Faschingszeitung über Jahrzehnte gern gelesenes Blatt in Pleystein
Lesefutter für Narren

Eine Illustration der Entfettungskur schmückte das Narrenblatt. Repro: tu
Vermischtes
Pleystein
28.01.2016
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Bis vor fünf Jahren gab es in Pleystein über Jahrzehnte hinweg eine Faschingszeitung, die eine Pflichtlektüre für viele Bewohner der Großgemeinde in der fünften Jahreszeit war. Ein Vierteljahrhundert lang wurde sie von Wilhelm Hartung als Autor und von Georg Müller als Illustrator kostenlos angefertigt und von der Katholischen Jugend vertrieben. Hartung musste dann aus gesundheitlichen Gründen passen. So gab es 2011 die bislang letzte Ausgabe. Das "Pulverländer Narrenblatt" existierte auch schon in früheren Zeiten.

Vor 66 Jahren zeichneten für die Erstellung des damaligen "Pleysteiner Kurier - Unabhängiges Narrenecho" Josef Wildenauer und Max Poblotzki verantwortlich. Wildenauer (1923 bis 2001) nahm mit spitzer Feder Begebenheiten aus dem Jahresgeschehen im "Pulverland" aufs Korn und schmückte die zwölfseitige Satire mit seinen Illustrationen aus. Auf der Titelseite wird auf den Sinn des Faschings näher eingegangen mit dem vorsorglichen Schlusssatz: "Doch wer etwa eingeschnappt ist oder übel was nimmt, bestimmt als Obernarr in die nächste Zeitung kimmt!" Auf der zweiten Seite erfolgt ein Aufruf des "Pleysteiner Narrenkomitees" an "unsere lieben Narren und Närrlein aus Pleystein und den Vororten Vohenstrauß, Lohma, Miesbrunn und Neuenhammer". Unter anderem wird darin mitgeteilt, dass die beiden Bürgermeister und der Stadtrat ab sofort abgesetzt sind und das Narrenkomitee deren Funktionen übernommen hat.

Weiher versetzt


Weiter heißt es auf der dritten Seite unter "Weltfrieden gesichert!", dass noch nie Dagewesenes eingetreten sei: "Wesentlich zur Beendigung des Städtekrieges zwischen Pleystein und Vohenstrauß trug die Tatsache bei, dass die Friedrichsburg samt Ämtern und Landesoberhaupt nach Pleystein und als Ausgleich hierfür der Kreuzberg mit Weiher nach Vohenstrauß versetzt wurde."

Zum Schmunzeln animiert außerdem der Schwank von einer verwirrten Künstlerin, die auf ihrer Heimreise von Nürnberg ins Berglerwerk manche Stolpersteine aus dem Weg räumen muss. Mit einem abenteuerlichen Schweinekauf des Metzgermeisters Sepp befasst sich ein Kurzartikel: "Beim Schweinekauf der Wagen bricht. Und Josef heult: Mein Schweinegwicht! Was bleibt zu tun, die drei, sie wandern: das Pferd, die Sau, eins nach dem andern. So torkeln sie durch Schlick und Schlamm, nach Haus zurück, zum "Weissen Lamm". Die Lachmuskeln werden auch mit dem Uhrmacher Hans strapaziert, der als vermeintlicher Geist ungewollt für Unruhe bei der Liesl und der Babette sorgte. "Die Pleysteiner Nachrichten" informieren des Weiteren über einen eigenartigen Diebstahl, der Unterbringung von Hühnern, der Landung in Flossenbürg und von einer unerwarteten neuartigen Krankheitsepidemie unter den Faschingsnarren, die auch den gewählten Faschingsprinzen Eduard I. erfasst hatte.

"Entfettungskur" umsonst


Andere Episoden handeln von einer "Stierkomödie" und von einem eigenartigen Kuhhandel sowie von einer vergeblichen Liebestat. Lachsalven ruft die "Entfettungskur" hervor. Hier beschlossen zwei Frauen, eine davon klein und kugelrund, die andere groß und vollschlank, täglich in den Nachtstunden ein paar Mal den Kreuzberg zu erklimmen und damit zu einer schlankeren Linie beizutragen. Der Erfolg blieb aus: "Und heut, schau an, was blieb davon, von dieser Kreuzberg-Tour. Sie sind so dick wie nie zuvor, trotz der Entfettungskur!" Ältere Zeitgenossen wissen sicher noch, welche Personen mit all diesen Anspielungen gemeint waren.
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