Markante Gipfel und tiefe Täler

"Blick über die Grenze - Geotouristische Highlights im tschechischen Teil des Bayerisch-Böhmischen Geoparks": Dr. Andreas Peterek referierte beim dritten Pleysteiner Geotag im Kultursaal des Stadtmuseums. Bild: tu
Lokales
Pleystein
30.04.2015
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Tschechien hat einige landschaftliche Reize zu bieten. Beim dritten Pleysteiner Geotag stellte Dr. Andreas Peterek einige der schönsten Gegenden des Nachbarlands vor.

Der Vortrag stand unter dem Motto "Blick über die Grenze - Geotouristische Highlights im tschechischen Teil des Bayerisch-Böhmischen Geoparks". Im Kultursaal des Stadtmuseums begrüßte Annemarie Woppmann vom Museumsarbeitskreis den Geopark-Projektleiter Peterek und die rund 50 Zuhörer.

Außergewöhnliche Vielfalt

Im Gepäck hatte der Gast aus Parkstein ein Potpourri an Informationen über die außergewöhnliche Vielfalt geologischer Besonderheiten, die es diesseits und jenseits der Landesgrenze gibt. Der Referent gab aber nicht nur einen Einblick in die landschaftlichen Schönheiten des Nachbarlands, sondern auch in dessen über 1000-jährige Bergbaugeschichte und in die Hintergründe der bis in die Gegenwart anhaltenden Erdbebenaktivität in dieser Region. Erstmals stellte er auch die grenzüberschreitende geotouristische Karte vor, die eine deutsch-tschechische Arbeitsgruppe erstellt hatte und die auf mehr als 500 sehenswerte Lokalitäten hinweist.

"Das Gebiet des heutigen Egerlandes umfasst das Egerer Becken als Kerngebiet und Teile der es umgebenden Randgebirge. Geologisch geprägt wird es durch das Egerer Becken, das eine erdgeschichtlich junge Absenkungsstruktur darstellt", sagte der Experte.

Fühlbare Erdbeben

Gegenüber dem Erzgebirge und dem Kaiserwald hat sich der Untergrund des Beckens seit etwa 35 Millionen Jahren rund 600 Meter abgesenkt, davon mehr als 300 Meter seit etwa drei Millionen Jahren. Die östliche Begrenzung des Egerer Beckens ist die Marienbader Bruchzone, von der die Mehrzahl der fühlbaren Erdbeben dieses Raums ausgehen. Das Westerzgebirge erhebt sich mit markantem Bruch nördlich des Egergrabens bis 1043 Meter in seinem nordöstlichen Teil (Horni Blatna).

Wegen seiner starken jungen Heraushebung ist es an seinem Südrand tief zertalt, während in seinen Kammlagen flache Reliefeinheiten die Landschaft prägen. "Das Westerzgebirge ist über Jahrhunderte hinweg geprägt worden. Zwischen ihm und dem Kaiserwald liegt die langgestreckte Struktur des Egergrabens, fälschlich oft auch als Egertal bezeichnet. Die bis zehn Kilometer breite Senke ist nicht das Werk des Flusses Eger, sondern tektonischer Vorgänge", fuhr Dr. Peterek fort.

Infolge der buckelartigen Hebung der Region mit einer Längserstreckung in Nordost-Südwest-Richtung ist im zentralen Teil der Wölbung der Egergraben eingebrochen. In ihm haben sich über Jahrmillionen viele Hundert Meter an Sedimenten abgelagert und die nordböhmischen Braunkohlenlager gebildet. Südlich des Egergrabens erhebt sich der Kaiserwald. Durch die großräumige Aufwölbung der Erdkruste fallen die ihn prägenden Hochflächen wie das Tepler Hochland, durchzogen von tiefen Taleinschnitten, langsam nach Süden. Spuren eines Jahrhunderte währenden Bergbaus sowie ausgedehnte Wälder und Torfmoore prägen die Landschaft.

Heute Naturschutzgebiet

Das Gebiet des Kaiserwalds ist heute Naturschutzgebiet mit zwei nationalen und zehn weiteren Naturreservaten sowie vielen Naturdenkmälern. Zwischen Kaiserwald und dem Oberpfälzer Wald liegt die Tachauer Furche. Ihre markante Begrenzung nach Osten mit dem Geländeanstieg zum Kaiserwald wird durch die Marienbader Bruchzone gebildet, die weiter im Norden auch das Egerer Becken nach Osten begrenzt. "Der Böhmerwald ist der tschechische Teil des Oberpfälzer Waldes. Er ist demnach geologisch gleich dem bayerischen Teil aufgebaut", schloss Dr. Peterek.
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