"Krippe-Virus" grassiert

Nur ein winziger Teil aus einer riesigen Landschaftskrippe. Bei der Ausstellung sind 34 mit insgesamt etwa 8000 Figuren zu bestaunen.
Lokales
Plößberg
09.10.2015
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Seit über 200 Jahren lebt in Plößberg die Tradition des Krippenschnitzens. Seit 50 Jahren lädt die Abteilung Krippenbau im Oberpfälzer Waldverein (OWV) alle fünf Jahre zur großen Schau in den Kultursaal ein - heuer zum zehnten Mal.

Für das Jubiläum haben sich die Verantwortlichen um Hubert Haubner jede Menge einfallen lassen, um die ohnehin schon gigantischen Besucherzahlen zu toppen. Die Rechnung scheint aufzugehen, denn wie Haubner bei der Vorstellung der Schau im Rathaus erklärte, haben sich bereits 50 Busgruppen angemeldet. Von 30 weiteren steht die Antwort noch aus. "Ungewöhnlich viel zu diesem frühen Zeitpunkt."

Mitstreiter willkommen

Dass der ganze Ort hinter seiner Krippentradition steht beweist die Tatsache, dass, wie es Haubner nennt, schon jetzt das "Krippe-Virus" grassiert. Denn wo er auch hinkommt, wird er darauf angesprochen, wann es denn endlich losgeht und ob er Helfer braucht. Etwa 150 waren das bisher immer. Startschuss ist am 13. Oktober und Mitstreiter sind immer willkommen.

Die Krippenschauen sind viel mehr als eine reine Aneinanderreihung von Krippenlandschaften. Mit ihren Präsentationen beeindrucken die Macher damit in der ganzen Szene. Diesmal bauen sie eine Karawanserei auf, eine Herberge wie sie durchaus im Orient stehen könnte. Auch wenn er nicht gerne damit prahlt, die Ideen zu den bombastischen Bauten stammen von Hubert Haubner, der zum dritten Mal als Regisseur bei der Inszenierung verantwortlich zeichnet. Zur Pressekonferenz hatten die Verantwortlichen auch Touristiker aus der Region eingeladen, damit sie sich der Werbekampagne anschließen. Schirmherr, Bürgermeister Lothar Müller, Ehrenschirmherr ist der Tirschenreuther Landrat Wolfgang Lippert, bedankte sich beim OWV für das überregionale Großereignis, das den Ort weit über seine Grenzen hinaus bekannt gemacht habe und lobte die Ideenvielfalt von Hubert Haubner. Der sagte, dass bei der ersten Ausstellung vor 50 Jahren niemand auch nur im Traum daran gedacht habe, dass sich bis heute 180 000 Besucher von den Präsentationen begeistern ließen. Dank zollte er der Gemeinde, die ein knappes viertel Jahr den Kultursaal und andere Räume dafür zur Verfügung stellt.

Über Grenzen bekannt

Abwechselnd bilde bei den Schauen einmal eine Oberpfälzer Winterlandschaft und das nächste Mal ein orientalisches Motiv die Kulisse. Diesmal die Karawanserei, an der die Macher fast drei Jahre geplant haben. "Ein Ort, an dem sich Gott und die Welt treffen", so Haubner. "Auch ein Ort, wo Maria und Josef vor über 2000 Jahren keine Zuflucht fanden. "Als wir das alles geplant haben, ahnten wir nicht, dass unsere Kulisse mit der Flüchtlingssituation so in das aktuelle Zeitgeschehen passen würde."

3000 Quadratmeter Spanplatten und 16 Kubikmeter Holz warten darauf, verbaut zu werden. Die stellen einen Gegenwert von etwa 40 000 Euro dar, die der OWV selbst finanziert. Dazu kommen noch rund 10 000 Arbeitsstunden. Die Touristikfachleute erklärten sich bereit, dem OWV bei etwaigen Zuschussanträgen unter die Arme zu greifen. "Ein bisschen was geht da immer", sagte Bezirkstags-Vizepräsident Lothar Höher. Als OTV-Chef versprach er Impressionen der Krippenausstellung in die Weihnachtssendungen des Volksmusikstammtisches aus Neusath/Perschen zu integrieren.

Bei der Schau sind diesmal 34 Krippen zu bestaunen. Zum größten Teil große Landschaftskrippen. Die größte beherbergt etwa 650 Figuren. Insgesamt sind 8000 Figuren ausgestellt. Außerdem sind zwei Krippen dabei, die noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen waren.

"Schnitzerblut"

Während der Präsentation wird die Schnitzerstube wieder zur Cafeteria. Selbst gebackene Kuchen, Brotzeiten sowie die "Schnitzerhalbe" und das "Schnitzerblut" werden dort angeboten. An zwei Wochenenden findet ein Krippenmarkt statt.

Fast jedes Haus habe eine Hauskrippe und prozentual gesehen gebe es in Plößberg mehr Schnitzer als in Oberammergau, hieß es bei der Präsentation. Auf 50 000 Flyern in deutscher, englischer und tschechischer Sprache bewirbt der OWV seine Krippenschau. Die Eröffnungsrede hält der Vorsitzende des Weltkrippen-Verbandes Johann Dendorfer.

Noch mehr Führungen

Vorsitzender Hecht bedankte sich vor allem bei Haubner, der viel Vorarbeit in seiner Schreinerei geleistet habe. Vor fünf Jahren habe der OWV eine Scheune gebaut, in der das Holz der letzten Krippenschau aufgehoben ist. Das wird jetzt wiederverwendet.

Hecht wies darauf hin, dass diesmal mehr Führungen als jemals zuvor angeboten werden. Dies gelte nicht nur für Busgruppen, sondern auch für Firmen und Ämter. Wer seine Weihnachtsfeier besonders besinnlich beginnen will, bekommt auch außerhalb der Öffnungszeiten eine Führung.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.krippenschau.de
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