Reformgesetz der Pflegeberufe in der Kritik
Kranken- und Altenpfleger legen Veto ein

Albert Rupprecht informierte sich im "Zottbachhaus" über die Probleme, die das neu Gesetz zur Reform der Pflegeberufe bringen würde. Bild: bey
Politik
Pleystein
11.04.2016
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Das Pflegeberufereformgesetz stößt bei Kranken- und Altenpflegern, aber auch bei Kinderkrankenschwestern auf erhebliche Ablehnung. Sie befürchten aufgrund der vereinheitlichten Berufsausbildung den Verlust ihres Berufsprofils, fordern eine spezielle Ausbildung mit zeitlich früherem Beginn für den Berufszweig und die Berücksichtigung der Besonderheiten des ländlichen Raums.

Bei einem "Pflegefrühstück" im "Zottbachhaus" bestätigte Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht diese negative Einschätzung, die 90 Prozent der Betroffenen geäußert hätten. Aus dem zunächst angedachten kleinen Gesprächskreis war eine große Runde mit 30 Teilnehmern aus der Oberpfalz geworden sei. Die Teilnehmer waren sehr kompetent: Ein Ärztlicher Direktor, Pflegedirektoren, Pflegedienstleiter, Betreiber von Pflegeeinrichtungen und Mitarbeiterinnen aus Kinderkrankenhäusern waren gekommen, um dem Parlamentarier ihre Einschätzungen nach Berlin mitzugeben.

In einer kurzen Einleitung sprach Rupprecht die sich aus der Generalistik des Gesetzes ergebenden Probleme an. Dazu gehöre bereits die Differenz in der "Kultur" der Alten- und Krankenpfleger, wobei die Spezialisierung für den Beruf des Altenpflegers entfalle. Funktionierende Strukturen in Verbindung mit den Schulen stünden zur Disposition stünden. Im ländlichen Raum ergäbe sich bei der Ausbildung an verschiedenen Orten ein Fahrproblem. Letztlich werde in der Altenpflege ein zunehmendes Personalproblem spürbar. Rupprecht sieht die Notwendigkeit, besonders den Punkt "regionale Ausbildung" zu überarbeiten. Als Folge der neuen Regelungen erwartet der MdB, der das Gesetz ablehnt, eine Gehaltsangliederung in den Pflegeberufen. In jedem Fall müssten in den bayerischen Ausführungsregelungen die regionalen Gesichtspunkte berücksichtigt werden.

Stress schreckt ab


Die neuen Ausbildungsvorschriften erschweren nach Meinung der Gäste Quereinsteigern den Einstieg in den Beruf. Gerade Menschen mit einem abgeschlossenen Beruf und entsprechendem Alter könnten ihre Lebenserfahrungen einbringen. Die Ausbildung werde schwerer, der Prüfungsstress nehme zu, was auf junge Menschen abschreckend wirke, war die einhellige Ansicht. Während der Pflegedienstleiter eines Altenheims die Verlängerung der Ausbildungszeit forderte, um die Absolventen speziell auf den Beruf des Altenpflegers vorzubereiten, lehnte dies eine Mehrheit der Kollegen ab.

Drei Berufsgruppen


Ein Gesetz für alle in Frage kommenden drei Berufsgruppen quer durch Deutschland zu erlassen, sei schwierig. Dies zeige sich bereits im Bereich Krankenpfleger, die in Häusern unterschiedlichster Größe tätig sind. Deshalb liegt nach Meinung Rupprechts der Knackpunkt des Gesetzes einzig in der dazugehörenden zu erlassenen Verordnung. Damit könne der generalistische Ansatz strukturiert klein gehalten werden. Nur im theoretischen Bereich würden sich Überlappungen ergeben. Dann müsste sofort der Einstieg in die jeweiligen Bereiche beginnen, sonst verlängere sich sozusagen automatisch die Ausbildung.

Übereinstimmung herrschte in der großen Gesprächsrunde darüber, mit richtigen Rahmenbedingungen den Pflegeberuf attraktiv zu machen.
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