Schnitzende Einheit

Lokales
Pleystein
22.10.2015
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Wenn der böhmische Wind eiskalt vom Osten her über das Grenzland pfeift, wenn die Tag immer kürzer und die Nächte immer länger werden, dann starten in Pleystein die Schnitzer in ihre Saison. Heuer feiern sie sogar ein Jubiläum.

Von Kirchweih bis kurz vor Ostern geben sich die Hobbyschnitzer aus der Region an den Dienstag- und Freitagabenden ein regelmäßiges Stelldichein. Dann arbeiten sie im Werkraum der Grund- und Mittelschule Zottbachtal an ihren groben Figurklötzen und fertigen daraus mit Talent und einem gehörigen Maß an Fingerspitzengefühl Madonnen, Statuen profaner und religiöser Art, Tiere oder Krippen. Alt und Jung, Einheimische und Auswärtige, Männer und Frauen bilden seit der Gründung vor nunmehr 45 Jahren eine florierende Einheit. Wobei Neueinsteiger stets willkommen sind.

Tradition belebt

Leiter der Gemeinschaft, die seit dem Spätherbst 2005 als eingetragener Verein fungiert, ist Gerhard Müller. Chronist und Gründungsvorsitzender Hermann Schneider ("Binnerwulfn-Hermann") erzählt, dass mit dem Zusammenschluss der Pleysteiner Holzschnitzer im Herbst 1970 wieder eine Tradition belebt wurde, die in Pleystein Jahrhunderte zurückreicht. In früheren Zeiten gehörte die Verzierung des Holzes zu den Tätigkeiten, die jeder Schreinermeister beherrschen musste.

Wie in der Friedhofskapelle, so waren auch in der alten Pfarrkirche die Kirchenstühle, die Beichtstühle und die Kanzel mit Ornamenten geschmückt - alles Arbeiten von hiesigen Handwerkern. Während des Winters machte man sich an die zeitraubende Tätigkeit des Figurenschnitzens.

Unvergessene sind längst verstorbene Schnitzpioniere wie der Großvater von Gerhard Müller, der "Schmied-Schorsch" (Georg Müller), Matthias Strigl und Josef Helm. Aufbauend auf dieser Tradition habe man sich an die Gründung der Interessengemeinschaft vor 45 Jahren gewagt, und der Erfolg habe den Initiatoren mit dem späteren Bürgermeister Paul Brucksch an der Spitze Recht gegeben, sagt Schneider.

Im ersten Arbeitsjahr 1970/71 traf man sich im alten Knabenschulhaus, 1971/1972 im Jugendheim neben dem Pfarrhof. Von 1972 bis 1984 fand die Gruppe im Dachgeschoss des mittlerweile nicht mehr existierenden Feuerwehrhauses im Stadtgraben Ost ein neues Domizil. Da das Interesse an der Schnitzerei ständig zunahm, ist dieser urige Raum ständig überfüllt gewesen. Im November 1984 startete die Schnitzsaison im modernen Werkraum der damaligen Volksschule, wo man heute noch beheimatet ist.

2016 Ausstellung geplant

Die Brauchtumspfleger haben im Laufe der vergangenen dreieinhalb Jahrzehnte mit Ausstellungen auf sich aufmerksam gemacht, zuletzt zum Jahreswechsel 2011/2012 im Bachofnersaal. Eine solche Sonderschau ist zum Jahresende 2016 wieder vorgesehen. Natürlich kommt bei den gemütlichen Schnitzabenden auch der Flachs und die Pflege der Kameradschaft nicht zu kurz unter den rund 30 Hobbyschnitzern, von denen einige von Beginn an mit von der Partie sind. Anfängern wird von Routiniers gerne Hilfestellung mit Rat und Tat geleistet.
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