Zurück zur alten Pracht

Lokales
Pleystein
21.11.2014
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Das Loreto-Heiligtum in Bor ist auf gutem Weg, an seine Vergangenheit als sakrales und kulturelles Kleinod anzuknüpfen. Dies auch dank der finanziellen Unterstützung aus Kreisen der Stadt. Bürgermeister Rainer Rewitzer und Altbürgermeister Johann Walbrunn überzeugten sich unlängst davon.

Die jahrhundertelangen Verbindungen zwischen Pleystein und Bor (Haid) in Tschechien wurden nach dem Fall des Eisernen Vorhangs neu belebt, sei es kirchlich, politisch, kulturell oder gesellschaftlich. Seit 2003 ist Bor offiziell Partnergemeinde. Die Wiedereinführung alten Traditionen - bis 1945 gab es Fußwallfahrten von Haid nach Pleystein und umgekehrt - unterstützte die Euroregion Egrensis. Die Wallfahrt zur "Schwarzen Muttergottes von Loreto in Haid" am Fest Mariä Geburt am 8. September hat ihren Ursprung in einem der berühmtesten Pilgerorte Europas, in Loreto bei Ancona in Italien. Im 15. Jahrhundert entwickelte sich dort ein regelrechter Kult um die "Schwarze Muttergottes", zu der immer mehr Marienverehrer pilgerten, besonders Adlige, die gelobten, eine Nachbildung des "Heiligen Hauses" in ihrer Heimat zu bauen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg, der auch im Egerland verheerende Schäden anrichtete, kam es in Böhmen zu zahlreichen Loretogründungen, so auch in Haid.

Malerische Anlage

Die malerische Loretoanlage in Bor wurde 1668 eingeweiht. Sie wird vor allem geprägt von der lauretanischen Kapelle, gestiftet von Isabella Maria Gräfin von Götz, geborene Trcka von Lípa, und Sigmund Friedrich Graf von Götz, Herr auf Haid. Das Kirchlein entspricht im Grundriss und in den Ausmaßen genau dem Vorbild von Ancona. Die Gnadenstatue ist in Größe und Haltung eine Nachbildung von Loreto mit 93 Zentimetern Höhe und vermutlich von der Stifterin aus Ancona nach Haid gebracht worden. Eine dunkle Phase der Wallfahrt von Haid begann mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus dem Sudetenland nach Kriegsende. Die Anlage wurde geschändet und verfiel permanent. Erst nach der sanften Revolution 1989 wurde die Wallfahrt erneuert und der Aufbau der Kapelle und der arkadenartigen Umgänge mit den wertvollen Fresken in Angriff genommen.

Diese kostenträchtigen Aktionen zur Erhaltung des wertvollen Kulturguts sind den unermüdlichen Initiativen von Dekan Vladimir Born aus Haid zu verdanken, dessen engagierte Bemühungen Pleysteiner Privatleute, Vereine und Körperschaften mit Geldspenden unterstützen. Ein erheblicher Teil des Lorero-Heiligtums konnte bereits umfassend restauriert werden, doch vieles gibt es noch zu tun.

Bürgermeister Rainer Rewitzer und Altbürgermeister Johann Walbrunn verschafften sich vor kurzem auf Einladung von Born ein Bild vom Stand der umfangreichen Sanierung. Sie waren beeindruckt vom Fortschritt der Maßnahmen. Unter anderem wurde in den vergangenen Monaten für 100 000 Euro ein Anbau erstellt, der sich harmonisch in das Gesamtbild des Ensembles einfügt. Untergebracht werden darin Verwaltungs- sowie Sanitärräume. Der früher an gleicher Stelle befindliche Altbau, der als Kaplanwohnung und Sakristei gedient hatte, war 1972 abgerissen worden.

2018 großes Jubiläum

Wie Born seinen Gästen erläuterte, wurde der Neubau mit Mitteln aus dem Europafonds und dem deutsch-tschechischen Zukunftsfonds mitfinanziert, was eine große Hilfe gewesen sei. Der Geistliche fügte an, dass als weiterer Schritt zur Fertigstellung von Loreto gegenwärtig die zum Teil noch vorhandenen Gewölbe restauriert und rekonstruiert werden. In zwei Jahren müssten die Malereien im Kreuzgang abgeschlossen werden. 2018 soll dann das 350-jährige Bestehen des Heiligtums in einem strahlenden Licht präsentiert und gefeiert werden.
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