Ostern an der Front

Erstmals wurde im Ostermonat April 1915 im belgischen Flandern Gas als schreckliche Waffe eingesetzt.
Lokales
Pleystein
04.04.2015
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"Heuer ist Emmaus im Schützengraben", schreibt ein Pleysteiner an seine Therese Bauriedl nach Hause. Ein Feldpostbrief aus dem Argonner Wald bei Verdun beschreibt einen herrlichen Frühlingsmorgen.

"Golden steigt die Sonne im Osten empor. Die Vögel singen und jubilieren in den jungen Tag hinein. Da ertönt plötzlich neben mir Infanteriefeuer und verschwunden ist die Frühlingsstimmung. Die Geschütze brüllen, Maschinengewehre hämmern. So ging es über die Osterfeiertage. Tag für Tag." Ab Ostern im April 1915 in der 36. Kriegswoche des "Großen Kriegs" greift der Franzose nahezu täglich in den Wäldern bei St. Mihiel im Südosten von Verdun die bayerischen Divisionen Nr. 5 und 6 an. Der offizielle Kriegsbericht erwähnt nur nebenbei: "In den Ostertagen hat sich auf den Kriegsschauplätzen nichts Entscheidendes ereignet." Tatsächlich scheint sich die Front in Lothringen im Frühjahr 1915 beruhigt zu haben.

Trauer in Pleystein

Im achten Kriegsmonat weiß man nun, dass der Krieg doch nicht an Weihnachten 1914 zu Ende war. Auch Pleysteiner kommen an die Front. Der Glaspolierer Anselm Irlbacher ist nach seiner Verwundung durch Schrapnellschuss wieder bei seiner 5. Division bei St. Mihiel.

Es gibt Tote. In vielen Häusern in den Orten um Pleystein kehrt Trauer ein. Am Ostersonntag, 4. April, steigert sich das französische Artilleriefeuer. Der Stellungskrieg verlangt eine neue Taktik. Es wird versucht, die deutschen Stellungen durch stundenlangen Beschuss zu zerstören, um danach im Sturmangriff einen Durchbruch zu erzielen. Andreas Völkl aus Weißenstein, der bereits mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet ist, begibt sich nach seinem Urlaub am Ostermontag wieder ins Feld zu seinem Regiment nach Lothringen. Am 5. April erhält der Unteroffizier im Wald Brule einen Kopfschuss.

Drei Tage später kommt es in den durch schwere Artillerie fast eingeebneten Schützengräben wieder zum Handgranatenkampf. Abends trifft im Wald Ailly der Splitter einer Handgranate den 24 Jahre alten Ludwig Puff am Kopf. Der Kompanieführer verständigt die Eltern Maria und Simon Puff in Miesbrunn. Er sei den "Heldentod fürs Vaterland durch einen Kopfschuss gestorben", meldet der "Vohenstraußer Anzeiger".

Das sind Schicksale aus den Kämpfen im Ostermonat 1915 an einem kleinen Teil der Westfront. Ende April 1915 beginnt die schon erwartete große Schlacht in den Wäldern von St. Mihiel in Lothringen. In Flandern erfolgt der erste deutsche Gasangriff. Eine der ersten Gasmasken war eine Stoffhülle mit Wolle gefüllt, in die man zuvor urinierte. So sollte das Gas gefiltert werden.

In den grenznahen Gebieten zu Frankreich werden Osterausflüge nach den Schlachtfeldern verboten. Gefärbte Ostereier dürfen nicht verkauft werden. Um den Bahnverkehr nicht noch mehr zu belasten, ist auch das Schreiben von Osterkarten untersagt. Und doch erreicht manch "herzinniger Ostergruß" die Familie.

Worte der Ironie

Nicht ermutigend klingt ein Brief aus der Heimat: "Kriegsostern, liegt in den Worten nicht eine Ironie? Ostern ist das Fest der Auferstehung, der Erwachung zum Leben, des Frühlings. Und Krieg? Krieg ist die vernichtende Kraft, erbarmungslos." Ein Soldat schreibt an Betty Heimerl, die sich nach Vohenstrauß verheiratete: "Ihr wertes Paket habe ich im Lazarett erhalten. Ich habe starke Kopfschmerzen wegen der Schusswunde am Kopfe und wie lange wird es dauern, haben wir schon wieder Ostern und noch keinen Frieden. Es grüßt Ihnen auf ein baldiges Wiedersehen Emil."
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