Thomas Gallitzendörfer aus Pleystein Role-Model bei Woche der Aus- und Weiterbildung
Jung, heimatverbunden und erfolgreich

Nur im Winter steht die Säge von Zimmerermeister Thomas Gallitzendörfer weitgehend still, ansonsten ist das 15 000 Euro teure Arbeitsgerät immer in vollem Einsatz. Bild: sbü
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Pleystein
15.02.2016
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Auf die Walz wollte der heutige Zimmerermeister als Geselle nicht gehen, und seinen Zunftanzug trägt er allenfalls bei Richtfesten. Ansonsten ist der Pleysteiner ein junger, erfolgreicher Unternehmer. Die Handwerkskammer sieht ihn als beispielhaftes Vorbild. Sie hat deshalb Thomas Gallitzendörfer als sogenanntes Role-Model für die Woche der Aus-und Weiterbildung ausgewählt. Bei der Auftaktveranstaltung am 19. Februar in der Europaberufsschule soll der Zimmerermeister vorgestellt werden. Und die Handwerksvertreter setzen darauf, dass er Nachahmer findet.

Aufträge sammeln


Der NT hat sich mit dem jungen Unternehmer in seiner Werkhalle getroffen. "Zur Zeit machen wir Winterpause", sagt er, hat aber eigens für das Gespräch das Warmluftgebläse angestellt. Während die Gesellen und Auszubildenden der KG-Holzbau freigestellt sind, muss der Meister für Aufträge in der kommenden Saison sorgen. "Ich besichtige Baustellen, zeichne Skizzen und kalkuliere Angebote", erzählt er. Vor vier Jahren hat Gallitzendörfer als 23-Jähriger mit einem ehemaligen Arbeitskollegen Michael Karl die Holzbau K+G GbR gegründet. Kurz vorher hatten die beiden gemeinsam die Meisterprüfung in Regensburg abgelegt. Standort des neuen Handwerksbetriebs wurde das Industriegebiet in Vohenstrauß. "Seither ging es eigentlich nur noch aufwärts", erklärt er. Heute beschäftigt der Betrieb vier Gesellen, zwei Auszubildende und drei geringfügig Beschäftigte. Alles im Berufsleben von Thomas Gallitzendörfer ging schnell: "Quali" an Hauptschule Pleystein 2004, Zimmererausbildung, Bundeswehr, kurze Gesellentätigkeit und Meisterprüfung 2012.

Gefragt nach dem Geheimnis seines Erfolgs antwortet Gallitzendörfer: "Ehrgeiz, Zielstrebigkeit, Engagement und Freude am Beruf." Die Überzeugungskraft in seinen Formulierungen lässt spüren, dass er diese Einstellungen auch lebt. Auch Durststrecken, wie die Zeit der Meisterausbildung, hätten überbrückt werden müssen. Bei der Meisterprüfung wäre viel abverlangt worden, denn "in der Schule habe ich nicht gelernt, was eine Winkelfunktion ist".

Rat zu Praktika


Schon in den letzten Schuljahren hatte Gallitzendörfer Freude an der Arbeit mit großen Holzteilen und wollte viel im Freien arbeiten. Der junge Unternehmer erlebt viele junge Menschen und bedauert, dass viele nicht so genau wissen, was sie wollen. "Viele fangen dann irgendetwas an und haben folglich auch keine große Freude am Beruf." Den Schulabsolventen empfiehlt er dringend Praktika in verschiedenen Betrieben, um Berufe kennenzulernen. 50 Prozent der Arbeitszeit des Betriebsleiters entfällt auf Bürotätigkeiten, denn als Chef muss er Aufträge einholen, Baupläne erstellen und Korrespondenz erledigen. Das Produktionsprogramm sei breit: Balkone, Fußböden, Terrassen, Carports und Haus-Anbauten aus Holz zählt Gallitzendörfer auf. Fünf komplette Holzhäuser habe sein Betrieb schon fertiggestellt. Ihm fallen größere Projekte wie das Pfarrheim in Vohenstrauß oder das Pflegeheim in Pleystein ein.

Als Zimmerer arbeite man heutzutage vielseitig, brauche bauphysikalisches Wissen und beschäftige sich viel mit Raumklima und Schimmel. Von Werbeanzeigen verspricht er sich wenig, das Beste sei Mundpropaganda. Er sei in ein großes Netzwerk eingebunden. In einer Sache überrascht der Unternehmer: Fußball spielt er nicht in Pleystein oder Vohenstrauß, sondern in Moosbach.
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