Zwei Glocken an Expositurkirche St. Nikolaus bereiten Probleme
Tonnenschweres Sicherheitsrisiko

Ganz genau nahm Glockensachverständiger Gerhard Hackl den Zustand der Läuteanlage im Burkhardsriether Kirchturm unter die Lupe. Bild: fjo
Vermischtes
Pleystein
01.04.2016
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An den Kar-Tagen schwiegen die Glocken nach uraltem Brauch. Im Kirchturm der Expositurkirche St. Nikolaus dauert dieser Zustand noch immer an. Und das wird auch noch lange so bleiben.

Das Geläut der Expositurkirche ist verstummt. Kirchenpfleger Wolfgang Bauriedl aus Pfrentsch verhängte den sofortigen Stopp und erhielt nun die Bestätigung für sein Handeln von fachkundiger Stelle.

Gleich nach Ostern war Diözesanarchitekt Gerhard Hackl aus Regensburg deshalb in den Pleysteiner Ortsteil gekommen. Sein Resümee fiel für die Mitglieder der Kirchenverwaltung, die allesamt den Ortstermin wahrnahmen, keineswegs glücklich aus. Die beiden großen der insgesamt drei Glocken bereiten große Probleme.

Haarrisse an Halterungen


Eine ungewöhnliche Baustelle steht dem Kirchdorf noch heuer bevor. Die 1952 gegossenen Glocken zeigen an den Gusshalterungen feine Haarrisse und stellen seitdem ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Immerhin wiegt die Nikolausglocke 600 Kilogramm, und die Patrona-Bavaria-Glocke ist sogar 800 Kilogramm schwer. Beide müssen nun von ihrem erhabenen Standort hoch oben im Kirchturm abgebaut, heruntergeholt und in eine Fachfirma zum Spezialschweißen transportiert werden. Wohin die Reise gehen wird, ist noch unklar. Denn die Kirchenverwaltung ist nun gefordert, entsprechende Angebote einzuholen.

Allein der Abtransport dürfte zu einem besonderen Schauspiel werden. Nach langem Hin und Her entschieden sich die Mitglieder gegen ein Herablassen im Kirchturm. Viel mehr soll eine Schallöffnung derart verbreitert werden, dass beide Glocken dort mittels Autokran herausgeholt werden können.

Mit dem Fachschweißen allein sah der Glockensachverständige der Diözese jedoch höchstens eine Lösung für zehn Jahre. Hierzu verwies er auf die bestehende Läuteautomatik, die längst nicht mehr dem heutigen Standard entspreche. "Das geht immer gleich von 0 auf 100", bestätigte ihm Bauriedl. Eine praktische Vorführung folgte, die der Fachmann wohlwollend kommentierte: "Ein stimmiges Geläute, das gut zur Größe dieser Kirche passt."

Aber mit dem aus Eisen gebauten Glockenstuhl konnte sich der im bischöflichen Baureferat Tätige nicht anfreunden. Deshalb empfahl er spontan: "Am Besten ist es, ihr macht etwas Gescheites, dann habt ihr mindestens für 50 Jahre Ruhe." Unter Hinweis auf das Klangbild und die Haltbarkeit riet Hackl deshalb zum Neubau eines Glockenstuhls aus Eichenholzbohlen mitsamt einer modernen Läuteanlage und elektronischer Steuerung.

Damit ließen sich alle drei Glocken schonend anfahren, die der Experte als "keine super historischen Stücke" einschätze, jedoch deren Werte aufgrund der Bronzeausführung hervorhob. Wären diese nur in Stahlguss ausgeführt gewesen, hätte er auch noch für die Anschaffung von neuen Glocken plädiert.

Den Ortstermin nutzte der Sachverständige zusätzlich, um die Glocken in Bild und Beschreibung exakt aufzunehmen. "Das kann man schlecht sagen", lautete seine Auskunft jedoch auf Bauriedls Frage nach dem Woher der Schäden, ob durch Abnützung oder aufgrund eines Materialfehlers. Trotz des "harten Glockenstuhls" konnte der Fachmann keine weiteren Schäden durch eventuelle Frequenzüberlagerungen am Kirchturm ausmachen.

Kosten: 45 000 Euro


Eine grundsätzliche Entscheidung fiel noch bei der abschließenden Besprechung im Eingangsbereich. "Wenn wir es machen, machen wir es gescheit", fasste Bauriedl die Meinungen der Kirchenräte zusammen. Auch wenn mit Kosten um die 45 000 Euro gerechnet wird, erleichterte die Zusage Hackls für einen Zuschuss in Höhe von 45 Prozent diese Entscheidung. Die Maßnahmen werden rund fünf Monaten dauern.
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