Blick in die Geschichte der Kolpingsfamilie Pleystein
„Grobe Störung“ beim Festzug

Die Kolpingsfamilie engagiert sich seit Jahrzehnten im sozialen Bereich und war auch international schon aktiv. Nach dem Tsunami Ende 2004 in Südindien finanzierte sie ein Fischerboot samt Fangnetzen im Wert von 500 Euro. Es trägt den Namen "Kolpingsfamilie Pleystein Germany". Archivbild: tu
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Pleystein
28.05.2016
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"Gott segne das ehrbare Handwerk - Gott segne es - Treu Kolping." Mit diesem Gruß beginnt die wechselvolle Geschichte der Kolpingsfamilie Pleystein, die heuer ihr 85-jähriges Bestehen feiert.

Aus der Chronik von 1991, zusammengestellt von Josef Woppmann, geht hervor, dass 15 junge Handwerksgesellen am 19. März 1931 im Gasthaus Völkl den Gesellenverein ins Leben riefen. Erster Präses wurde Pater Rembert Born vom Augustinerkonvent im Kreuzbergkloster, erster Senior der Schuhmachermeister Josef Bauriedl. Die offizielle Gründungsfeier ging am 6. April 1931 über die Bühne.

Um den Verein nach außen hin präsentieren zu können, stiftete der Geistliche Beirat ein Banner. Die Fahne segnete am 9. August 1931 Diözesanpräses Studienprofessor und MdL Wolfgang Precht aus Regensburg unter Beteiligung von acht auswärtigen Vereinen. Im Zusammenhang mit der Berichterstattung über diesen Festtag erwähnte der Chronist, dass während des Festzugs "eine grobe Störung" vorkam. Auf dem Stadtweiher fuhr nämlich ein Kahn, an dem das Hakenkreuz prangte.

Banner beschlagnahmt


Kurz danach wurde eine Gesangsgruppe und eine Instrumentalgruppe unter Regie von Kommerzienrat Leo Maduschka gegründet. Vom 8. bis 11. Juni 1933 war der "Erste Deutsche Gesellentag" in München mit 580 Bannern, die während einer Veranstaltung von SA-Männern beschlagnahmt wurden. Die Pleysteiner Gesellen Karl Woppmann, Andreas Lang, Pater Rembert, Anton Schneider, Wilhelm Völkl und Josef Pschirrer baten ihre Quartierfrau nachzusehen, ob sie nicht das Pleysteiner Banner ausfindig machen könne. Nach einigen Tagen kam die Fahne in die Heimat zurück.

Ende 1933 wurde der Gesellenverein in Deutschland verboten. Beim damaligen Kassier Michael Schneider wurden die Wertsachen des Vereins und sämtliches Inventar beschlagnahmt. Die Mitgliederzahl sank von 84 auf 10 Personen. 1946 wurde der Verein von Pater Norbert Lorenz wieder ins Leben gerufen. Es folgte ein enormer Aufschwung im Gesellenverein. Unvergessen bleiben auch die großartigen Theateraufführungen der Laienbühne, unter anderem 1954 das Gesangsdrama "Henkersohn und Zigeunerin" unter Leitung von Pater Bartholomäus Lunz. Im gleichen Jahr arbeiteten die Kolpingbrüder beim Bau des Freialtars auf dem Kreuzberg mit. 1958 baute man in Eigenregie das von der Pfarrei erworbene kleine Knabenschulhaus neben dem Pfarrhof zu einem Jugendheim aus. Am 11. Mai 1958 holten einige Mitglieder mit Pater Joachim an der Spitze mit Motorrädern das anlässlich der 100-Jahr-Feier in Lourdes entzündete Licht aus Vohenstrauß ab. In der ersten Hälfte der 1960er Jahre brach eine ruhige Zeit im Vereinsgeschehen an. Erst nach dem Einzug der Oblaten 1965 kam wieder mehr Leben in die Kolpingsfamilie. Zum Leidwesen vieler Theaterfreunde trat die Laienbühne des Vereins 1972 mit dem Stück "Der Wink mit dem Zaunpfahl" zum letzten Mal auf.
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