Musikalischer Brückenschlag

Lokales
Pleystein
18.05.2015
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Die Verbindung von Kunst, Humanität und Völkerverständigung ist die Triebfeder, die die Veranstaltungen der Internationalen Jungen Orchesterakademie (IJOA) zur Erfolgsgeschichte macht. Eine, die hörbar ist.

In enger Zusammenarbeit mit dem Centrum Bavaria Bohemia und Pilsen, der Kulturhauptstadt Europas 2015, wurde am Freitag in der Kreuzbergkirche beim Projekt "Musikbrücke 2015" mit dem Konzert der Musikschule Bor aus Tschechien ein kulturelles Glanzlicht präsentiert. Bei diesem Auftritt handelte es sich um einen Gegenbesuch, hatte doch die IJOA mit dem Konzert des Salonorchesters der Hochschule für Musik und Tanz Köln, Standort Wuppertal, am 1. April im renovierten Fürstensaal des Schlosses in Bor (früher Haid) bereits eine musikalische Brücke nach Tschechien geschlagen.

Renaissance bis Moderne

Die fünf Instrumentalisten aus der Pleysteiner Partnergemeinde boten 70 Minuten lang einen musikalischen Hochgenuss und präsentierten in wechselnden Besetzungen Werke von der Renaissance über den Barock bis hin zur Moderne. Vor der Darbietung betonte Bürgermeister Rainer Rewitzer vor den rund 60 Besuchern, dass die Gemeinde solche grenzüberschreitenden Aktionen sehr zu schätzen wisse. "Musik, Gesang und Tanz bringen die Menschen zusammen, auch wenn sie andere Sprachen nicht oder kaum beherrschen", sagte das Stadtoberhaupt.

Als bewährter Dolmetscher fungierte Dr. Peter Trstan, ein gebürtiger Slowake, der seit 1973 in der Rosenquarzstadt zu Hause ist. Der Borer Bürgermeister Petr Mislivec hob die seit Jahren enge Zusammenarbeit beider Kommunen in den verschiedenen Bereichen hervor. Das Gastspiel der Musikschule aus seiner Gemeinde gebe einen Querschnitt aus deren breitgefächerter Arbeit wieder und solle zudem die Freundschaftsbande weiter festigen. Mislivec hatte nicht zu viel versprochen, denn die vorbildlich motivierten Jugendlichen und Erwachsenen präsentierten erlesene Kammermusikwerke von deutschen, britischen, italienischen und tschechischen Komponisten vom Feinsten.

Das Ensemble setzte sich aus seiner Leiterin Michaela Moravcova (Klavier), ihren drei Kindern Zdenka und Tereza Moravcova (beide Flöte) sowie Jan Moravec (Geige) und aus Petr Bouse (Flöte und Continuo) zusammen. Zur Ouvertüre brillierten die Akteure mit dem barocken Stück "Vier Tänze" von Johann Fischer (1646 bis 1717). Mit Temperament und Charme dargeboten wurde das Präludium von Henry Purcell (1659 bis 1695). Auch bei der Aufführung der sogenannten Vogelsonate von William Williams (1675 bis 1701), die an das Zwitschern von Singvögeln erinnerte, hätte man eine Stecknadel fallen hören, so aufmerksam lauschte das Publikum den zirpenden Klängen.

Die Sonate h-Moll, BWV 1014, von Altmeister Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) war ein kunstvoll gearbeiteter Satz in Andante mit melodischen Wendungen und mit dem ständig wiederkehrenden Bassmotiv. Die folgende Sonate F-dur von Johann Ernst Galliard (1687 bis 1749) für Flöte und Continuo ließ vor allem durch einige harmonische Eigentümlichkeiten aufhorchen. Inspirierend und lebendig zu Gehör gebracht wurde der Klassiker "Trio g-moll" des venezianischen Komponisten Antonio Vivaldi (1678 bis 1741). Jener bemerkenswerten Qualität stand die Wiedergabe des Walzers von Vlaska Bachtikova, einer zeitgenössischen Komponistin aus Tschechien, in nichts nach.

Empfang im Rathaus

Nachhaltigen Eindruck auf das Publikum hinterließ auch die historische Tanzmusik, Bransles genannt, des Hofkapellmeisters Michael Praetorius (1571 bis 1621). Zum krönenden Abschluss sang Anna Reznickova das in Tschechien sehr populäre Lied "Andelske pratelstvi", was übersetzt "Engelsfreundschaft" heißt, und das von Vaclav Adam Michna (1600 bis 1676), einem bedeutenden böhmischen Kirchenmusiker, komponiert worden ist. Applaus belohnte die sechs Akteure aus Bor für ihren fulminant in die Tat umgesetzten klingenden und singenden Brückenschlag über die Landesgrenze hinweg. Bürgermeister Rewitzer lud die Gäste anschließend noch zu einem Empfang in den Rathaussaal ein.
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