Ernte bei Gemüsebauer Hans Grillmeier
Frauen-Power im Kürbisfeld

Chefin Monika Grillmeier (Mitte) zeigt ihrem Lehrling Marina Prüfling (links) und der Praktikantin Anna Rump (rechts), wie Kürbisse schonend geerntet werden. Die drei Frauen verstehen sich prima. Was Monika Grillmeier sehr freut: Die Mädels stemmen ihre Aufgaben auf dem Hof mit viel Engagement und Pflichtbewusstsein. Bild: ubb
Vermischtes
Plößberg
30.09.2016
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Bei Gemüsebauer Hans Grillmeier haben die Frauen das Sagen. "Schuld" daran ist der Landwirt selbst. Anstatt männlichen Azubis hat er diesmal zwei Mädchen eingestellt: Marina als Lehrling, Anna als Praktikantin.

Schönficht. Sobald Anna Rump (21 Jahre) und Marina Prüfling (22) in den Ranger steigen, blitzt es abenteuerlich in ihren Augen. Mit dem neuen Gefährt für den Gemüsetransport fahren die Mitarbeiterinnen von Hans Grillmeier zur Kürbisernte. Auf der Straße in Konnersreuth bei Schönficht gilt streng die Verkehrsordnung. Passieren die Mädels dann den Feldweg, wird die Fahrweise schon mal sportlich.

"Ranger-Fahren" gehört auch zu Annas und Marinas liebsten Arbeitsaufträgen. Hans und Monika Grillmeier sehen das großzügig: Hauptsache, es passiert nichts und die Arbeit wird pflichtbewusst erledigt. Beides ist Ehrensache. Die Grillmeiers haben zwei engagierte Mitarbeiterinnen eingestellt, die trotz der schweren Arbeit auf dem Hof in jeder Hinsicht "ihren Mann stehen".

Chefs zufrieden


"Es war richtig, Mädchen einzustellen", bestätigt der zufriedene Chef. 19 Lehrlinge hat Grillmeier bisher ausgebildet, sein 20. Azubi ist das erste Mädchen. Dass Praktikantin Anna schon einige Monate hier war, als Marina kam, passte perfekt. Freilich, sagt Hans Grillmeier, sei der Umgangston mit zwei jungen Frauen am Hof ein anderer als bei Jungen. Ihm soll's recht sein, beschreibt er die Damen als unkompliziert und umgänglich.

Samthandschuhe standen bei Anna und Marina dennoch nie zur Debatte. Beide stammen aus Landwirtsfamilien und wissen, wo es lang geht. Marina Prüfling kommt aus Fensterbach. Zur Freude ihrer Eltern will sie den Hof übernehmen. "Ich habe mir das sehr lange sehr gut überlegt", gibt sie zu. Den Ausbildungsplatz in Konnersreuth fand sie via Internet. Nach einem Schnuppertag waren sich alle einig: Marina wird Azubi im Beruf Landwirt. Der Einbruch der Frauen in diese Männerdomäne ist nichts Außergewöhnliches mehr, wie die Zahlen belegen: 8 von 42 Schülern in Marinas Berufsschulklasse sind Mädchen.

Anna, Studentin der Agrarwissenschaften in Göttingen, kommt aus Niedersachsen. Sie will die unterschiedlichen Bewirtschaftungsweisen in den Bundesländern kennenlernen. Die 21-Jährige lobt die bayerische Agrartechnik. "Hier ist alles moderner, da sind wir in meiner Heimat hintendran. Und wir haben weniger Milchvieh", berichtet sie. Anna arbeitet deshalb gerne im Stall bei den niedlichen Kälbchen.

Oft ein Kraftakt


Dass Tierliebe auf dem Bauernhof auch ein Kraftakt sein kann, ergänzt Marina: "Gestern hat Anna ein Kalb hochgestemmt." Wie schwer? "40 Kilo", schätzt Anna, stolz auf ihre Leistung. Während Marinas Arbeitstag um 6.30 Uhr mit Füttern beginnt, darf Anna länger schlafen. "Sie kommt erst um 8 Uhr, Studentenbonus", lacht Marina. Die Mädels verstehen sich prächtig. Langeweile ist für sie ein Fremdwort, obwohl Konnersreuth nicht wirklich zentral gelegen ist. Am Wochenende geht's nach Hause und während der Woche, erzählen sie, fallen sie meist todmüde ins Bett. Körperliche Arbeit in der freien Natur mache eben müde.

Traktor waschen unbeliebt


Gibt es etwas, was nicht so toll ist beim Gemüsebauern? Marina und Anna überlegen und einigen sich auf eine einzige Tätigkeit: Traktor waschen! Aber was sein muss, muss sein. Bald wird Marina das alleine machen müssen, denn Anna wird den Landkreis in wenigen Wochen verlassen. Ihr sechsmonatiges Praktikum ist vorbei. Marina bleibt bis Mitte des nächsten Jahres. Leider, sagen dazu die Grillmeiers. Die beiden fleißigen Mädels sind ihnen längst ans Herz gewachsen.
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