Geschichte des Schützenwesens
Preisschießen steigert Trainingseifer

Das Bild zeigt die Szene einer Musterung aus dem Jahr 1516, gezeichnet von Heimatforscher Siegfried Poblotzki (1917 bis 1997). Repro: tu
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Pleystein
30.04.2016
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Der Schützenverein 1516 Pleystein feiert vom 8. bis 10. Juli sein 500-jähriges Bestehen. Grund genug, sich mit der Geschichte des Schützenwesens näher zu befassen und dessen Wurzeln zu ergründen.

Die Tradition der Schützenvereine beginnt vor einem halben Jahrtausend mit der Musterung der wehrpflichtigen Männer. Das Staatsarchiv Amberg verwahrt die älteste Musterungsliste der Stadt Pleystein von 1516. Eine Kopie ist in der Sonderausstellung über das Schützenwesen im Stadtmuseum zu sehen.

Zur Verteidigung


Die heutigen Schützenvereine waren um 1500 keine Sportvereine, sondern die Schützen wurden militärisch eingesetzt. Der Landesherr hatte das Recht, seine Untertanen zur Verteidigung heranzuziehen. Die Straße von Vohenstrauß nach Waidhaus führte damals wegen der verschlagenen Furt nicht über Pleystein, sondern direkt nach Lohma. Auf der unbewohnbaren Burg Pleystein wohnte kein Pfleger mehr. Die Verteidigung des Landes wurde neu organisiert. Jede Mannschaft, also jeder Besitzer eines Hofs oder Guts, musste eine der Größe seines Besitzes entsprechende Kriegsrüstung haben. Sie mussten sich auf eigene Kosten bewaffnen.

Ordentliche Ausrüstung


Der Pfleger als Vertreter des Landesherrn hatte dafür zu sorgen, dass diese Landwehr auch immer ordentlich ausgerüstet war. Er hielt deshalb eine Beschau, eine Musterung der Mannen und deren Rüstung und Bewaffnung, ab. Nach einem Gesetz von 1507 mussten Musterungsverzeichnisse angelegt werden. Für Pleystein ist die älteste "Harnisch-Beschau" durch den Pfleger Bernhard Stöckel 1516 vorhanden.

Die Waffen und Ausrüstungsgegenstände hatten die Pleysteiner jeweils zu Hause in Verwahrung. Gab es noch keinen männlichen Waffenträger auf dem Hof, wurde die Witwe in die Verwahrpflicht genommen. Bei der Musterung hatten alle gerüstet am Sammelplatz zu erscheinen. Bei jedem Einzelnen wurde nun der Stand der Ausrüstung durchgesehen und in der Liste festgehalten. Fast alle trugen den Krebs (Brustpanzer aus Eisenblech), den Goller (ein lederner Halsschutz) und die Ruckl (Nackenschutz). Das "Heubel" war eine Lederkappe oder gar ein blecherner Sturmhut, eine Art Topfhelm, als Haube. Manche hatten lederne Handschuhe an, die wohl mit Metallplatten gegen Schlagverletzungen versehen waren. Als Waffe hatte jeder ein Messer bei sich. Als gebräuchlichste Fernwaffe galt die Armbrust. Als im 15. Jahrhundert die Handbüchse aufkam, lernten die Schützen sehr bald die Handhabung dieser Feuerwaffe. Der Gebrauch der Armbrust und der Büchsen erforderte eine lange Ausbildung. Außerhalb der Orte wurde in den Schießstätten trainiert. Um den Eifer des Trainings bei den Schützen anzuregen, gab in den größeren Städten wie Regensburg, Amberg oder Schwandorf Preisschießen. Daraus entwickelte sich in den einzelnen Orten ein geselliges Schießen und so bildeten sich die Schützengesellschaften.
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