Pleystein erhielt vor 685 Jahren die Stadtrechte
Räuber müssen draußen bleiben

Die Aufnahme zeigt eine Nachbildung des Stadtrechtsbriefs. Das Original wurde 1634 bei der Zerstörung der Stadt vernichtet. Repro: tu
Vermischtes
Pleystein
04.02.2016
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Kaiser Ludwig der Bayer (1283 bis 1347) hat vor 685 Jahren auf Bitte des Landgrafen Ulrich von Leuchtenberg der "Stadt zu Pleystein" alle Rechte der Reichsstadt Nürnberg verliehen. Ein städtisches Gemeinwesen dürfte schon vor 1331 bestanden haben.

Laut Heimatforscher Siegfried Poblotzki (1917 bis 1997) ist jedoch nicht bekannt, seit wann Pleystein als Stadt im Rechtssinne zu gelten hatte. Einen Einblick in die Verfassung gewährt eine Beschreibung von 1560: "In dieser Stadt ist eine Ratswahl und es werden die Bürgermeister gewählt, der erste durch den Pfleger von herrschaftswegen, der zweite von der Gemeinde, der dritte wieder von der Herrschaft und der vierte abermals von der Gemeinde. Es werden alle Gerichte in der Stadt besessen und nehmen ihre Schüb und Aisch, so oft vonnöten, von der Stadt Weiden, als ihren Eltern."

Neubürger anwerben


Weil die "Alte Stadt" um die Mitte des 14. Jahrhunderts zu klein geworden war, war eine Erweiterung nötig. Die Neustadt hatte ein Vielfaches von der Grundfläche der alten Stadt, und die Landgrafen Johann und Sigost, die auf der Burg ihren Sitz hatten, waren bestrebt, Neubürger von auswärts anzuwerben. Deshalb gaben sie 1391 der Stadt nicht nur weitere Marktrechte, sondern auch den Bürgern die Freiheit von allen Abgaben über den Zeitraum von zehn Jahren. Als Neubürger wurden auch solche angenommen, die wegen Geldschulden oder "ehrbarer Feindschaft" verfolgt wurden. Ausgenommen waren Diebe, Schacher, Straßenräuber, Mörder, Brenner, Kirchbrecher, Ketzer und solche, "die Jungfrauen und Frauen ihrer Ehr mit Notzucht beraubten".

Von großer Bedeutung war für die Stadt die Gründung der Pfarrei 1395. Sie wurde durch die Teilung der Pfarrei Miesbrunn möglich gemacht. Die Pfarrei Burkhardsrieth wurde 1627 nach Pleystein eingegliedert. 1400 und 1401 nahmen pfälzische Truppen Pleystein ein. Während der Hussiteneinfälle wurde die Stadt zwischen 1420 und 1433 drei Mal zerstört. Etliche Dörfer konnten erst um die Mitte des 16. Jahrhunderts wieder aufgebaut werden.

Der Kroateneinfall von 1634 legte den größten Teil der Stadt abermals in Schutt und Asche. In der neueren Zeit waren es die zwei Großbrände von 1848 und 1901, die der Bevölkerung unermesslichen Schaden zufügten.

Die wirtschaftliche Struktur war von altersher durch die Landwirtschaft bestimmt. Mit der Verleihung der Stadtrechte trat das Handwerk in den Vordergrund, das für den gesamten Amtsbereich nur in Pleystein ausgeübt werden durfte. Vom 14. Jahrhundert an waren die Hammerwerke von großer Bedeutung.
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