Vortragsabend des OWV über das Brauchtum rund um Sterben und Tod
Wenn der Waldkauz ruft

Georg Schmidbauer hielt seinen Vortragsabend in geselliger Runde ab. Bild: tu
Lokales
Pleystein
26.11.2015
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Im Leben des Menschen spielte das Brauchtum einst eine wichtige Rolle, so auch um Sterben und Tod. Über dieses sensible Thema referierte am Dienstag Heimatkundler Georg Schmidbauer aus Oberbernrieth auf Einladung des Oberpfälzer Waldvereins im Café Enslein. Über 30 Zuhörer lauschten aufmerksam dem gut einstündigen Vortrag.

Der Tod komme nach dem Glauben des Volkes nicht unvermittelt, er kündige sich vielmehr an. Man müsse nur seinen Ruf hören und seine Zeichen verstehen. "Nichts Gutes bedeutete der Ruf des Totenvogels. Gemeint war meist der Waldkauz, manchmal auch der Kleiber. Vorzeichen des Todes seien gewesen, wenn zum Beispiel ein Bild von der Wand gefallen sei oder Klopfzeichen in der Wand und eine selbst aufgehende Tür.

Letzte Ölung

Lange Zeit sei die letzte Ölung nahe an die Todesgrenze gerückt und als Kräftigung für den Übergang in eine andere Existenz gedeutet worden. Sei ein Sterbender in den letzten Zügen gelegen, so hätten sich die Angehörigen um das Lager versammelt. War er verschieden, so seien ihm die Augen geschlossen worden. Eine andere Person habe ein Fenster geöffnet, damit die Seele auch hinaus könne. Dann sei die Totenfrau gerufen worden, die den Toten mit Wasser und oft auch mit Branntwein abgewaschen und ihn mit dem Sterbegewand bekleidet habe. Dann sei der Leichnam für drei Tage im schönsten Zimmer des Hauses aufgebahrt worden.

Nach Eintritt der Dunkelheit seien alle Verwandten und Nachbarn im Trauerhaus zur Totenwache zusammengekommen. Nach dem Beten seien Brot, Bier und Schnaps gereicht worden, Geschichten wurden erzählt und es ist Karten gespielt worden. Die persönliche Todesansage sei durch die Leichbitterin erfolgt. Am Tag der Beerdigung seien schon frühzeitig die Verwandten und nähere Freunde ins Trauerhaus gekommen. Der Tote sei in den Sarg gelegt worden, und der Schreiner habe dann die Truhe zugenagelt.

"Die Leiche wurde dann aus dem Haus getragen, und die Angehörigen erhoben ein lautes Wehklagen und Weinen. Das war so der Brauch." Die erste Sorge habe dem Ablauf und der Ordnung des Trauerzuges gegolten, denn der Weg vom Haus des Verstorbenen zum Friedhof sei oft weit gewesen. Beim Hinablassen der Leiche sei es Pflicht gewesen, heftig zu weinen. Nach der Beerdigung sei das Seelenamt gefeiert worden. Anschließend habe das Leichenmahl stattgefunden. Der Leichtrunk habe oft lange gedauert, denn ein Todesfall habe die oft verstreut wohnende Verwandtschaft wieder einmal zusammengebracht und man hatte sich viel zu erzählen. Dabei sei auch manchmal über den Durst getrunken worden.

Zu Hause aufgebahrt

Zu einer Zeit, als Leichenhäuser noch unbekannt gewesen seien, sei der Tote zu Hause aufgebahrt worden. Als Unterlage habe ein Brett, das Totenbrett, gedient. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sei es allgemeine Gepflogenheit geworden, diese Totenbretter an Kirchen- oder Totenwegen aufzustellen.

Sterbebilder würden seit dem 19. Jahrhundert nach wie vor zum festen Bestandteil um Tod und Begräbnis zählen. Ihre Aufgabe sei es, das Gedenken an den Toten zu wahren. Darüber hinaus wolle gerade das Sterbebildchen zum Gebet für die Toten mahnen. Dem Toten ein bleibendes Denkmal zu errichten, sei ureigenstes menschliches Bedürfnis und erfolge durch Grabsteine oder Grabkreuze. Anschließend tauschten die Teilnehmer ihre Erfahrungen zu jenem Brauchtum aus. Vorsitzende Maria Reber bedankte sich beim Referenten.
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