Seit vielen Jahren engagiert sich die Familie Erös in Afghanistan
Bildung statt Fundamentalismus

Brigitte Rosenberger (links) überreichte Annette Erös eine Spende von 400 Euro für die Kinderhilfe in Afghanistan. Bild: lk
Vermischtes
Plößberg
21.10.2016
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Die Rolle der Frau im Islam und das Leben in Afghanistan - wer könnte das besser beschreiben als Annette Erös? Seit Jahren engagiert sie sich zusammen mit Ehemann Reinhard dort in der Kinderhilfe. Und erzählt, wie es geht.

Wildenau. Einen Einblick in eines der ärmsten Länder der Erde gab Annette Erös bei ihrem Vortrag beim Katholischen Frauenbund im Schützenhaus in Wildenau. In Afghanistan sind nur etwas mehr als 10 Prozent des Bodens bebaubar für landwirtschaftliche Produkte; der Rest ist Sand- und Steinwüste. Jedes Fleckchen Erde, für das Wasser herbeigeschafft werden kann, wird zum Beispiel für den Reisanbau genutzt.

Auch das Wasser für den täglichen Gebrauch muss oft von weit hergetragen werden. Die Menschen auf dem Land sind überwiegend damit beschäftigt, das Überleben zu sichern. "Als Einzelner hätte man keine Chance. Nur die Großfamilie sichert die Existenz. Sie versorgt sich mit allem selbst und schützt sich durch ein befestigtes Gehöft."

In dieser muslimischen Gemeinschaft und in der ursprünglichen afghanischen Gesellschaft wird die Frau laut Erös hochgeachtet. Hier gelte das Menschenbild, wie es Mohammed gezeichnet habe: zwar keine Gleichartigkeit, aber die Gleichwertigkeit von Mann und Frau vor Gott. Die Polygamie hatte eigentlich nur den Zweck, alle Frauen in eine Familie einzubinden. "Alleine könnte eine Frau in diesem Land nicht überleben. Die Ehe gilt hier nicht als Sakrament, sondern als Schutzvertrag." Die meisten Ehen würden schon im jugendlichen Alter geschlossen, da die Lebenserwartung zwischen 40 und 48 Jahren liege.

Seit etwa 1300 Jahren gibt es nach den Worten der Referentin den Islam in Afghanistan, 90 Prozent der Bevölkerung seien Sunniten. Ihr Glaube achte die Frauen, im Gegensatz zum Islam in Saudi-Arabien, wo die Frauen enorm unterdrückt würden. Die Familie Annette und Reinhard Erös handelt nach dem Prinzip "Bildung statt Fundamentalismus" und errichtete in Zusammenarbeit mit der einheimischen Bevölkerung und einzig und alleine durch private Spenden finanziert seit 2001 fast 30 moderne Friedens-Schulen, eine Mutter-Kind-Klinik mit einer Frühgeborenen-Station, ein Waisenhaus, drei christlich-moslemische Dorfschulen, eine Schneiderinnen-Schule und sogar eine Universität für Mädchen in Metharlam. Weitere Projekte sind Solarstrom-Kleinanlagen und die Herausgabe von medizinischen Lehrbüchern in der Landessprache.
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