Unruheherde in der Tiefe

Otto Walbrunn sprach beim zweiten Geotag über die Ursprünge der Heilquellen im Nachbarland. Bild: tu
Lokales
Pleystein
23.04.2015
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Der zweite Pleysteiner Geotag bestach durch einen brillanten Bildervortrag von Otto Walbrunn aus Schwandorf. "Das böhmische Bäderdreieck und seine geologische Basis" lockte viele Zuhörer ins Stadtmuseum.

Das Herz des gebürtigen Pleysteiners (84), der in München Biologie, Chemie und Geographie studiert und der bis 1994 das Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium in Schwandorf geleitet hat, schlägt seit vielen Jahren für in- sowie ausländische Kunst und Kultur sowie für die Naturlandschaften. Zu diesem zweiten Part der Geopark-Triologie, die im Stadtmuseum vom Museumsarbeitskreis in Zusammenarbeit mit dem Geopark Bayern-Böhmen veranstaltet werden, konnte Altbürgermeister Johann Walbrunn im Kultursaal Besucher aus dem Landkreis Neustadt/WN und aus Weiden willkommen heißen.

"Unser Betrachtungsraum ist der seit 2002 eigenständige Bezirk Karlsbad, früher Teil des Bezirks Westböhmen", so der Referent. Die weltberühmte Kurstadt liegt am Rande des Egergrabens, eines geologischen Einbruchsbeckens. Die Ränder solcher Einbruchsbecken sind besondere Schwächezonen der Erdkruste. Das zeigt sich in vulkanischen Erscheinungen. Unmittelbar neben Karlsbad breitet sich der ehemalige Riesenvulkan Duppau aus. Einer der jüngsten Vulkane im Gebiet des böhmischen Bäderdreiecks wurde erst spät erkannt. Es ist der Kammerbühl, heute ein kleiner Waldhügel bei Franzensbad.

Häufige kleine Erdbeben

Östlich von Franzensbad liegt das Torfmoorgebiet Soos. Das Gebiet um Eger ist aber vor allem auch für seine häufigen kleinen Erdbeben bekannt. "Das Einbruchsbecken zwischen Erzgebirge und Kaiserwald hat nicht nur äußere Bruchkanten, sondern es ist auch in sich bruchstückhaft zergliedert. Viele dieser Bruchkanten bieten auch die Möglichkeit, dass aus der Tiefe leichter Ausflüsse erfolgen können, dass etwa in der Tiefe aufgeheiztes Grundwasser, angereichert mit Lösestoffen, leichter nach oben dringen kann, angetrieben von Kohlensäuregas, das von Magmamassen abgegeben wird. Darin können wir die Basis für die Entwicklung von Heilbädern beziehungsweise Kurbädern in diesem Raum sehen", fuhr Walbrunn fort.

Der augenscheinlichste Ausdruck dafür sei heute wohl die Sprudelfontäne von Karlsbad. Auch die anderen vielen Quellen in Karlsbad, Marienbad, Franzensbad sowie Königswarth bezeugen den geologischen Unruheherd jenes Bäderdreiecks. "Manche haben in der Tiefe eine gemeinsame Wurzel. Temperatur und Lösestoffgehalt der austretenden Wässer können aber auch unterschiedlich sein. Franzensbad wurde 1793 gegründet und nach dem Habsburger Kaiser Franz II. benannt. Seine Heilwasser waren aber früher schon als Egerer Sauerbrunn bekannt", betonte Walbrunn.

Kleiner Franzl

Inmitten der Parkanlage prägen heute vor allem Gebäude des 19. Jahrhunderts das Stadtbild. Die Figur des kleinen Franzl ist zum Wahrzeichen des Ortes geworden. Im größeren Marienbad versteckt sich die ursprünglich namensgebende Marienquelle im Innenhof eines Gebäudekomplexes. Auffallend tritt dafür die Kolonnade der zentralen Kreuzquelle in Erscheinung. Prämonstratensermönche des nahen Klosters Tepl erkannten früh die Heilwirkung der dortigen Quellen. Vereint haben dann Abt Reichenberger und Klosterarzt Nehr Anfang des 19. Jahrhunderts Badehäuser errichten lassen und ein Kurbad begründet, das 1818 öffentlich anerkannt wurde.

Geologischer Lehrpfad

Oberhalb des Kurbezirks wurde in den letzten Jahren zu all den bereits vorhandenen gut markierten Wanderwegen noch ein geologischer Lehrpfad hinzugefügt. Eine historisches Besuchsziel stellt das Empireschloss Königswarth dar im gleichnamigen kleinen Kurbadeort. Benannt wurde Karlsbad an der Eger nach dem römisch-deutschen Kaiser Karl IV., der hier während der Jagd auf die heißen Quellen gestoßen sein soll und den heranwachsenden Kurort 1370 dann mit besonderen Privilegien bedachte. Umliegende Berge bieten ausgezeichnete Wandermöglichkeiten.

Zum Schluss stellte Walbrunn noch den Kaiserwald, Elbogen in der Egerschleife, Petschau im Tepltal, das Kloster Tepl und das Trappistenkloster in Novy Dvur auf der Tepler Hochebene vor. Für den Museumsarbeitskreis dankte Annemarie Woppmann dem Referenten für den exzellenten Vortrag.
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