Rauswurf aus dem Museum

Einen Schnitzertag wie zuletzt 2012 wird es im Stadtmuseum so schnell wohl nicht mehr geben. Grund: Die Pleysteiner Holzschnitzer bekommen nicht den Raum, den sie für eine Dauerausstellung haben wollten. Nach einigen Querelen haben die Hobbykünstler nun das Feld geräumt. Archivbild: tu
Lokales
Pleystein
21.11.2014
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Zwei Jahre haben sich die Pleysteiner Holzschnitzer und der Museumsarbeitskreis - im übertragenen Sinne - eine Auseinandersetzung bis aufs Messer geliefert. Nun sind die Meinungsverschiedenheiten vom Tisch, allerdings mit keinem guten Ende.

Vor kurzem haben die Holzschnitzer nämlich ihre Sachen aus dem Stadtmuseum geholt. "22 Jahre war die Schnitzergemeinschaft als Aussteller willkommen", schimpft Vorsitzender Gerhard Müller. Für ihn ist das daher im Endeffekt wie ein Rauswurf.

Hintergrund ist eine angebliche Zusage von Johann Walbrunn, der den Schnitzern in seiner Zeit als Bürgermeister versprochen haben soll, einen Raum nutzen zu dürfen, der jetzt als Wohnzimmer um die Jahrhundertwende eingerichtet ist. Darin hätte es eine Dauerausstellung geben sollen, unter anderem mit einer großen Weihnachtskrippe, die seit zwei Jahren fertig ist. Mitte Oktober hatte der Stadtrat daher beschlossen, dass die Hobbykünstler im Museum das Zimmer neben der Küche nutzen dürfen. Diesen Raum hielten die Schnitzer aber für nicht geeignet. Um ihre Exponate zu präsentieren, wäre das jetzige Wohnzimmer ideal gewesen.

Vom kommunalen Gremium fühlen sich Müller und sein Stellvertreter Gerhard Janker folglich im Stich gelassen. "Wir waren zwei Mal in Stadtratssitzungen, niemand hat sich auf unsere Seite gestellt", bedauert der Vorsitzende. "Die Stadt wollte Museumsleiterin Grete Reger wohl nicht vergraulen, weil sie sonst vielleicht hingeschmissen hätte."

Keine Zusage

Walbrunn will von einem Versprechen allerdings nichts wissen. "Das war nicht meine Zusage, das hatten die Schnitzer und die Museumsleiterin ausgemacht", erklärt der Altbürgermeister. Er habe sich "da nicht mehr einmischen" wollen. Dass Müller und Co. ihre Sachen aus dem Museum geräumt haben, findet er "nicht in Ordnung, weil es ja auch um das Vermächtnis ehemaliger, teilweise schon verstorbener Schnitzer geht".

"Wenn etwas Vernunft dabei wäre, könnte man einlenken. Außerdem ist der Raum neben der Küche fast genauso groß wie das Wohnzimmer. Und die Schnitzer müssen doch bedenken, dass die Stadt ihnen die Räume in der Schule schon seit Jahrzehnten zur Verfügung stellt", sagt Walbrunn. Dort treffen sich die Künstler mit den kleinen Messern seit Ende Oktober bis kurz vor Ostern wieder zwei Mal pro Woche. Für die Dauerausstellung gibt es jetzt jedenfalls keinen Platz mehr, andere geeignete Räumlichkeiten sind laut Müller in der Stadt Mangelware.

Museumsleitung schweigt

Zumindest sind die Fronten geklärt: Die Schnitzer wollen bis auf weiteres nicht mehr ins Museum, und auch an Veranstaltungen werden sie sich dort nicht mehr beteiligen. Die Museumsleitung wollte sich zu dem Fall nicht äußern. Für Müller und Janker steht zumindest eins fest: "Was nördlich von Pleystein, zum Beispiel in Plößberg, Tirschenreuth und Mitterteich, auf dem Gebiet der Krippenschnitzerei mit Stolz hochgehalten wird, findet hier keine Wertschätzung mehr. Wir werden aber bestrebt sein, trotz dieses Rückschlags die langjährige Tradition der Holzschnitzerei in Pleystein aufrechtzuerhalten."
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