Hans Bauer aus Vöslesrieth züchtet seit 53 Jahren mit großem Erfolg Tauben
Meister fallen nicht vom Himmel

Hans Bauer kennt jede seiner Tauben, Namen gibt er seinen gefiederten Schützlingen jedoch nicht. Bilder: ck (2)
Vermischtes
Pleystein
12.02.2016
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Auf sein Taubenhaus ist Hans Bauer besonders stolz. Das Gebäude mit 12.5 Metern Länge und 3,5 Metern Breite hat er selbst errichtet. Im Winter befinden sich etwa 140 Tauben im Bestand. 90 Reisetauben und 50 Tiere für die Zucht. Im Witwerschlag befinden sich 36 Hermes Motivationszellen. Der Weibchenschlag bietet Platz für 40 Tauben im Sitzregal. Die Jungtauben sind in drei Abteilen untergebracht, der Platz reicht hier für etwa 100 Tauben.

"Im Winter werden die Preise gemacht." Wer sich im Taubensport auskennt, weiß, wovon Hans Bauer spricht. Der Vöslesriether züchtet seit 53 Jahren Tauben. Medaillen, Zinnteller und Siegerpokale sammelt der 70-Jährige wie Briefmarken. Sein Schlag war 2015 fast unschlagbar.

Vöslesrieth. Schon als kleiner Bub hatte Bauer ein Herz für Tiere. Mit 17 Jahren fing er mit etwa 30 Vögeln "im kleinen Rahmen" mit dem Taubensport an. Heute flattern in den Spitzenzeiten in seinem Gartenschlag im idyllischen Zottbachtal bis zu 180 Tauben.

Eine erfolgreiche Taubenzucht erfordert enorm viel Zeit. Davon kann vor allem Bauers Ehefrau, Monika, ein Lied singen. Seit Jahrzehnten gibt sie ihrem Hans den Freiraum für seine Tauben. An längeren Urlaub sei da nicht zu denken. Mehrere Stunden täglich ist Bauer mit dem Hobby beschäftigt. Seine gefiederten Schützlinge fliegen nur schnell und ausdauernd, wenn sie gesund sind. "Das A und O ist die Schlaghygiene. Wenn der Schlag sauber ist, kann in Sachen Krankheiten nicht viel passieren", erklärt Bauer.

Beim Thema Futter verfolge jeder Brieftaubenzüchter seine eigene Philosophie. Ein ganzer Industriezweig befeuere die rund 40 000 Züchter in Deutschland mit speziellen Produkten. Zig Firmen überschwemmen den Taubensport-Markt mit allerlei - oft überteuerten - Artikeln. Bauer habe sich beispielsweise einen Futterautomaten zugelegt, der es ihm erlaube, auch mal zwei Tage auswärts zu verbringen. Eine Kotanlage, also ein Förderband, das unter den Zellen den Taubendreck gleich wegbefördert, sei ebenfalls eine Errungenschaft, die sich sehr bewährt habe.

Gutes Auge bei der Zucht


Zeitaufwendig sei natürlich das Training mit den Tieren. Die Meister fallen nämlich auch in diesem Sport nicht vom Himmel. Nicht nur ein Langstreckenmeister braucht Führung und konsequentes Training. Ein gutes Auge bei der Zucht und ein paar Tricks bei der Haltung können am Ende den entscheidenden Vorsprung bringen. Bauer lässt sich dabei nicht gerne in die Karten schauen. Die Konkurrenz schläft nicht.

Er verrät nur soviel: "Goldene Zuchtpaare sind sehr rar. Wenn du unter 100 Jungtauben eine Top-Taube hervorbringst, dann kannst du schon froh sein. Auch bei den besten Rassen, wo die Eltern super geflogen sind, gibt es keine Garantie, dass die Jungen wieder As-Tauben sind." Es gebe kein verlässliches Erfolgsrezept: "Es ist nichts vorauszusehen. Beim Züchten muss man einfach viel ausprobieren. Aber das macht den Taubensport ja so interessant."

Nach wie vor sei er bei jedem Preisflug aufgeregt. Die Wartezeit zu Hause überbrücke er, indem er den Schlag saubermache und Wasser, sowie Vitamine für die müden Rückkehrer bereitstelle. Als Tragödie bezeichnet seine Frau Monika es, wenn einer seiner Champions nicht heimkehrt. Das Ehepaar ist schon bis nach Hamburg gefahren, um eine Taube, die sich verflogen hatte, zurückzuholen. Schlimm sei es auch für den Züchter, wenn der Habicht zuschlägt: "Im Jahr können das bis zu zehn Tauben sein." Bauer scheint für sich und seine Vögel einen guten Weg gefunden zu haben. Die sportlichen Erfolge (Infokasten) geben ihm recht. Von seinem großen Erfahrungsschatz könnte eines Tages vielleicht seine fünfjährige Enkelin Malea profitieren. Die junge Dame hat ebenfalls einen sehr guten Draht zu den "Rennpferden des kleinen Mannes". Diesen Spruch widerlegt der ehemalige Bahnangestellte mit einem Schmunzeln. Es seien keineswegs nur die einfachen Leute von diesem Sport fasziniert: "Auch die Queen in England züchtet Tauben und baut sogar einen Taubenpalast."

Nachfolger gesucht


Grundsätzlich befinde sich der Brieftaubensport nicht gerade im Aufwind - eher im Sturzflug. Der Vöslesriether hat große Bedenken, was den Nachwuchs betrifft: "Wegen des großen Zeitaufwands sind fast keine jungen Leute mehr dafür zu begeistern." Liebend gerne würde er Jugendlichen zeigen, wie schön es sein kann, sich mit Tieren zu beschäftigen. Ergattert man dann mit den Tauben auch noch Spitzenplätze, sei man natürlich umso glücklicher.
Wenn du unter 100 Jungtauben eine Top-Taube hervorbringst, dann kannst du schon froh sein.Hans Bauer
Es ist nichts vorauszusehen. Beim Züchten muss man einfach viel ausprobieren. Aber das macht den Taubensport ja so interessant.Hans Bauer

So funktioniert der Brieftaubensport

Pleystein. (ck) Bei den Wettbewerben werden die Tauben mit einem Speziallastwagen (Kabinenexpress, kurz Kabi) zu einem etwa 100 bis 1000 Kilometer vom Heimatort entfernten Auflassplatz transportiert, von wo sie ihren Heimflug antreten. Die Auflassentscheidung liegt in der Verantwortung eines vom Verband Deutscher Brieftaubenzüchter zertifizierten Flugleiters. Die Ankunftszeiten der einzelnen Tiere im heimatlichen Taubenschlag wurden früher mit einer Konstatieruhr registriert. Heute übernimmt diese Aufgabe ein elektronisches Konstatiersystem. Nach dem Wettflug werden die Daten zur Auswertung und Erstellung der Ergebnisliste (Preisliste), in der sich 33 Prozent der eingesetzten Tiere platzieren, an ein Rechenzentrum übergeben. Den Zeitraum zwischen der Ankunft der ersten und der letzten Taube, beziehungsweise die einzelnen Platzierungen in der Preisliste, bezeichnen die Taubensportler als Konkurs.

Die Identifikation der einzelnen Taube geschieht mittels eines geschlossenen Nummernringes, der ihr in der zweiten Lebenswoche am rechten Fuß aufgezogen wird. Die Farben der Ringe wechseln jedes Jahr. Verirrte Brieftauben können mit Hilfe dieser Fußringnummer im Internet gemeldet werden. In der Regel tragen Brieftauben zusätzlich auch am linken Fuß einen Ring mit der Telefonnummer des Eigentümers.

Die Flugsaison reicht für die mehrjährigen, erfahrenen Brieftauben (Alttauben) etwa von April bis Juli und für die Jungtauben von August bis September. In dieser Zeit nehmen die Alttauben an bis zu 14 Preisflügen teil. Die Jungtauben absolvieren bis zu 5 Preisflüge. Die Alttauben legen pro Flug Entfernungen von 150 bis 1000 Kilometer zurück, Jungtauben nur bis zu 200 Kilometer. Dabei erreichen sie durchschnittliche Fluggeschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde.

Auszug aus den Platzierungen

Vöslesrieth. (ck) Hans Bauer startet für den Verein "Heimatliebe Pleystein". Immer wieder reihte er sich auf Bayernebene und sogar deutschlandweit unter die besten Züchter ein. Ein Höhepunkt war unter anderem der "Master Award" 2008, wo er den 1. Platz in der Weitstrecke belegte.

2015 war ein sehr gutes "Reisejahr" für Bauer. Eine Besonderheit war der 3. Jungflug ab Wiesentheid. Hier konnte er mit 89 gesetzten Tauben allein 70 Preise erringen. Im Vergleich: Alle anderen Pleysteiner Züchter schafften mit 291 Tauben 67 Preise.

Der 70-Jährige erreichte 2015 mit seinen Tauben unter anderem folgende Platzierungen: Platz 38 bei der Deutschen Verbands-Jungtiermeisterschaft unter 40 000 Züchtern, Platz 1 der Bayernmeisterschaft mit Vorbenannte. Auf Regionalebene: Altflug erste Konkurse (Bouillon, Darmstadt) Jungflug (Kaiserslautern), 3. Rang Weibchen-Meisterschaft, 3. Platz Regionalverbands As-Jungtauben, 2. Rang Regionalverbands-Jungtaubenmeisterschaft.

Auf RV-Ebene (Reisevereinigung Pleystein: Meisterschaft 1. Platz, Meisterschaft Gruppe A, Weibchenmeisterschaft 1. Platz, Weitstreckenmeister 1. Rang, As-Taube des Monats Juli, Beste Jungtaube 1. Platz, Gewinner der Aktion-Mensch-Medaille im Alt- und Jungflug. Auf Vereinsebene: Vereinsmeister, Weibchenmeister, Weitstreckenmeister, 2. Generalmeister, Bestes Altweibchen (11 Preise), 2. Jungflugmeister, beste Jungtaube (5 Preise).
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