Größe schreckt die Bürger

Das Thema "Wohnheim für Flüchtlinge" beschäftigt die Bürger. Enorm war der Andrang bei der Informationsveranstaltung in der Aula der neuen Schule. Geplant ist, im Bürogebäude auf dem Faco-Gelände eine Unterkunft für bis zu 150 Flüchtlinge zu schaffen. Zu viel für Plößberg, lautete die Meinung der Mehrheit der Zuhörer. Bild: Schirmer
Lokales
Plößberg
18.11.2015
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Die Sorge der Menschen sitzt tief: Bis zu 150 Asylbewerber könnten nach einem Umbau eines Bürogebäudes in den 3300-Seelen-Ort kommen. Grundsätzlich stehen die Plößberger den Flüchtlingen offen gegenüber. Doch die Größe der Unterkunft werde den Ort zu stark strapazieren, war die deutliche Kritik der Bürger.

Wie sehr die Menschen das Projekt auf dem ehemaligen Faco-Gelände an der Flosser Straße beschäftigt, zeigte der Andrang bei der Informationsveranstaltung am Dienstagabend in der neuen Schulaula. Die Sitzplätze reichten nicht aus, doch wollten viele auch im Stehen die Auskünfte zu der geplanten Gemeinschaftsunterkunft für bis zu 150 Flüchtlinge nicht versäumen. In einer lebhaften Diskussion (eigener Bericht) äußerten die Besucher vor allem ihre Sorge über die Größe des Projekt, das Plößberg gerade bei der Aufgabe der Integration über Gebühr belasten könnte.

Doch ist es wohl keine Frage mehr, ob in dem ehemaligen Bürogebäude eine neue Nutzung möglich ist. "Ich habe eine Verwendung für das leerstehende Gebäude gesucht", beschrieb Eigentümer Michael Pazdera seine Beweggründe. Eine betriebliche Nachfolgenutzung sei nicht möglich gewesen. Die "Faco Metallbautechnik GmbH" hatte Anfang des Jahres Insolvenz beantragt.

Mitte 2016 Bezug

Insgesamt 1000 Quadratmeter auf den beiden Etagen des Bürogebäudes könnten jedoch für die Unterbringung der Flüchtlinge umgebaut werden. Bis Mitte kommenden Jahres wäre ein Bezug möglich. Aktuell werde auf die Baugenehmigung gewartet, erklärte der Unternehmer. Bei der Informationsversammlung schilderte Bürgermeister Lothar Müller die Vorgeschichte. Demnach hätte die Gemeinde zunächst im Ärztehaus zwei Wohnungen für Flüchtlinge bereitstellen wollen. Nach der Bauvoranfrage für das Faco-Gebäude habe der Marktrat diese Entscheidung ausgesetzt. Dabei betonte das Gemeindeoberhaupt den Willen zur Solidarität und Hilfeleistung. "Wir stehen den Flüchtlingen grundsätzlich positiv gegenüber", beteuerte Müller. Doch sorge man sich eben wegen der geplanten Größe der Unterkunft, zumal auch in Liebenstein noch 16 Plätze für unbegleitete Jugendliche geschaffen werden.

Von seiten des Baurechts gebe es jedoch keine Einwände gegen den Umbau und die neue Nutzung. Deshalb hielt Müller auch wenig von einer Ablehnung des Vorhabens im Gemeinderat. Dann würde letztendlich das Landratsamt ersatzweise tätig.

Michael Pazdera schilderte den aktuellen Planungsstand. So seien in dem Gebäude 2- und 4-Bett-Zimmer geplant sowie Gemeinschaftsräume und eine Gemeinschaftsküche. Beim Umbau sollten regionale Unternehmen zu Zuge kommen. Seitens der Regierung würde die Unterkunft dann für fünf Jahre angemietet. Bezahlt werde ein ortsüblicher Mietpreis. Gedacht sei vor allem die Unterbringung von kleinen Familien. Später einmal könnte die Einrichtung vielleicht als Schulungszentrum für den Metallbau genutzt werden.

Aus Syrien und Irak

Regierungsrat Michael Iglhaut beschrieb das dringende Interesse der Regierung an Gemeinschaftsunterkünften. Gleichzeitig versuchte der Vertreter der Regierung zu beruhigen: "Es kommen Menschen vorwiegend aus Syrien und dem Irak." Es seien keine Flüchtlinge aus den Balkanstaaten dabei. Die Bürgerkriegsflüchtlinge hätten die Erstaufnahme hinter sich, dürften auch arbeiten und würden sich selbst versorgen.

"Es sind ganz normale Menschen, die vor Krieg und IS fliehen und hier zur Ruhe kommen wollen." Für die Flüchtlinge würden Bildungsoffensiven angeboten, etwa beim Erlernen der Sprache. Um die Integration zu verbessern empfahl Igelhaut aber die Bildung eines Helferkreises vor Ort.

"Wir haben keine schwerwiegenden Sicherheitstörungen", berichtete Erster Polizeihauptkommissar Werner Schönfelder aus den Erfahrungen mit den Unterkünften.
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