Zeugen tragischer Vorfälle

Lediglich zwei uralte Steinkreuze mit einer Christusfigur sind in der Region erhalten. Das markantere davon (links) wacht bei Miesbrunn eindrucksvoll über die Stadt Pleystein. Ein eher vergessenes Dasein führt das Exemplar vor dem Eingang zur Kapelle beim Zottbachhaus. Bilder: fjo (2)
Lokales
Pleystein
07.08.2015
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Es sind die ältesten Zeugnisse menschlichen Handelns, die noch mitten auf unseren Fluren stehen. Einfach und schlicht, aber deutlich erkennbar stehen die teils noch mittelalterlichen Steinkreuze aus längst vergessenen Tagen meist an markanten Punkten.

Bis heute überrascht deren stattliche Anzahl im Altlandkreis, auch wenn sie oft nicht mehr an ihrem einstigen Standort stehen. Die handwerklich roh bearbeiteten Kleindenkmäler bestehen aus heimischen Granit. Zu manchen ist sogar eine Sage überliefert, worin dann oft eine Errichtung "zur Sühne" vorkommt. Die Erzählungen früherer Generationen berichten von im Streit Erschlagenen, heimtückischen Morden, lebendig Begrabenen, tragischen Unfällen mit mehreren Beteiligten oder Ereignissen aus Kriegszeiten. Quellen datieren bis ins 14. Jahrhundert zurück.

Suche nach Standorten

Eine Zusammenstellung der Steinkreuze im Altlandkreis verfasste Heimatkundler Michael Hardt erstmals 1961. 24 Steinkreuze erwähnte er in seinen "Flurdenkmalen des Landkreises Vohenstrauß". Bei der Suche nach den Standorten gibt es heute immer wieder Überraschungen. Manche sind versteckt, andere schon von Weitem zu sehen, wieder andere nicht mehr auffindbar.

Das für Burkhardsrieth verzeichnete Stück scheint spurlos verschwunden. Hardt ging es vor 50 Jahren schon so, wenn er beispielsweise unter Nummer 96 erwähnte: "soll am Weg zum Fahrenberg (von Waldthurn aus) gestanden haben, es ist aber nirgends mehr auffindbar." Das gut erhaltene Exemplar bei Peugenhammer hat Hardt hingegen entweder übersehen oder vergessen. Es fehlt in seiner Aufstellung. In Miesbrunn und Moosbach sind die markantesten ihrer Art in beeindruckender Weise erhalten; einmal am Ende einer geteerten Flurbereinigungsstraße in Richtung Finkenhammer, das andere direkt bei der Abzweigung nach Saubersrieth. Beide bestechen durch den ganz aus einem Stück herausgearbeiteten Kreuz mit Christusfigur. Bei Miesbrunn gibt es noch ein drittes, das als Besonderheit eine herausgehauene Heiligennische hat.

Für Moosbach kommen neben dem Christusrelief noch zwei Kreuze hinzu, die Hardt nicht kannte. Eines steht an der Friedhofmauer von Etzgersrieth , das andere zwischen Grub und Gebhardsreuth . Als Pflugscharen deutet die einschlägige Literatur, was sich bei den Kreuzen in Steinach und bei der Bartlmühle auf der Vorderseite befindet. Letzteres ist bei Hardt wieder nicht erwähnt. Auf vielen Fotografien überliefert zeugt das Steinkreuz direkt unterm Kalten Baum von seinem festen Standort seit langer Zeit.

Dem Stein unweit des Waidhauser Ortsteils Ödkührieth fehlt zwar ein Arm, dafür hat es im Zentrum ein sauber herausgearbeitetes Mühlrad mit Hammer. Rund um Eslarn war ein Exemplar früher in Putzenrieth bekannt, das aber nun fehlt. Nur noch ein weiteres gibt es hier, das aber auf der Gemeindegrenze zur Oberlangau steht. Ein schönes Granitkreuz in Kleeblattform gibt es dann noch im Wald bei Spielberg .

Abstecher lohnt sich

Und bei einem Besuch desselben lohnt sich ein Abstecher nach Lennesrieth , wo es noch fünf Steinkreuze gibt. Eines davon ist bisher nirgends erwähnt. Nicht erst auf "Unfälle" in neuerer Zeit, etwa mit großen Landmaschinen, geht das Fehlen eines Kreuzarmes zurück, was bei elf Steinkreuzen der Fall ist.
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