunstwerke

Ein kleiner Marsch im Stadtkern bringt so manche Überraschung mit sich und bietet viele Sehenswürdigkeiten, vor allem auch wahre Kunstwerke einheimischer Hobbyschnitzer. Der Erholungsort im Zottbachtal weist als Hochburg des Hobbyschnitzens eine über 160-jährige Tradition auf. Leider wurden durch den verheerenden Brand am 10. Juli 1901 fast alle damals vorhandenen Krippen vernichtet. 1925 jedoch existierte wieder in den meisten Anwesen eine vor Ort gefertigte Weihnachtskrippe.

Im Zeitraum 1939 bis 1955 wurden viele Krippen verkauft oder sie gingen verloren. Die Vorfahren der Mitglieder der heutigen Schnitzergemeinschaft wollten mit den handgefertigten Produkten ihrer Schnitzkunst auch auf die ursprüngliche Bedeutung des Weihnachtsfestes nachhaltig hinführen.

Zu dieser Gilde gehörte zum Beispiel der Schreinermeister Matthias Strigl (1881 bis 1961). Beim "Schmied-Schorsch", Heimatfreund, Volksschauspieler und Mundartexperte, traf man sich bei den gemütlichen Hutzaabenden in der guten Stube in den Wintermonaten zum Schnitzen und Plaudern. Das benötigte Schnitzzeug konstruierte Georg Müller in Eigenregie in seiner urigen Schmiede in der Altstadt.

Interessant ist die Tatsache, dass fast alle in den Pleysteiner Familien vorhandenen Krippen Nachbildungen der Kreuzbergkrippe sind, die 1918 im Oberammergauer Stil gebaut und die 1986 von der rührigen Pleysteiner Schnitzergemeinschaft umfassend restauriert und ergänzt wurde wie auch die Landschaftskrippe der Stadtpfarrkirche St. Sigismund mit Ruinenstall von Georg Müller und einer von Heimatpfleger Siegfried Poblotzki (1917 bis 1997) gemalten Hintergrundkulisse.

Fortsetzung der Tradition

Die Frauen und Männer von der in 1970 gegründeten Pleysteiner Schnitzergemeinschaft setzen seit 45 Jahren die reichhaltige Tradition mit Können und Begeisterung unter der Regie ihres engagierten Leiters Hermann Schneider fort.
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