OWV-Marterlwanderung führt nach Miesbrunn - Erfreuliche und traurige Anlässe
Exkursion in die Vergangenheit

Die Teilnehmer der Marterlwanderung hörten genau zu, was Konrad Zeitler (rechts) auf dem Weg von Pleystein nach Miesbrunn erzählte. Bild: tu
Lokales
Pleystein
13.05.2015
0
0
Ein Team des OWV-Zweigvereins unter Leitung von Konrad Zeitler hat über mehrere Jahre hingweg 107 alte, teils verwitterte Marterln, Feld-, Wege-, Steinkreuze, Bildstöcke und -säulen aufgespürt und katalogisiert. Sie sind in der Landschaft und im Außenbereich der Rosenquarzstadt nicht nur ein schöner Anblick, sondern haben nicht selten einen geschichtlichen Hintergrund, sind teilweise wahre Kunstwerke und oft mit erfreulichen oder traurigen Anlässen verbunden.

Auch laden diese christlichen Symbole zur stillen Einkehr ein. Es ist für heimatbewusste Mitbürger eine Verpflichtung, diese Flurmale für nachfolgende Generationen zu erhalten und zu pflegen. Einen kleinen Teil dieser Monumente besichtigten einige Naturfreunde bei einer Marterlwanderung des Oberpfälzer Waldvereins. Diese interessante Exkursion hätte eine stärkere Resonanz seitens der Bevölkerung verdient gehabt.

Unter der Führung von Vorsitzender Maria Reber marschierte die kleine Schar vom Stadtweiher aus zum Finkenhammer. Dort informierte Hausherr Josef Wittmann ausführlich über die Marterln, die zu seinem Anwesen gehören. Weiter ging es dann in Richtung Miesbrunn zum Wittmann-Kreuz und zum Windirsch-Kreuz. Zeitler widmete sich auch einem dominanten, geheimnisumwitterten Steinkreuz, das 1,10 Meter hoch und 80 Zentimeter breit ist und das seinen Standort etwa 250 Meter südwestlich von Miesbrunn in Richtung Pleystein rechts am alten Fußweg nach Finkenhammer hat. Auf der Vorderseite befindet sich ein Relief Christi am Kreuz. Der Christuskorpus aus Granit und das Kreuz sind aus einem Stein gemeißelt.

Heimatforscher Siegfried Poblotzki hielt in seinen Aufzeichnungen fest, dass jenes Steinkreuz bei der Flurbereinigung 1965 beschädigt und nach der Sanierung 1970 wieder aufgestellt worden ist. Laut Poblotzki soll die Stelle, wo das Kreuz seinen Platz hat, die Fraisgrenze zwischen dem Niedergericht Miesbrunn und dem Hochgericht Pleystein markiert haben. Hier sollen im Mittelalter Verurteilte gerädert worden sein. In der Denkmalliste wird das Steinkreuz folgendermaßen beschrieben: "Mit Relief Christus am Kreuz wohl 19. Jahrhundert". Nach der Wanderung wurde in Miesbrunn im Gasthaus Reil Einkehr gehalten. Maria Reber präsentierte nach einer Brotzeit den Teilnehmern einen Abriss der Geschichte der Pfarrei Miesbrunn, die zu den ältesten Pfarreien der Region zählt und bereits 1326 im Pfarreienverzeichnis der Diözese Regensburg vermerkt ist.

Breiten Raum der Ausführungen nahm auch die 1912 erbaute Pfarrkirche St. Wenzeslaus ein. Voll von kulturellen Eindrücken traten die Wanderer noch vor Einbruch der Dunkelheit den Heimweg an.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7908)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.