Vielfalt der Flurnamen rund um Pleystein
Vom Hopfengarten zum Holler

Viele Flurnamen, die vor über 100 Jahren üblich gewesen sind, haben sich bis heute erhalten. Bild: M. Ascherl
Vermischtes
Pleystein
23.06.2016
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Beim Blättern in alten Unterlagen von Heimatforscher Siegfried Poblotzki, fällt die Vielfalt der Flurnamen rund um Pleystein auf. Die Benennung erfolgte nach verschiedenen Gesichtspunkten.

Maßgebend waren meist überlieferte Besitzverhältnisse, die Lage bei bekannten oder auffallenden Objekten, dann die Eigenarten und Formen des Grundstückes und schließlich Familiennamen früherer Eigentümer. Die nachstehend abgehandelten Flurnamen sind vor rund 130 Jahren üblich gewesen und wurden den Umschreibekatastern im Staatsarchiv Amberg entnommen.

Der größte Teil der Bezeichnungen hat sich bis heute erhalten. In der Nähe des Rosenquarzstädtchens lagen die Wiesen und Felder vor dem "Alten Tor" und vor dem "Neuen Tor", der Wegacker und der Friedhofsacker. Der Stadtbach bis zur Einmündung am Ortseingang wurde Mühlgraben genannt, und an ihm lagen der Mühlgrabenacker und der Mühlrangen.

Grundstücke am Zottbach


Zwischen Stadtmauer und Wallgraben befanden sich die Zwingergärten und der Baumgarten im Stadtzwinger. Die Grundstücke am Zottbach wurden nach diesem benannt, ebenfalls jene am Stadtbach und am Schwarzenbach. Weihertrad und Stadtweiher kommt von den städtischen Weihern, die an der jetzigen Straße nach Vohenstrauß lagen.

Pfleghänge, Pflegegartenacker, Hofzeil und Herrenpoint sind Fluren, deren Ertrag zum Einkommen der Pfleger gehörte. Die List oder Listen waren Jagdgebiete der kurfürstlichen Beamten. Der Ausdruck ist abgeleitet von Lust, und die Ausübung der Jagd wurde früher als "Herrenlüst" bezeichnet.

Galgenberg, Stadtbrunnen und Ziegeltrad (Ziegelhütte) sind eindeutige Benennungen. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde den Gemeinden der Anbau von Hopfen befohlen, um das Geld für die Einfuhr böhmischen Hopfens zu sparen. Das Pleysteiner Anbaugebiet war im Hopfengarten. Der Kühfriedhof war tatsächlich einer, nämlich die Verscharrstätte für gefallenes Vieh. Der Burgstuhl müsste richtig Burgstall heißen, nämlich die Stelle, an der eine frühgeschichtliche Befestigung war. An der Zollgrenze zwischen den Herrschaften Pleystein und Waldthurn erinnert die Flur "Zollgraben".

Hutflächen für Ziegen


Geißzeug und Geißpoint waren Hutflächen für Ziegen, die nach einem kurfürstlichen Befehl von 1576 nicht zusammen mit dem anderen Vieh gehütet werden durften, weil sie die Weiden verdarben. Der Trutzhof war keine Trutzburg, sondern ein Bauernhof. Alles was mit Heiling zu tun hat, gehörte der Pfarrei oder einer kirchlichen Stiftung.

Die Form der Flur kommt im Schaufelstiel und im Schwanzacker zum Ausdruck. Leichte Hanglagen wurden Leiten genannt, und Geländeabsenkungen bezeichnete man als Lohen, wie zum Beispiel die Lehling. Frühere Zweckbestimmung verraten Baumgarten und Gänsacker. Mit Holunder hat der "Holler" nichts zu tun, sondern mit gegrabenen Höhlen. Am Schützenrangen übten die Schützen.

Familiennamen sind in den Bezeichnungen Straußenacker, Feilerwiese, Hauerwiese oder Koundlgasse enthalten. Die oft genannten Pointen oder Painten lagen immer in der Nähe des Hauses. Es waren ursprünglich eingezäunte Grundstücke, die nicht zur Gemeindeflur gehörten und vom Besitzer beliebig genutzt werden konnten. Unter Trad oder Trod verstand man Flurstücke, die, oft mit Gestrüpp bewachsen, als Weideflächen dienten.
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