Pleysteiner Frühlingsfeste
Zauber, Spiele und Auktionen

Die historische Aufnahme zeigt die von Heimatdichter Anton Wurzer verfasste Einladung zum Pleysteiner Pfingstfest 1925. Repro: tu
Vermischtes
Pleystein
13.05.2016
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In den 1920er Jahren richteten der Männergesangverein 1895 und der Oberpfälzer Waldverein die Pleysteiner Frühlings- oder Pfingstfeste in großem Rahmen aus. Regie führte der legendäre Lehrer und Heimatdichter Anton Wurzer (1893 bis 1955).

Er verfasste auch die Einladungen für diese Veranstaltungen in Reimform: "Sonntag abends um halb acht wird ein großer Zauber g'macht." Dem Eröffnungsabend für das Frühlingsfest 1923 im Gasthof "Weißes Lamm" am Pfingstsamstag ging ein Fackelzug voraus, außerdem eine Serenade am Stadtweiher, ein Feuerwerk und die Beleuchtung des Kreuzbergs. Beim "Wassermann", wie der Gasthof Weig noch heute genannt wird, stieg die Stimmung bei Wein und Musik.

Beliebte Einlagen


Viel Anklang fanden die Einlagen, besonders "die seltsame große Kunstauktion des Moritz Moses Mendelsohn" von Wurzer. Der in späteren Jahren zum Ehrenbürger ernannte Pädagoge und Schauspieler schleppte einen überdimensionalen Koffer auf die Bühne und entnahm ihm seine Schätze, selbstgefertigte Kohlezeichnungen von Bürgern mit einem Gegenstück, auf das sich ein Reim ergab, zum Beispiel: "Ist das nicht ein Pelikan?". "Ja, das ist ein Pelikan", stimmten die Besucher begeistert zu.

Dann wurde ein zweites Bild gezeigt: "Ist das nicht der Wassermann?". "Ja, das ist der Wassermann." So kam einer nach dem anderen der lokalen Honoratioren an die Reihe. Die Bilder wurden paarweise versteigert, und der Erlös brachte mit der nachfolgenden Verlosung einen ansehnlichen Beitrag zur Bestreitung der Festkosten.

Riesiger Kletterbaum


Am Pfingstsonntag war morgens Wecken durch die Stadtkapelle, mittags Standkonzert auf dem Marktplatz und am Nachmittag vergnügten sich die Gäste im Gesteinach. Für die Erwachsenen gab es neben Bier und Wurst noch das Zimmerstutzen- und Armbrustschießen, für die Kinder Wurstschnappen, Sackhüpfen, Eierlaufen und einen riesigen Kletterbaum. Für den Mutigsten gab es eine große Hartwurst, die ganz oben befestigt war.

Um 20 Uhr starteten die altdeutschen Volksspiele auf der Naturbühne im Gesteinach. So wurden 1923 die Stücke "Der tote Mann", "Das heiße Eisen", "Das Narrenschneiden", "Der Rossdieb zu Fünsing" und ein mittelalterlicher Totentanz geboten. 1924 wurden "Der Bauer im Fegefeuer", "Der Bauer mit dem Kuhdieb", "Das Kälberbrüten" und der Totentanz aufgeführt.

Bei jenem Pfingstfest war es extrem warm. Als man mit dem Spielen beginnen wollte, setzte ein heftiges Gewitter ein. Die Besucher flüchteten in die nahe Pingermühle und stärkten sich anschließend in den Pleysteiner Wirtshäusern. Nachdem sich am Pfingstmontag das Wetter gebessert hatte, wurde die Vorstellung nachgeholt. Für 1925 hatte man einen wetterunabhängigen Platz für die Spiele bestimmt, "die alte Halle", wie es im Programm hieß. Gemeint war das Brauhaus neben dem Rathaus. Zu sehen waren "Das Narrenschneider" sowie "Der arme Heinrich" ab. Ab 1924 gab es auch einen Sängerwettstreit, der Sieger erhielt den "Pleysteiner Singbecher", gestiftet vom Oberpfälzer Waldverein. Die Pleysteiner Frühlingsfeste mit den "Hans-Sachs-Spielen", wie man sie nannte, hatten nur eine beschränkte Lebensdauer. Trotz ihrer Volkstümlichkeit wiesen sie ein hohes künstlerisches Niveau auf, das ihrem Initiator Wurzer zu verdanken war. Er wohnte von 1919 bis 1939 in Pleystein, war eng mit der Bevölkerung verbunden und beeinflusste in diesen zwei Jahrzehnten das kulturelle Leben in der Gemeinde nachhaltig und positiv.
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