Unheimliche Begegnungen auf dem Kaplansteig
Der Gespensterweg

Lokales
Pleystein
30.10.2014
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In den Wintermonaten gehörte es früher zur Tradition, bei Sitzweilabenden im trüben Licht Erinnerungen auszutauschen. Manche der "Hutzaleute" erzählten aber auch schaurige Sagen zum Gruseln. Zu diesen Volksmund-Überlieferungen gehört auch der "Spuk am Kaplansteig". Als Burkhardsrieth ab 1627 von Pleystein betreut wurde, musste sich der Kooperator jeden Morgen um 5 Uhr zu Fuß auf den Weg machen, damit er um 7 Uhr in Burkhardsrieth die heilige Messe lesen konnte.

Im Laufe der Zeit hatten die Priester einen Abkürzungsweg ermittelt, den man noch heute den Kaplansteig nennt. Er führte über den Fuchsenberg quer durch den Wald und nördlich an der Finstermühle vorbei direkt nach Burkhardsrieth. Im harten Winter dauere der Marsch oft mehr als zwei Stunden. Von diesen Strapazen abgesehen, waren es der Sage nach andere widrige, ja makabre Umstände in der Gegend der Finstermühle, die den Pleysteiner Kaplänen ihre Arbeit erschwerten.

Hund mit glühenden Augen

Da war zum Beispiel der "feurige Hund", der dem Geistlichen in einem Abstand von 20 Schritten folgte. Er hatte glühende Augen und eine heraushängende Zunge. Wenn der Kaplan schneller ging oder sogar lief, tat der Hund dasselbe. Manchmal war es "der Mann", der vor dem Kooperator herging - eine Gestalt in einem alten Mantel und mit einem altmodischen Hut. Neulinge versuchten, den Mann einzuholen, um eine Unterhaltung auf dem weiten Weg zu haben, aber der Abstand verringerte sich nicht. Plötzlich war die Erscheinung verschwunden.

Ein anderer Kaplan befand sich plötzlich inmitten einer Riesenmenge von Kröten und Schlangen, die alle die Mäuler gegen ihn aufrissen. Er konnte an diesem Tag nicht zelebrieren, denn die ekelhaften Tiere verschwanden erst, als in Burkhardsrieth das Zwölf-Uhr-Läuten begann. Ein unheimliches Erlebnis dieser Art soll auch ein im Amt neuer Kooperator gehabt haben. Bleich und schwitzend kam er zu spät in Burkhardsrieth an. Nachdem er die Messe gelesen hatte, ruhte er sich aus und machte sich dann auf den Rückweg. Im Wald traf er auf Holzhauer. Er fragte sie, ob sie am Morgen hier nichts gesehen hätten. Sie verneinten.

Der Kaplan ging zurück nach Pleystein und berichtete dem Stadtpfarrer davon. Was der junge Priester erlebt hatte, erfuhr kein Mensch, denn sowohl der Vorgesetzte als auch der Kooperator schwiegen. Der Kaplan ließ sich versetzen und starb bald darauf an seinem neuen Wirkungsort. Der Spuk bei der Finstermühle soll mit einem Müller in der Umgebung zu tun haben. Er ist in einem nahe gelegenen Weiher ertrunken. Wie man sagt, ist er kein "Gescheiter",also ein unehrenhafter Mann gewesen.
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