Pfarrer Edward Sebastian verlässt Plößberg
"Daheim ist Daheim"

Ende des Monats verlässt Pfarrer Edward Sebastian Plößberg.
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Plößberg
13.08.2016
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"Mein Heimatbischof ruft mich zurück. Ich war nur eine Leihgabe", begründet Pfarrer Edward Sebastian seine Rückkehr in seine Heimat in Südindien. 14 Jahre war er in Deutschland - so lange wie selten ein Geistlicher hierbleiben darf.

Als er 2002 nach Deutschland kam, war er zunächst für ein Jahr Kaplan in Waldsassen unter dem heutigen Generalvikar Michael Fuchs. Es folgten drei Jahre in Tännesberg, bevor er die Pfarrei in Plößberg übernahm.

Streng katholisch


Am 1. Mai erwartet Bischof Dr. Jebamalai Susaimanickam Pfarrer Edward Sebastian in der Diözese Sivagangai im Bundesstaat Tamil Naduind. Dort ist Pfarrer Edward Sebastian vor 45 Jahren auch geboren und aufgewachsen. Er ist das älteste Kind der Familie, neben einem Bruder und einer Schwester. "Ich war schon immer sehr religiös, bin von den beiden Omas streng katholisch geprägt worden. Sie brachten mich auch auf den Weg in Richtung Priester.

Ab der 9. Klasse besuchte er bereits das priesterliche Internat. "Das ist in etwa vergleichbar mit dem Gymnasium Fockenfeld. Da macht man Abitur und alle Türen stehen einem offen. Es war aber von vorneherein klar, dass ich diesen Weg einschlage." Mit 18 Jahren absolvierte er für zwei Jahre das Priesterseminar in Madurai und paukte dort Spiritualität, Englisch und Latein als notwendige Vorbereitung auf das Theologiestudium.

Danach folgte ein dreijähriges Philosophiestudium und anschließend ein sogenanntes freies Jahr. Das ist Teil des Studiums und die Studenten sind dabei angehalten ein Jahr lang in einem "normalen Job" zu arbeiten. Den fand Pfarrer Edward Sebastian in einer Firma in Madras, die Eisenrohre produziert und in die ganze Welt exportiert. "Ich habe da im Büro gearbeitet."

Seit 1998 Priester


Die nächsten vier Jahre studierte er dann Theologie in Trichy. Zum Priester geweiht wurde Pfarrer Sebastian 1998 in seiner Heimatgemeinde in Sivagangai. Danach wirkte er in allen vier Pfarreien der Diözese jeweils für ein Jahr als Kaplan. Anschließend fragte ihn sein damaliger Bischof, ob er nach Deutschland gehen wolle.

"Mich hat das Land interessiert und es war spannend für mich Kirche auch in anderen Ländern zu erleben. "Kirche ist auf der ganzen Welt gleich", weiß Pfarrer Sebastian. In Deutschland sei aber die materielle Prägung stärker als in seiner Heimat, sei der Glaube auf der Suche nach sich selbst nebensächlicher. In Deutschland angekommen unterzog sich Pfarrer Sebastian in Regensburg zuerst einem dreimonatigen Crashkurs, um die deutsche Sprache zu lernen.

Fasziniert vom Schnee


Besonders fasziniert haben ihn die Winter. "Ich kannte ja bis dato keinen Schnee. In den Anfangsjahren schaute ich stundenlang aus dem Fenster und sah zu, wie die Flocken auf die Erde fielen. Das werde ich vermissen." In der Oberpfalz zu leben und zu arbeiten habe ihm sehr gefallen. "Das waren alles tolle Gemeinden. Überall gibt es viele Unterstützer, die mitarbeiten.

Im Bistum seien etwa 30 bis 40 Landsleute aus Indien eingesetzt. Obwohl es Pfarrer Sebastian in Deutschland sehr gut gefallen hat, geht er gerne wieder zurück. "Da ist meine Heimat, da leben meine Verwandten und Daheim ist halt einfach Daheim." Welche Pfarrei er in Indien bekommt, weiß er noch nicht. In Plößberg ist er noch bis zum Monatsende. Danach geht er bis Ende April 2017 als Aushilfe ins Kloster nach Mallersdorf. Dass er irgendwann einmal hier auf Urlaub zurückkommt, um Freunde zu besuchen, kann er sich durchaus vorstellen. Als Hobbys nennt Pfarrer Sebastian Lesen und Spazierengehen. Die Wälder um Plößberg hat er gerne zu Fuß durchstreift. Sein absoluter Lieblingsplatz war der "Vogelherd".

Die Ökumene habe in seiner Gemeinde sehr gut funktioniert. Dabei erinnert der Pfarrer an die Restaurierung der Kirche St. Sebastian, als die katholische Kirchengemeinde in die evangelische Kirche ausweichen durfte, um Gottesdienste zu feiern. "In Indien ist das nicht zu erwarten. Etwa 95 Prozent der Bevölkerung in meiner Heimatgemeinde sind Hindus, der Rest Christen."

Trotzdem seien die Kirchen immer voll. Als Botschaft gibt Pfarrer Sebastian seinen derzeitigen Schäfchen mit, weiter im Glauben zusammenzustehen. Dass hierzulande die aktiven Gläubigen immer weniger werden, sieht er mit Bestürzung. Die Kirche mache nichts falsch, antwortet er auf die diesbezügliche Frage. Das sei wie in der Politik, nur der dürfe mitreden, der auch zur Wahl gehe. "Nur wer mitmacht, darf auch kritisieren."

Perfekte Organisation


Das Sozial-, das Rechtssystem, die Sauberkeit, die Pünktlichkeit, kurz das durchorganisierte Deutschland wird Pfarrer Edward Sebastian vermissen. In Indien sei nichts von diesen positiven Eigenschaften zu finden. "Da gibt es nur Reiche und ganz Arme." Um letztere kümmere sich die Kirche, zum Beispiel mit dem Bau von Schulen. Vom Staat sei keine Unterstützung zu erwarten. Der macht nichts. Es herrscht die Korruption, alles Geld fließt in private Taschen.

Als Nachfolger für Pfarrer Edward Sebastian kommt der derzeitige Grafenwöhrer Kaplan Thomas Thiermann in die Gemeinde.
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