Unterschriftenaktion gegen Massenunterkunft
Ein Dach über dem Kopf reicht nicht aus

Susi Bittner, Reinald Roderer, Uschi und Thorsten Haid (von links) sind sich einig, dass die Gemeinde Plößberg nicht in der Lage ist, mehr als 200 Flüchtlinge aufzunehmen - vor allem nicht in Massenunterkünften. Bild: tr
Politik
Plößberg
06.02.2016
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"Wir schaffen das!", ist sich die Bundeskanzlerin in der Flüchtlingsfrage sicher. Diese Einschätzung teilen nicht alle. Die Interessengemeinschaft Kellerbrunnen/Lerchenfeld sammelt seit gestern Unterschriften gegen die geplante Asylbewerber-Unterkunft auf dem Gelände der ehemaligen Firma "Faco".

Platz für 188 zusätzliche Flüchtlinge will Michael Pazdera im ehemaligen Bürokomplex der Firma "Faco" schaffen. Ein Vorhaben, das längst nicht von allen Bürgern mitgetragen wird. Jetzt hat die Interessengemeinschaft Kellerbrunnen/Lerchenfeld eine Unterschriftenaktion dagegen gestartet.

Gestern begannen die Verantwortlichen damit, einen entsprechenden Brief an Landrat Wolfgang Lippert und eine Unterschriftenliste in den Gasthäusern und Ladengeschäften der Gemeinde auszulegen. In etwa drei Wochen wollen sie das Ergebnis im Landratsamt vorlegen.

Gegen "Ghettoisierung"


Uschi Haid, eine der Initiatoren, stellt klar: "Wir sind nicht ausländerfeindlich, aber strikt gegen Massenunterkünfte. Wir lehnen jegliche Art von Ghettoisierung ab." Als weitere Gründe nennt die Interessengemeinschaft unter anderem die schlechte Infrastruktur, eine unzureichende ärztliche Versorgung und eine unterdimensionierte Schullandschaft. Angelehnt an die von der Politik angedachte Quote von 1,1 Prozent kämen im Verhältnis etwa 40 Flüchtlinge auf die Marktgemeinde. Seit etwa fünf Monaten sind 21 Asylsuchende in Liebenstein untergebracht. Diese fünf Familien würden derzeit von einem kleinen Helferkreis mit etwa zehn Leuten betreut - so gut es gehe. Wenn es um echte Integration wie zum Beispiel Deutsch-Kurse, Fahrten zu Ärzten, Ämtern oder zu Einkäufen gehe, sei man auf die Hilfe ehrenamtlicher Helfer angewiesen. Seitens der Regierung und der Behörden werde im Moment nichts getan, um Abhilfe zu schaffen.

Für die Einwohner der Gemeinde seien Toleranz und Hilfe keine Fremdwörter. Aber 188 weitere Flüchtlinge zu betreuen, übersteige bei weitem die Möglichkeiten. Aus diesen Gründen fordert die Initiative, dem baurechtlichen Vorbescheid für die 188 Plätze nicht stattzugeben. "Mit einem Dach über dem Kopf ist es nicht getan", sagt Uschi Haid und unterstreicht noch einmal, dass sich die Aktion in keinster Weise gegen die Flüchtlinge, sondern gegen Massenunterkünfte richtet. 3315 Einwohner zählt die komplette Marktgemeinde aktuell, davon etwa 1100 in Plößberg selbst. Über 200 Asylbewerber insgesamt übersteige die Möglichkeiten und strapaziere auch die Akzeptanz der Bürger.

Kleine Einheiten


Der Helferkreis reiche gerade dafür aus, den bereits hier lebenden Flüchtlingen bei den wichtigsten Dingen zu helfen und ihnen ein wenig Deutsch beizubringen. Integration könne nur in kleinen Einheiten funktionieren, sind sich die Mitglieder der Interessengemeinschaft sicher. Die Gemeinschaft wirft der Regierung vor, dass sie nicht mit offenen Karten spiele. So seien für Plößberg 16 unbegleitete Jugendliche geplant gewesen, stattdessen seien fünf Familien mit 21 Personen angekommen. Die Menschen wären sich selbst überlassen, wenn ihnen nicht die Einheimischen helfen würden.

Dritte Bürgermeisterin Susi Bittner (SPD) und Marktrat Reinald Roderer (CSU) sind auf der Seite der Interessengemeinschaft. "Wir können nicht untätig bleiben, wenn Themen unseren Bürgern auf den Nägeln brennen." Die Gemeinschaft bedauert, dass sich Michael Pazdera scheinbar "in Luft aufgelöst" habe und niemand wisse, wo er sich aufhält. "Man könnte ja miteinander sprechen und vielleicht zu einer anderen Lösung kommen."
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Susi Bittner aus Plößberg | 06.02.2016 | 07:58  
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