"Öde und Langeweile"

Lokales
Pleystein
20.03.2015
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Für die drei religiösen Tage der Pfarrgemeinde St. Sigismund hat Stadtpfarrer Pater Hans Ring seinen geistlichen Mitbruder Pater Thomas Mühlberger aus Fockenfeld als Prediger gewonnen. Der 44-jährige Leiter des Spätberufenenseminars St. Josef ist in Pleystein kein Unbekannter.

Thomas Mühlberger verbrachte 1991 und 1992 seine Novizenzeit im Salesianum auf dem Kreuzberg. Er zelebrierte am Mittwoch mit Pater Hans Ring in der Pfarrkirche den Eröffnungsgottesdienst des Triduums, den rund 200 Gläubige besuchten.

Umkehr und Heil

"Die Jonageschichte ist wie ein Spiegel, in dem sich viele von uns heute wiedererkennen werden. Jona war von Gott ausersehen, in seinem Namen nach Ninive zu gehen, um dieser Stadt Umkehr und Heil zu predigen. Die Stadt bekehrt sich tatsächlich, was Jona ärgert, weil er meint, Gott dürfe die verderbte Stadt nicht verschonen. Wie bei Jona ist heute die Versuchung vieler enttäuschter Kirchenmitglieder die Flucht vor der von Gott gegebenen Berufung." Doch "wenn wir resignieren und emigrieren, ist ohne uns die Kirche ärmer und weniger handlungsfähig", fuhr der Prediger fort.

Es gebe zwei Gründe für Traurigkeit: die Trennung von Gott - dann gibt es die Vergebung - und die Trennung von den Menschen, also die gefährliche Vereinsamung - dann gibt es die Rückkehr zu den Schwestern und Brüdern, zur Gemeinschaft. "Auch unser Ordenspatron, der heilige Franz von Sales, hat als feinsinniger Psychologe erkannt: Positive Affekte stärken, negative lähmen die Tatkraft des Menschen. "Freude öffnet, Traurigkeit verschließt das Herz."

Ein anderer Franziskus, nämlich der Papst, hat vom 1. Advent 2014 bis zum Tag des geweihten Lebens am 2. Februar 2016 das "Jahr der Orden" ausgerufen. Insofern liege es nahe, immer wieder aus dem Schatz der Spiritualität des Ordenslebens zu schöpfen. "Der Überdruss ist ganz allgemein eine Art Spannungsverlust der natürlichen Seelenkräfte, die den Menschen ermutigen, gegen Herausforderungen anzugehen. Aus diesem gefährlichen Zustand allgemeiner Erschlaffung ergeben sich dann die genannten Aspekte des Überdrusses: das Gefühl der Öde, Leere und Langeweile, die Unfähigkeit, den Geist lebendig zu erhalten. Widerwillen, dumpfes Brüten, Auf-dem-Weg-Sein ohne Hoffnung."

Martin Luther habe gewarnt: "Wer mit dem Geist der Traurigkeit geplagt wird, der soll aufs Höchste sich hüten und vorsehen, dass er nicht allein sei." Und Teilhard de Chardin formuliert: "Die größte Gefahr, worüber die Menschheit in Schrecken geraten könnte, ist nicht irgendeine äußere Katastrophe, sondern der Verlust der Lebensfreude."

Gefahr für den Menschen

Auch Franz von Sales wusste um diese Gefahr für den Menschen. Er widme in seinen beiden Hauptwerken dem Thema Traurigkeit je ein besonders Kapitel. Er nenne auch das Leid, die Schicksalsschläge unseres Lebens als Ursache für die Traurigkeit. Diese Traurigkeit, so meint er, sei allen Menschen gemeinsam. Bei den guten jedoch, die aus dem Glauben leben, sei sie gemäßigt und durch die Ergebung in Gottes Willen erträglich.

Gibt es Wege der Heilung aus der Traurigkeit, dem Überdruss, der Depression? "Ich kann Ihnen jetzt kein psychotherapeutisches Allheilmittel präsentieren. Jedoch bin ich überzeugt, dass der heilige Franz von Sales schon vor 400 Jahren moderne Erkenntnisse der Psychotherapie vorweggenommen hat. Aus Traurigkeit und Überdruss herauszufinden, ist also auch eine Sache der Selbstbeherrschung und Disziplin. Verweigern wir uns also nicht unserer Berufung und Sendung, wie es Jona zunächst tun wollte. Beherzigen wir besser die freundliche Mahnung des heiligen Franz von Sales: Seien Sie fröhlich, leben Sie frohgemut in Gott."
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