Vierter Bauabschnitt an der Burg Liebenstein
Stein für Stein und Hand in Hand

Für Helmut Landgraf (links) ist es die Baustelle seines Lebens. Von Anfang an ist der Maurer aus Flossenbürg der Chef auf der Baustelle der Burg Liebenstein. Beim nunmehr vierten Bauabschnitt seit 2008 unterstützt ihn Kranführer Alexander Zwack. Bilder: Grüner (4)
Vermischtes
Plößberg
24.08.2016
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Der Burgberg aus der Ferne. Rechts der restaurierte Teil der Burg. Wie das Areal im Mittelalter ausgesehen hat, darüber gibt es nicht viele Informationen.

Vor fast 1000 Jahren gelten die Liebensteiner als bedeutende Herrscher. Und ihre Burg ist eine wichtige Bastion. Ein paar Jahrhunderte später aber ist nur noch eine Ruine vorhanden. Die Bürger wollen wenigstens die Reste erhalten.

Liebenstein. Unermüdlich werkeln Maurer-Meister Helmut Landgraf und Kranführer Alexander Zwack auf ihrer außergewöhnlichen Baustelle in der prallen Sonne. Vergangene Woche haben sie den vierten Bauabschnitt der Sanierung der Burgruine in Angriff genommen.

Praktisch wortlos arbeiten die beiden als eingespieltes Team ohne Unterbrechung. Jeder weiß, was er zu tun hat. Und so wächst die Burganlage Stück für Stück. Aktuell ziehen sie die beiden ehemaligen Türme ein Stück in die Höhe. So etwa 1,20 Meter. Die vorgeschriebene Höhe, damit Besucher der Anlage sich darin auch sicher bewegen können.

Lebenswerk für Landgraf


Für Helmut Landgraf aus Flossenbürg ist das praktisch sein Lebenswerk. Von Anfang an ist er der Mann, der Stein auf Stein setzt und mit Mörtel verbindet, um maximale Stabilität zu erreichen. Mit viel Mühe wurde der Grundriss im ersten Bauabschnitt (BA) ab Juli 2008 freigelegt und im zweiten Teile wieder aufgemauert. In den Jahren 2011 und 2012 folgte der dritte BA.

Der jetzt begonnene Abschnitt ist voraussichtlich der letzte und soll im Herbst kommenden Jahres mit einem rauschenden "Ruinen-Fest" seinen Abschluss finden. "Gearbeitet wird heuer solange es das Wetter zulässt", erklärt Karl Gehret vom Bürgerverein. 28 Mitglieder ist der Verein, dem Willi Reichl vorsitzt, aktuell stark. Etwa 15 davon sind aktiv am Bau beteiligt.

Viele Handlanger


Jeden Abend, wenn die beiden Profis Feierabend machen, sind mehrere von ihnen vor Ort, um wieder Steine an die aktuellen Baustellen zu schaffen. Dann können Maurer und Kranführer am nächsten Morgen gleich wieder loslegen. Erhaltungswürdig sei die Burg - oder vielmehr ihre Reste - allemal, erklärt Gehret. Denn ohne sie gäbe es Liebenstein gar nicht. Aus ihrer Existenz sei letztendlich der ganze Ort entstanden.

125 000 Euro kostet die Sanierung, die als anerkanntes Leader-Projekt in der Hauptsache von der EU gefördert wird. Bauherr der gesamten Maßnahme ist die Marktgemeinde Plößberg, Projektträger ist der Bürgerverein Liebenstein.

Zur Geschichte der BurgDokumente, wann genau die Burg gebaut worden ist, existieren nicht. Als Indiz gilt ein Schriftstück aus dem Jahr 1125, in dem die Brüder "Udalricus und Pilgrimus de Egere" in Liebenstein erwähnt sind. Man nimmt an, dass die Burg in den Jahren danach entstanden ist, denn im 12. Jahrhundert galt sie als bedeutende Bastion der Staufer und übte bis weit ins Egerland Einfluss aus. Unterhalb der Burg entstand zu dieser Zeit auch der "Schwaighof", der die Herrschaften mit allem Notwendigen versorgte. Ein stattlicher Teich prägte zusätzlich das Ortsbild. Am Ende des 13. Jahrhunderts endet die Dynastie mit Heinrich, dem letzten "Ritter von Liebenstein". Schwiegersohn Dietrich zu Parsberg verkauft die Burg an das Kloster Waldsassen. Es werden neue Mauern hochgezogen, wohl hauptsächlich zum Schutz vor den räuberischen Böhmen. Aus der Burg wird in der Geschichte ein Schloss. Das dient 1592 der Regierungskommission, die den Mord an Oberamtmann Valentin Winsheim in Tirschenreuth untersucht, als Zufluchtstätte. 1618 stellt eine Zeichnung das Schloss dar. Doch die Anlage verliert an Bedeutung, wird vernachlässigt und ist schon 1634 nicht mehr bewohnbar. Nach dem Stadtbrand in Tirschenreuth dienten die Ruinensteine zum Wiederaufbau der Kreisstadt. Der Schlossteich ist bis ins 19. Jahrhundert "Motor" für die Liebensteiner Mühle. Mehr Leben herrscht da noch am "Schwaighof", der bis in die 1930er Jahre in Betrieb ist. Das Schloss verfällt und es schwindet die Erinnerung an die machtvolle Stätte. Als das Landesamt für Denkmalpflege sowie staatliche Einrichtungen Mittel bereitstellen, beginnt 2006 die Wiederauferstehung der Burg. (tr)
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