Heiliges Grab in der Stadtpfarrkirche Pleystein
Leichnam verschwindet

Das Heilige Grab auf dem Kreuzberg. Bild: tu
Vermischtes
Pleystein
24.03.2016
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An den Kartagen rufen das Verstummen von Orgel und Glockenschall, der mahnende Klang der klappernden Ratschen den Gläubigen das Leiden, Sterben und die Auferstehung des Herrn in Erinnerung. Mit im Mittelpunkt des religiösen Geschehens in der Pfarrgemeinde Pleystein wird das Heilige Grab in der Stadtpfarrkirche stehen.

Das Heilige Grab in der Kreuzbergkirche, das seit 1906 in der Rückwand des Hochaltars integriert war, existiert seit der letzten Generalrenovierung vor 15 Jahren nicht mehr. Die Christus-Holzskulptur hat in frisch restauriertem Zustand nun ihren Platz im Salesianum.

Großflächiges Gemälde


Die wenigen Pleysteiner, die die frühere Pfarrkirche noch kannten, erzählten begeistert von jenem Grab, das dort in der Karwoche aufgestellt wurde. Es handelte sich um ein großflächiges Gemälde mit der Passion Christi und dem plastischen Grab davor. Das Werk wurde 1728 geschaffen und kostete 147 Gulden, wie der 1997 verstorbene Heimatforscher Siegfried Poblotzki ermittelt hatte.

Johann Thomas Bayer, Bürger und Schreiner aus Vohenstrauß, übernahm die Schreinerarbeiten. Johann Ignaz Listmann, Maler aus Nabburg, erledigte das Tünchen. Die Farben lieferte der Kaufmann Philipp Niklas Küchl aus Regensburg. Außerdem wurden fast 150 Ellen Tuch verbraucht, Mehl zum Grundieren und Wachs für die Leinwand zum Einreiben. Der Maler wohnte von Neujahr bis Ostern bei Georg Thomas Hofmann in dessen großer Stube, in der er auch malte.

Ludwig Maduschka, geboren 1879 auf der Hagenmühle und gestorben 1963, beschrieb in dem Büchlein "Aus meinem Leben" das Grab, das am 10. Juli 1901 beim verheerenden Großbrand ein Opfer der Feuersbrunst im Rosenquarzstädtchen wurde: "Der Leichnam des Heilands war in natürlicher Größe und naturgetreu. Er war versenkbar gelagert und wurde am Karfreitag während der Zeremonie nach dem gesungenen Johannes-Evangelium sichtbar."

"Der Altar mit dem Heiligen Grab war natürlich mit vielen Kerzen während des Gottesdienstes beleuchtet. Außer der fast drei Stunden dauernden Zeremonie am Karfreitag war abends Grabmusik, bei der seit meinem zehnten Lebensjahr vom Kirchenchor ein Teil der letzten Worte Christi von Haydn mit Instrumentalbegleitung gesungen wurde. Am Karsamstag verschwand der Leichnam des Heilandes in der Tiefe, und im oberen Teil des Altars zwischen den Kulissen, vor dem beleuchteten Glaskreuz, stieg der siegreiche Heiland aus dem Grab empor."

Viele Gläubige begeistert


Weiter heißt es darin, dass der größte Teil des Kirchenvolkes von dem Schauspiel begeistert gewesen sei. Ein Teil meinte allerdings, das alles wäre zu theatralisch. Auch in Hagenmühle wurde in der Dorfkapelle ein bescheidenes Grab mit Tannengirlanden und bunt gefärbten Kugeln geschmückt, schrieb Maduschka. Nach der Fertigstellung der Pleysteiner Pfarrkirche 1905 erhielt dieses Gotteshaus ein neues Heiliges Grab.
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