Fasching vor 60 Jahren
Kälte hält Gaudiwurm nicht auf

Das Pleysteiner Prinzenpaar 1956, Hermann I. von Saxenhausen und Erika I. von Wandalinien, fuhr beim Faschingsumzug im Schlitten, den Hofkutscher Josef Frank lenkte. Repro: tu
Vermischtes
Pleystein
15.01.2016
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1956 gehörte zu den eisigsten Wintern in der deutschen Wettergeschichte. Da musste das Pleysteiner Prinzenpaar beim Faschingsumzug ganz schön zittern. Und nicht nur die Zuschauer freuten sich auf warme Plätze an den Theken der Gasthäuser.

In den damaligen Faschingshochburgen München, Nürnberg und Regensburg wurden vor 60 Jahren die Umzüge wegen der sibirischen Kälte abgesagt. Im Januar 1956 wurden in Weiden minus 32 Grad gemessen. Auf der Donau sah es aus wie am Nordpol. Aufgetürmte und zusammengefrorene Eisschollen bildeten vor Passau eine Barriere von 40 Kilometer Länge. In Vilshofen gefror das Hochwasser in den Kellern.

Überfüllter Stahl-Saal


Die Pleysteiner wollten jedoch auf den originellen Gaudiwurm am Faschingsdienstag nicht verzichten. Am Rosenmontag war im überfüllten Stahl-Saal der große öffentliche Faschingsball der Vereine mit Einzug des Prinzenpaars. Die Tollitäten Prinz Hermann I. von Saxenhausen (Hermann Sax, 1933 bis 2000) und Ihre Lieblichkeit Prinzessin Erika I. von Wandalinien (Erika Grötsch, geboren 1939) wurden erstmals von Hofstaat und Prinzengarde samt Funkenmariechen begleitet.

Ein Geistlicher wetterte damals gegen das Faschingstreiben. Als Beispiel des "unsittlichen Treibens" nannte er die Karnevalsschlager "Wir kommen alle, alle in den Himmel" und "Der schönste Platz ist immer an der Theke". Und mancher freute sich damals auch auf einen schönen warmen Platz an der Theke.

Am Faschingsdienstag, 14. Februar 1956, um 15 Uhr startete der Umzug. Er bewegte sich von der Bahnhofstraße zum Marktplatz und bot allerhand Überraschungen. Das Spektakel hatte trotz der Kälte viele Zuschauer angelockt. Das Faschingskomitee führte den Gaudiwurm an, dahinter folgten Stadtkapelle, der Schlitten des Prinzenpaars mit Hofkutscher Josef Frank (1932 bis 1993), Hofstaat mit Garde, lustige Gruppen, Wagen und "faschingsmäßig sinnvoll gekleidete Kraftfahrzeuge" der beteiligten Vereine.

Gekürztes Programm


Die Pleysteiner und ihre Gäste freuten sich auch über die Mitwirkung einer Waidhauser Gruppe. Bürgermeister Max Piehler begrüßte außerdem eine Abordnung der Stadt Weiden mit dem damaligen Oberbürgermeister Hans Schelter an der Spitze. Nach dem Umzug versammelten sich die Zuschauer auf dem Rathausplatz. Dort erfolgte auf einer eigens errichteten Tribüne das sogenannte "Ausspielen", worunter die "schalkhafte Wiedergabe" von besonderen Vorkommnissen der letzten Jahre zu verstehen ist. Das Programm musste jedoch wegen der Kälte und des Schneetreibens gekürzt werden. Der Kehraus-Tanz im Stahl-Saal beschloss die kalten närrischen Tage.
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