Kaufhaus Schopper
Bedrückend leere Regale

Diese historische Aufnahme des Kaufhauses Schopper stammt vermutlich aus der Nachkriegszeit. Repro: bey
Wirtschaft
Pleystein
04.03.2016
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Das Kaufhaus Schopper am Marktplatz ist heute zum letzten Mal geöffnet. Elfriede Schopper und ihr Sohn Stefan bedauern den Schritt, der aber nicht zu vermeiden war. Bild: bey

Heute verliert der Pleysteiner Marktplatz ein Stück seiner Identität. Über 90 Jahre nach der Gründung schließt das Kaufhaus Schopper für immer seine Pforten.

Zurück bleibt für die Bevölkerung die Erinnerung an ein Kaufhaus, das in allen Jahren, vor allem in der lange zurückliegenden Zeit, für viele die einzige Einkaufsmöglichkeit am Ort war. Gleichzeitig hatte es aber auch als Treffpunkt für Gespräche eine wichtige gesellschaftliche Bedeutung.

Gemischtwarenladen


Amalie Schopper hatte das Geschäft als sogenannten Gemischtwarenladen 1925 am Marktplatz eröffnet. Zunächst noch in gemieteten Räumen, dort wo Jahrzehnte später die Drogerie Schlecker zu finden war. 1929 zog Schopper mit Ehemann Theodor, der ins Geschäft eingetreten war, in das jetzige Haus um. Freilich mit restlos anderem Aussehen, denn erst mit den Umbauarbeiten 1934, 1955 und der Fassadenänderung 1958 hat das Geschäft seine heutige Gestalt und Innenleben erhalten.

Jetzt ist in den 300 Quadratmeter großen Laden eine bedrückende Leere eingekehrt. Beim Gespräch an einem Tisch, dessen Glasplatte verrät, dass auch hier darunter einmal Angebote für den Kunden ausgestellt waren, berichtet Chefin Elfriede Schopper mit Tränen in den Augen über die schwere Entscheidung, das Kaufhaus zu schließen. Das sei mit Blick in die Zukunft erfolgt. Investitionen im sechsstelligen Eurobereich wären für Modernisierungen notwendig, eine Rendite aber wäre angesichts des Kundenverhaltens kaum erzielbar gewesen.

Dabei war das Kaufhaus Schopper in seiner Blütezeit ein Geschäft, in dem es fast alles zu kaufen gab. Das, was in den vergangenen Jahren mit Bekleidung und Lebensmittel zum Verkauf stand, war nach den Worten der "Kauffrau mit Leib und Seele" nur ein kleiner Bruchteil des Warenangebots von einst. Da gab es Inlett zum Nähen von Kissen, um sie mit den Daunen von den eigenen Gänsen zu füllen, Stoffe in unendlicher Zahl, Bekleidung von bekannten deutschen Herstellern, ja sogar Linoleum als Fußbodenbelag - und natürlich Lebensmittel, in den letzten Jahrzehnten vom Geschäftspartner Edeka.

Blütezeit lange vorbei


Mit diesem Angebot behauptete sich das Kaufhaus Schopper und war seit seinem Bestehen sowie vor allem in der Blütezeit der 1960er und 1970er Jahre "das" Geschäft im östlichen Landkreis. Und Schopper kennt den Kundenkreis, der aus dem Gebiet bis hin zum damaligen Eisernen Vorhang, im Südosten bis weit hinter Eslarn und selbst noch aus Vohenstrauß kam, wo früher selbst einige, längst geschlossene Geschäfte bestanden.

Hausfrauen waren es, die das große Angebot nutzten, denn einen Zweitwagen zum Shoppen für die Frau gab es damals nicht. Da wurde das Einkaufsziel zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht, erinnert sich Schopper. Wichtige Kunden waren außerdem die vielen Urlauber. Gerade beim Tourismus hat es gewaltige Einschnitte gegeben, musste die Frau im Laufe der vergangenen Jahre erkennen. Diese Klientel blieb aus. Ja selbst die Besuche bei den Kreuzbergfesten im Mai und September gehen nach der Erkenntnis von Schopper zurück. Gerade diese beiden kirchlichen Festtage bedeuteten für das Geschäft wichtige Einnahmen.

Aber nicht nur dieser unterschiedliche Kundenkreis ging verloren. Einkaufsmärkte in der Umgebung, die zunehmende Motorisierung mit der Möglichkeit nach Weiden oder zu anderen Einkaufsmöglichkeiten zu fahren, und schließlich ein Supermarkt im Ort haben die Käufer immer weniger werden lassen, sagt Schopper resigniert. Mit den Preisen eines Supermarkts konnte ihr Geschäft ohnehin nicht konkurrieren.

Zum Gespräch an der Ladentheke hat sie einen Umschlag voll alter, schon historisch wertvoller Bilder mitgebracht. Da zeigte sich, dass das Kaufhaus in seiner Blütezeit vielen jungen Frauen die Möglichkeit zur Ausbildung als Verkäuferin bot. Bis zu zehn Mädchen erlernten dort diesen Beruf. Gestartet hat die Ausbildung im Lebensmittelladen, wer gut war, durfte in das Bekleidungsgeschäft wechseln, erzählt Schopper.

Und lustig ging es im Geschäft auch zu: Im Fasching trugen die Mädchen kleine Hütchen. Seit Oktober 1997 beherbergte das Kaufhaus auch die Postfiliale, bis 23. Februar diesen Jahres. "Bei der Übernahme dieser Aufgabe haben wir uns gegenüber fünf anderen Konkurrenten durchgesetzt", ist Schopper stolz. Doch auch dieser Geschäftszweig hat das Kaufhauses nicht retten können.

Tränen fließen


Die 75-Jährige hat seit ihrer Lehre in dem Gebäude ihr gesamtes Leben verbracht. Sohn Stefan, seit vielen Jahren mit ins Geschäft eingebunden, sieht es wie seine Mutter: "Das Kaufhaus könnte auf Dauer nicht mehr rentabel arbeiten." Nicht nur bei Schopper werden heute Tränen fließen, gewiss auch bei den älteren Kunden. Denn für sie verschwindet die letzte, leicht zu Fuß oder gar mit dem Rollator zu erreichende Einkaufsmöglichkeit. Und der Lieferservice der Schoppers, die "Lebensmittel auf Rädern", ist dann ebenfalls Geschichte.

Ein Leerstand mehrBürgermeister Rainer Rewitzer bedauert die Schließung des Kaufhauses Schopper, "weil es dort ein qualitativ hochwertiges und breitgefächertes Angebot an Bekleidung gab, vor allem aber war die Lebensmittelabteilung die einzige Einkaufsmöglichkeit im unmittelbaren Ortskern". Gerade älteren Mitbürgern werde somit der Einkauf für das tägliche Leben erschwert. Das Stadtoberhaupt räumt aber auch ein, dass die Veränderung der Einkaufsmentalität der Kunden wesentlich zur Schließung des Geschäfts beigetragen habe. Das Kaufhaus Schopper reihe sich in die Vielzahl der Leerstände ein, deren Wiederbelebung wohl im Interesse der Stadt sei, die aber wiederum nur unterstützend tätig werden könne. (bey)
Das Kaufhaus könnte auf Dauer nicht mehr rentabel arbeiten.Stefan Schopper
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