Weiße Tücher verhindern Unheil

Johann Poblotzki hat den Tag des Einmarschs der amerikanischen Streitkräfte in Pleystein vor 70 Jahren in einem Bericht niedergeschrieben. Repro: tu
Lokales
Pleystein
14.04.2015
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Vor fast 70 Jahren, am 23. April 1945, marschierten amerikanische Streitkräfte in Pleystein ein. Trotz Bedrohung durch einem SS-Soldaten hissen einige Bürger weiße Flaggen.

Dies dokumentierte Heimatforscher Siegfried Poblotzki (1917 bis 1997) in der Ortschronik. Der Kaufmann und Drogist Johann Poblotzki (1878 bis 1972), Vater des Chronisten, hatte diesen Tag für die Nachwelt in einem Bericht festgehalten.

Ein Todesopfer

Die Gebäude in der Stadt kamen ohne größere Schäden davon. Die Soldaten der Siegermacht rückten nahezu ohne Widerstand in die Ortschaft ein. Jedoch musste auch ein Todesopfer beklagt werden. Die erste Granate, die die Stadt traf, explodierte hinter der "Alten Post" beim Anwesen Reger im Stadtgraben Ost. Katharina Rewitzer, geborene Reger, wollte noch schnell ins Haus flüchten. Sie wurde aber von einem Granatsplitter tödlich getroffen.

Wären die Amerikaner nicht noch am Abend des 23. April einmarschiert, hätte das SS-Bataillon vom Berglerwerk noch in der Nacht die Stadt besetzt und der Kampf selbst hätte sich innerorts abgespielt. Wahrscheinlich wäre es Pleystein dann so ergangen wie dem nahen Fuchsenbergdorf Spielhof - ein einziger Schutt- und Trümmerhaufen. Bereits vom 15. bis 21. April 1945 hörte man Geschützfeuer. Flugzeuge im Tiefflug griffen Arbeiter auf dem Feld und die Verkehrsteilnehmer auf der Straße an. Der Fuchsenberg wimmelte von SS- und Werwolf-Einheiten, weil sie Pleystein verteidigen sollten.

Johann Poblotzki schreibt über den 23. April 1945: "Ich war an jenem Tag mit Hans Strigl im RAD-Lager (Reichsarbeitsdienst), um dieses von einem Major, der unter Mitnahme wertvoller Sachen nach Pilsen flüchtete, zu treuen Händen zu übernehmen. Wir waren gegen 16 Uhr fertig, und als wir gerade die Gartenpforte schließen wollten, flog eine Granate über unsere Köpfe hinweg aus Richtung Bernrieth kommend nach Pleystein. Es folgte eine zweite und eine dritte, und dann ging es ohne Unterbrechung weiter. Staub und Rauch entwickelten sich über der Stadt."

Poblotzki habe daher versucht, möglichst schnell sein Haus in der Altstadt zu erreichen, "weil ich dieses in Gefahr vermutete". Allerdings sei nichts passiert. Er und seine Nachbarn hätten dann weiße Tücher am Haus befestigt. "Von einem SS-Soldaten wurde ich aufgefordert, diese wieder hereinzunehmen, und er drohte sogar mit Erschießen. Als er aber wieder verschwunden war, wurden die Tücher wieder ausgehängt. Diese Maßnahme schien Erfolg zu haben, denn kurz darauf wurde das Geschützfeuer eingestellt."

"Korrektes Benehmen"

Bald schon rollten die ersten Panzer, die sich im Zottbachtal bereit gehalten hatten, in das Rosenquarzstädtchen. Die SS war nicht mehr zu sehen. Dafür begannen die Amerikaner mit einer wilden Schießerei. Türen und Fenster wurden eingeschlagen und alle Räume nach versteckten deutschen Soldaten durchsucht. Poblitzki: "Ich hatte in jener Nacht zwei amerikanische Dienstgrade zur Übernachtung und musste deren korrektes Benehmen und anspruchsloses Wesen anerkennen."

In den nächsten Tagen ging das Geschützfeuer über die Stadt hinweg in Richtung Spielhof und Lohma, da dort angeblich Widerstand geleistet wurde. Spielhof wurde bis auf zwei Höfe vernichtet. Lohma hat weniger gelitten, doch kam dort ein Einwohner durch Feindbeschuss ums Leben. Weil die Brücke über der Zott an der Hauptstraße bei Lohma von der SS gesprengt worden war, war Pleystein tagelang von Truppen belegt. Es musste der Weg über Miesbrunn genommen werden, um wieder auf die Hauptstraße zu gelangen. Die Sieger fuhren Tag und Nacht Streifen, nicht nur auf den Straßen, sondern auch durch die Felder und Wälder. Nur ab und zu gelang es ihnen, einen in Zivil gekleideten Soldaten aufzuspüren und gefangen zu nehmen. In Pleystein war nach den ersten Tagen keine dauernde Besatzung mehr, und die in Vohenstrauß wurde bald auf einige Hundert Mann reduziert.
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