Unfall-Touristen

Ein Autokran musste zur Bergung des umgekippten Silage-Anhängers anrücken, ein Bagger den Mais aufsammeln. Das hielten viele Schaulustige für einen guten Ausflugstipp am Sonntagnachmittag. Trotz der Sperrung näherten sie sich auf Schleichwegen der Unfallstelle zwischen Plößberg und Schlattein. Bild: Feuerwehr
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Plößberg
29.09.2016
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Die Feuerwehrleute hätten an diesem schönen Herbstsonntag sicher lieber etwas anderes unternommen. Doch sie waren stundenlang zur Stelle, um die Folgen eines Unfalls mit einem Maiskipper zu regeln. Leider vor Ort waren auch Schaulustige - scharenweise.

Die Neugierigen umgingen Absperrungen und drängten auf eine Weise zum Unfallort, dass sich die Helfer nun eindringlich an die Öffentlichkeit wenden: "Wir errichten Totalsperrungen nicht, damit sich Gaffer auf der Fahrbahn freier bewegen können, sondern damit ein Arbeiten ohne Verkehrsgefährdung möglich ist."

Wie vor wenigen Wochen der Kommandant der Feuerwehr Reuth (wir berichteten) macht sein Plößberger Kollege Christian Zölch auf den wachsenden Unfall-Tourismus aufmerksam. Als am Sonntag auf der Staatsstraße zwischen Plößberg und Floß ein beladener Kipper mit Mais im Straßengraben gelandet war, wurde das Problem mit Gaffern überdeutlich. "Trotz Totalsperre bei Schlattein und Plößberg suchten viele Personen über Wald und Wiesenwege den Zugang zur Einsatzstelle. Dort liefen sie teilweise bis zu den Stützen des angeforderten Autokrans, um das Unfallgeschehen aus nächster Nähe betrachten zu können." Die Feuerwehrleute - rund 15 Freiwillige aus Plößberg waren vor Ort - beobachteten auch, dass sogar Kleinkinder mit an die Unfallstelle gebracht wurden. Dafür fehlt Kommandant Zölch jedes Verständnis: "Es hätte ja durchaus sein können, dass ein Beteiligter noch schwerverletzt eingeklemmt ist oder tot ist", beschreibt er die Bilder, mit denen die Einsatzkräfte oft fertig werden müssen.

Im Fall des Maisanhängers ging es ohne Personenschaden ab. Der Unfall war dennoch spektakulär: "Spätestens als der Autokran eintraf, setzte der Tourismus ein", schildert Maximilian Haas seinen Eindruck. Der Gruppenführer der Feuerwehr war von 14 bis 20 Uhr vor Ort und schüttelt den Kopf: "Unsere Wehrfrauen und Wehrmänner waren somit nicht nur damit beschäftigt, den Einsatz abzuarbeiten, sondern konnten sich während den Bergungsarbeiten durch Abschlepp- und Kranunternehmen noch darum kümmern, dass die Schaulustigen außerhalb des Gefahrenbereiches blieben."

Dafür fehlt der Feuerwehr Plößberg jedes Verständnis. Freuen würde sie sich jedoch über jeden Neuzugang: "Wir garantieren euch, dass wir keine Anfahrt über Nebenstraßen machen. Ihr seid von Anfang an direkt an der Einsatzstelle und könnt dazu sogar noch anderen helfen."
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