Pleysteiner Geotage
Spektakuläre Kristalle

Martin Füßl. Bild: tu
Vermischtes
Pleystein
16.04.2016
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Die Oberpfalz gilt als eine der geologisch interessantesten und mineralienreichsten Regionen der Erde. Weltbekannt wurde sie durch extrem seltene und teilweise nur im Raum Pleystein-Hagendorf vorkommende Mineralien.

Neben dieser Pegmatitprovinz gibt es in der nördlichen Oberpfalz jedoch noch eine Vielzahl weiterer Mineralfundpunkte mit zum Teil spektakulären Kristallen. Ihre Erforschung und Dokumentation war die Leidenschaft des 2013 verstorbenen Weidener Mineraliensammlers Berthold Weber, der sich immense Verdienste um die Mineraliensammlung im Stadtmuseum erworben hat. Im März 2013 überließ er den Verantwortlichen eine Schenkung mit 40 Mineralstufen als Ergänzung zur Ferdinand-Lehner-Sammlung.

Fundierte Kenntnisse


Die durch ihn erfolgte ehrenamtliche Überarbeitung, Neugestaltung und wissenschaftliche Aufwertung der Mineraliensammlung wenige Monate vor seinem Tod brachte eine weitere Steigerung des Niveaus der Dauerausstellung mit sich. Durch seine fundierten Kenntnisse und Vorgaben enstand in der Abteilung Mineralogie in völlig neuer Optik und mit neuen Inhalten.

Außerdem verfasste er mehrere Publikationen über unsere Region. Er war als Co-Autor von Professor Dr. Harald G. Dill aus Hannover an mehr als 70 Veröffentlichungen in namhaften Zeitschriften und bei Vorträgen auf internationalen Kongressen beteiligt, die die Ergebnisse ihrer seit 2006 laufenden Forschungen widerspiegeln. Ihr Elaborat "Pleystein-City on Pagmatite" wurde auf der internationalen Pegmatittagung in Recife erstmals vorgestellt und ist heute in der weltgrößten Datenbank "Mindat" abrufbar.

Der Parksteiner Diplom-Geograph Martin Füßl folgte am Donnerstagabend zum Abschluss der drei Pleysteiner Geotage im Stadtmuseum Webers Spuren auf einem Streifzug durch die Oberpfalz und gewährte einen ausgiebigen Blick in das mineralogische Schatzkästchen des Bayerisch-böhmischen Geoparks. "Mineralien sind gesuchte Rohstoffe für die Industrie und haben im Laufe der Geschichte die Wirtschaft ganzer Landstriche geprägt. So ließ Eisenerz die Oberpfalz zum Ruhrgebiet des Mittelalters werden", betonte der Referent.

"Kaolinvorkommen begünstigte die Entwicklung der Porzellanindustrie, und südlich von Nabburg lag in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts das größte Flussspatrevier der Erde. Neben der wirtschaftlichen Bedeutung haben Mineralien aber auch für die Geowissenschaften eine ausgesprochen hohe Bedeutung, denn mit ihrer Hilfe können Geologen und Mineralogen die Entwicklungsgeschichte der Erde nachvollziehen", fuhr der Regierungsdirektor und Vorsitzende der VFMG-Bezirksgruppe Weiden fort.

Und dieses Wissen helfe wiederum die Entstehung von Lagerstätten zu verstehen und ermögliche das Auffinden dringend benötigter Rohstoffe, ohne die die moderne Industriegesellschaft nicht funktionieren würde. "Auf der anderen Seite haben Mineralien mit ihren oft herrlich ausgebildeten Kristallen die Menschen schon immer in ihren Bann gezogen. Daher ist es nur allzu verständlich, dass sich nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Sammler intensiv auf die Suche nach ihnen machen. Und die mineralreiche Oberpfalz war und ist der Eldorado für Mineraliensammler", betonte Füßl.

Große Resonanz


Er zeigte auch teils spektakuläre, teils unscheinbare, aber dafür wissenschaftlich interessante Mineralien, die in ihren geologischen Zusammenhang und ihre Entstehungsgeschichte eingeordnet werden. Unter den rund 50 Zuhörern war auch Geoparkleiter Dr. Andreas Peterek aus Parkstein. Die Geotage erfreuten sich erneut einer großen Resonanz und zogen Zuhörer aus der nördlichen Oberpfalz nach Pleystein. Für den Museumsarbeitskreis dankte Max Zehent dem Referenten "für den exzellenten Beitrag".
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