Zukunft des Maßschneiderhandwerks
Nicht mehr alle Fäden in der Hand

Wirtschaft
Pleystein
08.09.2016
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Schneidermeister Erich Pflaum aus Pleystein, seit 1970 Obermeister der Bekleidungsinnung Nordoberpfalz, blickt zum Start des Ausbildungsjahrs kritisch auf die Zukunft des Maßschneiderhandwerks. Aber er findet auch einige positive Aspekt.

"Die Aussichten für den Nachwuchs im Maßschneiderhandwerk stehen schlecht. Unsere Innung kämpft hier mit immensen Schwierigkeiten", erklärt der ehemalige stellvertretende Kreishandwerksmeister und langjährige Kommunalpolitiker, der vor einigen Wochen 85 Jahre alt geworden ist.

Der junge Mensch von heute wisse kaum mehr etwas über die Existenz von Maßschneidereien. "Die Leute kaufen von der Stange und sind offenbar zufrieden damit. Sie denken nicht daran, sich ein Maßkleidungsstück anfertigen zu lassen."

Folgende Kriterien sprächen gegen die Maßkleidung: Der Preis scheine zu hoch zu sein mit dem Doppelten oder gar Mehrfachen eines Fertig-Kleidungsstücks. Auch würden Wartezeiten sowie Anproben als umständlich angesehen. Anhand von Mustern und Coupons sowie den Modebildern könnten sich die wenigsten Leute vorstellen , wie das Kleidungsstück aussehen werde.

Maßanzug zu teuer


Der junge Mann wolle einen modernen Anzug, den er eine Saison trage und dann ablege. Viel länger halte jener auch nicht. Ein Maßanzug sei dafür zu teuer. Beim modernen Anzug mit Überweite, herabhängendem Anorak, Blousons oder unförmigen Hosen werde keine Passform benötigt.

Handarbeit Voraussetzung


"Es bleibt eine kleine Schicht von gut situierten Bürgern, die sich Maßkleidung leisten kann. Diese Kunden sind bereit, auch mehr zu bezahlen. Der Schneider muss sich einen Namen gemacht haben und ein Geschäft in erstklassiger Lage betreiben", betonte Pflaum, der seit 1961 selbstständig und Inhaber eines florierenden Maßatelier ist. Beste Handarbeit sei Voraussetzung.

Ein Schneider müsse in der Lage sein, ein perfekteres Kleidungsstück zu produzieren als die Kleiderfabriken mit computergesteuertem Zuschnitt, Supermaschinen, Bekleidungsingenieuren und Spezialisten. "Es ist eine Kunst, diese Leistung zu bringen. Aber zu welchem Preis?", fragt Pflaum.

Die Aussichten für den Nachwuchs im Maßschneiderhandwerk stehen schlecht. Unsere Innung kämpft hier mit immensen Schwierigkeiten.Schneidermeister Erich Pflaum
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