500 Jahre Reinheitsgebot
Ein Trank für alle Lebenslagen

Vermischtes
Pleystein
25.05.2016
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Im "Kreuzwirt-Keller" am Pleysteiner Marktplatz wurde früher das Bier kühl gelagert. Bild: tu

1516, im Jahr des Reinheitsgebots, gab es nach der Musterung des Pleysteiner Fähnleins durch den Pfleger Stöckl Freibier. So friedlich ging es aber nicht immer zu.

Das 16. Jahrhundert war besonders berüchtigt durch übermäßigen Biergenuss, bei jeder Gelegenheit wurde es getrunken. In den meisten Bürgerfamilien wurde fast täglich Biersuppe oder Warmbier mit Milch und Semmeln aufgetischt. Strenge Bier-Rituale galten beim Freisprechen von Lehrlingen und Gesellen und an den Jahrestagen der Zünfte. Eine Hochzeit kam nicht ohne Gerstensaft aus.

Beim Bier verhaftet


Als es noch keine Mähdrescher gab, musste das Getreide noch mit Dreschflegeln auf der Tenne des Stadels gedroschen werden. Der Arbeit folgte ein gemeinsames Mahl mit einem Umtrunk, dem Dreschbier. Aber schon während des Dreschens wurde der Staub mit reichlich Bier hinuntergespült.

Der Zimmermeister verlangte beim Richtfest nach Bier. Auch in Stadtratssitzungen wurde den Ratsherren Bier gereicht. Als ein Pleysteiner seine Schulden an den Hammermeister zu Peugenhammer nicht zurückzahlen konnte, wurde er gesucht und schließlich 1545 beim Bier in einem Wirtshaus verhaftet. Auch der Tod war kein Grund, auf Bier zu verzichten. In der Oberpfalz trank man beim Leichenschmaus das "Laichböia".

Freibier bei Hinrichtungen


Mitglieder des inneren und äußeren Rats der Stadt waren bei Gericht auch Schöffen. Dafür erhielten sie zwei Pfennig vom Richter und von der Herrschaft drei Eimer Bier. Bei Hinrichtung gab es Freibier. 1556 bekam Pleystein ein neues Stadtwappen. Ein neues Brauhaus versorgte auch die anderen Wirte im Amt Pleystein. Den Dorfwirten in Burkhardsrieth und Miesbrunn war es bei Strafe verboten, ihr Bier aus einem auswärtigen Ort zu beziehen.

1579 ließ sich der Wirt zu Burkhardsrieth durch eine andere Brauerei beliefern. Als das in Pleystein bekannt wurde, kam es zur Selbstjustiz. 42 Bürger zogen nach Burkhardsrieth, schlugen bei dem dortigen Wirt einem Fass mit 660 Maß Bier (705,5 Liter) den Boden ein und zertrümmerten die Fassreifen.

Das Bier ließen sie, weil sie schon andernorts genug getrunken hatten, in den Keller laufen. Weil das die Pleysteiner in Burkhardsrieth noch öfter so machten, kam der dortige Wirt auf einen famosen Gedanken: Er ließ seinen Keller säuberlich auspflastern, fing das ausgelaufene Bier jedes Mal wieder auf und stellte es seinen Gästen wieder auf den Tisch.

Auch der Wirt in Miesbrunn bezog öfter sein Bier nicht aus Pleystein, sondern aus Waidhaus. 1678 machten es deshalb die Pleysteiner in Miesbrunn wie 1579 ihre Vorfahren in Burkhardsrieth: Sie fielen in das Dorf ein, tranken dem Wirt und den Bauern das Bier weg und zertrümmerten die Fässer "dem Wirt zur Warnung und der Stadt zum Andenken, ihre uralte Gerechtsame zu behaupten." Der Spruch "Das schlägt dem Fass den Boden aus" hat sich damit geschichtlich auch in der Oberpfalz bewiesen.

Im Dreißigjährigem Krieg gab es für die Stadt Pleystein eine Ausnahme des Bierbezugs aus fremder Herrschaft: Am Weihnachtstag 1648 hatten Junkische Reiter alles Bier in Pleystein ausgetrunken, der Gerstensaft kam dann aus Vohenstrauß. Auch in heißen Sommern oder wenn wegen Mangels an Gerste weniger Bier gebraut werden konnte, kam es vor, dass den Dorfwirten oft wochenlang kein Tropfen Bier geschickt wurde. Der Wirt Johann Hörmann in Burkhardsrieth erwirkte schließlich eine Erweiterung der Konzession für seine Taverne. Nun durfte er auch Bier aus Pfrentsch oder Vohenstrauß beziehen und ausschenken.

Für das erkaufte Bier musste der Schlossbüttner Christoph Würschinger aus Vohenstrauß den Zoll zahlen. Weißgerber Erhard Aichinger aus Vohenstrauß bat 1710 um Erlass der Strafe, weil er dem Wirt in Burkhardsrieth unverzolltes Bier geliefert hatte.

Viele Felsenkeller


Da im Amt Pleystein nicht genügend Gerste angebaut wurde, musste sie aus Amberg, Böhmen oder Pilsen bezogen werden. Verbessert hat sich die Situation, als man das Bier kühler lagern konnte. Heimatkundler Karl Ochantel meint, dass aus diesem Grund besonders im 18. Jahrhundert viele Felsenkeller in den Untergrund von Pleystein gegraben wurden.
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