Stadtbach als Lebensader

Der Pleysteiner Marktplatz zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Im Vordergrund sieht man den unteren Röhrenkasten, der jahrhundertelang ein wichtiger Bestandteil der Wasserversorgung der Gemeinde war. Repro: tu
Lokales
Pleystein
24.08.2015
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Schon in früheren Zeiten stellte die Wasserversorgung eine große Herausforderung für Verwaltung und Bürger dar. Für die Stadtgemeinde Pleystein hat Heimatforscher Siegfried Poblotzki (1917 bis 1997) das Thema Wasserleitung in der von ihm verfassten Chronik festgehalten.

Darin heißt es, dass es im Gegensatz zu anderen alten Städten im Ortsbereich Pleystein nur wenige Brunnen gab. Sicher überliefert sind zur zwei, einer vor dem Ziegeltor und der andere im Burggut, der das Wasser für die Brauerei lieferte. Der felsige Boden wird wohl der Grund dafür gewesen sein, dass man das Brunnengraben scheute.

Von Anfang an war es wohl der Stadtbach, der das Trinkwasser lieferte. Die strengen Vorschriften, die die Reinhaltung des Baches geboten, hielten sich bis in die neuere Zeit. Schon sehr früh wurde eine Wasserleitung gebaut, damals noch mit Holzrohren. 1556 begannen die Arbeiten. Nach neun Jahren war das Werk fertig. Vom Stadtbrunnen, 1300 Meter vom Ortsrand entfernt, führte die Leitung zum Marktplatz, auf dem zwei Röhrenkasten aufgestellt waren.

Rohre ausgewechselt

Weitere Wasserstellen waren beim Brauhaus, in der Unteren Steingasse, in der Ziegeltorgasse und bei der Kirche St. Achatius in der Altstadt. 1864 wurde der größte Teil der Wasserleitung in Steingutrohre verlegt, 1881 in Eisenrohre. 1884/85 beseitigte man die hölzernen Röhren und ersetzte sie durch eiserne.

Um die Jahrhundertwende war die Wasserversorgung nicht mehr ausreichend. Die Gemeinde entschloss sich zum Bau einer neuen Wasserleitung mit Hausanschlüssen und Wasserzählern. Mit der Planung wurde 1900 begonnen. Der Großbrand am 10. Juli 1901 machte deutlich, dass die neue Wasserleitung dringend notwendig war. Der Bau ging zügig voran, so dass die Arbeiten 1903 abgeschlossen werden konnten.

In den Jahren 1948/49 wurden die Quellen im Stadtgebiet neu gefasst und die Rohrleitung von dort bis zum Anwesen Willax erneuert. Ein zweiter Hochbehälter am Fuße des Kreuzbergs wurde 1950/51 gebaut. Auch wurde eine Entsäuerungsanlage im Stadtbrunnenbereich erstellt.

Das Hochreservoir auf dem Kreuzberg war bereits 1902 als Wasserspeicher in Betrieb genommen worden, gespeist mit natürlichem Druck von den Quellen des Stadtbrunnens. 1951 und 1952 erfolgte die Fassung von drei Quellen im "Geißzeug" sowie die Verlegung einer Rohrleitung von dort bis zum Schullandheim im "Gsteinach".

Zur Behebung der zeitweilig auftretenden Wasserknappheit wurde 1959 die Rohrleitung vom Schullandheim bis zum oberen Hochbehälter auf dem Kreuzberg weitergeführt. Gleichzeitig wurden am Hang des Fahrenbergs in Bibershof drei weitere Quellen gefasst und zum Wasser bis zum Hochbehälter auf dem ehemaligen Schlossberg geleitet.

Zur Sicherung des steigenden Bedarfs zeigte sich 1972 abermals die Notwendigkeit für die Erweiterung der Wasserversorgungsanlage. 1975 ging der neue Tiefbrunnen in Betrieb.

Neue Wasserspeicherung

Im Zusammenwirken mit dem Wasserwirtschaftsamt Weiden wurden 1991 aufgrund der besonderen topografischen Verhältnisse sowohl für die Wasserförderung als auch für die Wasserspeicherung neue Wege beschritten, die das veraltete System ablösten. Mit einer halbautomatischen Aufbereitungsanlage wurde den Forderungen der Trinkwasserverordnung entsprochen. Und mit der Wasserspeicherung auf dem Galgenberg konnten alle Verbrauchszonen druckmäßig fast gleich bedient werden.

Neben dem neuen Hochbehälter und der Entsäuerungsanlage wurden noch zwei Tiefbrunnen gebaut, Wasserleitungen verlegt sowie die Wasserversorgung in Lohma und Lohma-Siedlung modernisiert. Dieser erste Bauabschnitt kostete 3,3 Millionen Euro. Als nächste Maßnahme stand die Erneuerung der Leitung in Miesbrunn an. Nach Fertigstellung aller Bauabschnitte hatte die Stadt rund 7,1 Millionen Euro zur Sicherung der Wasserversorgung investiert.
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