Dürre im Geldbeutel

Landwirt Martin Wolf mit seinem notreifen Mais. Jetzt wäre eigentlich die Zeit, in der sich die Kolben ausbilden, aber wie sein Sohn Samuel zeigt, bleiben die ohne Wasser klein und mit wenig Körnern besetzt. Bild: sib
Lokales
Plößberg
13.08.2015
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Notreife, Ernteausfälle, kein Futter für die Tiere: Landwirte kämpfen gerade mit der Trockenheit. Die extreme Hitze fordert extreme Maßnahmen.

Wer derzeit an einem Getreide- oder Maisfeld vorbeikommt, kann den Wassermangel der Felder nicht nur sehen, sondern auch hören: Das Rascheln der trockenen Pflanzen im Wind erinnert bereits an den Herbst, wenn die Blätter dörr sind und absterben.

Wie keine andere Berufsgruppe sind Landwirte dem Wetter ausgesetzt. Um so schlimmer setzt ihnen die Trockenheit zu. "Jeder, der Land bewirtschaftet, weiß: Ohne Wasser geht gar nichts", betont Josef Fütterer, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands.

Die Bauern in der Umgebung beunruhigt besonders die Maisernte. Landwirt Martin Wolf aus Plößberg rechnet mit Ernteeinbußen von bis zu 50 Prozent im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Obwohl der Mais eigentlich eine tropische Pflanze ist, braucht er viel Wasser, um Kolben auszubilden. Heuer haben die Maispflanzen keine oder nur wenige kleine Kolben. Dabei benötigt er gerade diesen als Futtermittel für seine 150 Rinder und für seine Biogasanlage. "Bis vor zwei Wochen habe ich mir keine Gedanken um den Mais gemacht, aber jetzt wird's eng."

Das Problem ist, dass der Mais in die Notreife geht. Normalerweise beginnt die Maisernte erst Ende September oder Anfang Oktober. "Wenn in den nächsten Tagen kein Regen fällt, müssen wir nächste Woche mit der Ernte anfangen. Die Blätter des Stängels werden gelb. Das zeigt, dass sie absterben."

Normalerweise können die Bauern ihre Wiesen im Sommer vier Mal mähen. Wegen des fehlenden Regens fällt mindestens einer der vier Schnitte weg. Das bedeutet weniger Futtermittel für die Tiere, die Bauern müssen teuer zukaufen. "Die Trockenheit zeigt sich bei den Bauern im Geldbeutel", klagt Josef Fütterer.

Die Ernte der Wintergerste sei zufriedenstellend ausgefallen, sagt der Landwirt. Die würde im Vorjahr gesät und im Frühling hat es noch ausreichend Niederschlag gegeben. Bei der Braugerste dagegen sei die Kornqualität nicht die Beste, weil das Wasser fehlt. Der Eiweißgehalt sei zu hoch, weil der Dünger sich wegen des wenigen Regens zu spät umsetzte. "Alle Bauern leiden gleich", betont der 51-Jährige. Er sagt auch eine sehr schlechte Kartoffelernte ab Mitte September voraus: "Qualität und Ertrag werden dramatisch niedrig sein."

Auch Landwirt Ludwig Moller aus Immenreuth ist besorgt. Er sei zwar im Verhältnis gut aufgestellt und habe viele Vorräte aus dem letzten Jahr. "Aber viele meiner Felder liegen am Flötzbach, und der ist jetzt ausgetrocknet", sagt er. Zudem fehlt auch ihm ein Viertel des Grünfutters und ungefähr 20 Prozent des Getreides im Vergleich zum letzten Jahr.

Für Martin Wolf gibt es nur mehr eins zu tun: "Die Bauern müssen einfach Leistung zurückfahren. Wenn mir das Futter fehlt, muss ich Kühe verkaufen und die Leistung der Biogasanlage zurückfahren." Damit er die Ernteausfälle kompensieren kann, müssten etwa zehn Prozent seiner Tiere weg. Der 45-Jährige prognostiziert deshalb auch fallende Fleischpreise, weil fast jeder Bauer Vieh verkaufen muss.

Hilfe vom Staat bleibt für die Bauern bislang aus. Es gibt keine Subventionen. "Obwohl die Landwirte gegen die Trockenheit machtlos sind und das Zukaufen von Futtermittel viel Geld kostet." Kreisobmann Fütterer fordert: "Hilfen durch Steuerstundung oder schlicht Liquidität für die Landwirte wären notwendig. Denn die Bauern haben noch andere Probleme: Neben den Ernteausfällen bedroht der Preisverfall für Milch und Fleisch ihre Existenz."

Vorsorge gegen die Trockenheit können die Bauern nicht treffen. "Es gibt zwar stresstolerantere Sorten, aber es ist noch keine Pflanze gezüchtet worden, die ohne Wasser auskommt", gibt Fütterer zu bedenken. Für ihn sind auch Bewässerungsanlagen keine Lösung. Die könne sich einfach keiner leisten.
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