Nur Keller bleiben übrig

Lokales
Pleystein
08.10.2015
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An der Stelle, wo heute die neubarocke Wallfahrtskirche auf dem Pleysteiner Rosenquarzfelsen ins Land grüßt, stand im Mittelalter eine Burg. Darin wohnte der Inhaber des Verwaltungsgebiets oder sein Stellvertreter. In Kriegszeiten diente sie auch als Zufluchtsort für die Bewohner.

Die Burg soll 1212 urkundlich genannt und im zweiten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts erbaut worden sein. Die früheren Inhaber waren die Herren von Pleystein. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts waren die Landgrafen von Leuchtenberg die Besitzer des Schlosses. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts hatte Landgraf Johann dort seinen Sitz. Bei der Erstürmung von Pleystein nahmen die pfälzischen Truppen 1400 zwar die Neustadt ein, aber die Burg hielt allen Angriffen stand.

Schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts hatte das Bauwerk seinen eigentlichen Sinn verloren. Es war bis dahin der Sitz des Herrschaftsverwalters, des Pflegers, aber die schlechten Wohnverhältnisse in dem feuchten und modrigen Gemäuer veranlassten diesen, ins Burggut umzuziehen. So bat 1512 der Pleysteiner Richter den Kurfürsten, dass man ihm das Schloss überlassen möchte, weil der Pfleger von demselben abgezogen sei.

Illegale Demontage

1536 machte der Pfleger eine Aufstellung über die notwendigen Reparaturen am Schloss. Bürgermeister und Rat schrieben 1542 an den Kurfürsten ein Gesuch mit dem Inhalt, der Baufälligkeit der Feste entgegen zu wirken. 1545 wurde die Sperrung der Burg wegen Einsturzgefahr gefordert. Obwohl sich die Pfleger gegen eine illegale Demontage wehrten, so war es doch nicht zu verhindern, dass von privater Seite alles weggenommen wurde, was noch brauchbar war, so auch Fenster und Türen.

Bürgerhäuser gefährdet

Der Pfleger meinte 1604, dass es besser wäre, die Burg vollkommen abzutragen, weil bei einem Einsturz die Bürgerhäuser gefährdet seien. 1662 waren nur noch ein Steinhaufen vorhanden, der nicht mehr in der Vierung stand, und eine Ecke, die einzufallen drohte. Seit der Stadt 1617 für den Bau des Kirchturms die Entnahme von Steinen von der alten Burg genehmigt worden war, griffen die Verantwortlichen bei allen gemeindlichen Bauvorhaben auf den Vorrat auf dem Schlossberg, so die frühere Bezeichnung des Kreuzbergs, zurück.

Besonders begehrt waren die Quader, die sich als Ecksteine und für Gesimse eigneten. Nur der Turm hatte die Zeiten überdauert. Als Bergfried, der letzten Zuflucht bei einer Belagerung, hatte er unten keinen Eingang. Dieser lag etwa fünf Meter höher und war nur mit einer langen Leiter zu erreichen, die im Ernstfall eingezogen wurde.

Innen war der Turm mit Gebälk und Stiegen ausgestattet, und oben war eine Turmstube mit Gewölbe, auf dem Dach ein Hahn. Das Mauerwerk war mit behauenen Quadern verkleidet. Es stand nicht innerhalb der Burgmauer, sondern in einem mit einer Mauer umgebenen Hof. Der kurfürstliche Baumeister Heinrich Dobmeyer zu Sulzbach verfügte nach einer Besichtigung 1781, dass der Turm abgebrochen werden müsse, um Schaden zu verhüten. Das Abtragen des Bergfrieds Stück für Stück erfolgte von 30. Juli bis 26. September 1781. Von der einstmals so mächtigen Burg blieben nur die Keller übrig. 1814 wurde auf dem Berg die erste Kreuzkirche erbaut.
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