Suche nach dem Pulverstoffel

Nicht wegzudenken aus den Faschings- und den Festzügen in der Region ist der Pleysteiner Pulverturm mit der Pulverkanone auf dem Gefährt. Bild: tu
Lokales
Pleystein
29.06.2015
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Die Pleysteiner werden von altersher als Pulverstoffel bezeichnet. Man neckte sich früher mit diesem Spottnamen, aber von Auswärtigen hörte man ihn nicht sehr gerne. Heute ist man fast stolz darauf.

Bei Festzügen oder beim Gaudiwurm im Fasching sind die "Pleysteiner Pulverer" mit ihrem grauen Pulverturm vertreten, von dem aus sie mit der Konfettikanone ihrem Namen alle Ehre machen. Der Ursprung dieses Spottnamens reicht einige Jahrhunderte zurück und hängt mit dem Besuch eines Kurfürsten zusammen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam ein Handelsreisender aus Sachsen ins "Weiße Lamm", einem alteingesessenem Gasthof in der Rosenquarzstadt. Jener Gast fragte den Lammwirt, ob er nicht den bekannten Pulverstoffel sehen könnte. Der alte Wassermann, so der Hausname des Wirts, wusste gleich, was es geschlagen hatte und meinte: "Frali kinnas den seahgn." Er fasste den Sachsen am Rockärmel und zog ihn in die Mitte der Gaststube. Dann nahm der Wirt die Pfeife, die ihm Tag und Nacht zwischen den Zähnen hing, und deutete damit zum Fenster hinaus.

Gegenüber seines Anwesens war eine Schmiedewerkstatt, und der Wirt sagte: "Grod is a daou drübm eine, wiard owa glei wieda assakumma. Sie möin halt a weng woartn." Der Holzkaufmann zündete sich eine Zigarette nach der anderen an, wartete und wartete, aber der Pulverstoffel wollte nicht kommen. Nach einer Weile brummte er: "Na, wird's was, oder wird's nichts?". Und da er das Haustor des "Piehler-Schmieds" nicht aus den Augen ließ, sah er auch den alten Maurer mit seinen zwei Gesellen nicht, die in der Ecke saßen und Brotzeit machten. Langsam ging dem neugierigen Besucher die Geduld aus und ein Licht auf. Er wandte sich an den Wirt und fragte, ob dieser Stoffel wohl da drüben in das Butterfass gefallen sei.

"Den wearns halt drübm nimma aslaoua", meinte der Wirt und ging auf den Genarrten zu. Er drehte ihn nach rechts herum, so dass der Sachse direkt in den Wandspiegel sehen konnte und sagte: "Wenn's nan unbedingt seahgn wälln, daou schaut der Pulverstoffel öitza assa oder eini." Und schon war der Wirt zur Küche hinaus und verschwunden.

"Unverschämt", schrie der veräppelte Gast und hieß den Hausherrn einen Flegel, eine üble Motte und einen Lümmel. Er wollte noch einige deftige Schimpfwörter loswerden, aber da rumpelten auch schon die beiden Maurergesellen auf. Der Sachse wurde mit einem Male flink und erwischte schnell noch die Türe.
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