Vortrag von Kreisfachberater Harald Schlöger über Friedhof als „Ort der Würde“
Eibe Symbol der Unsterblichkeit

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Plößberg
21.04.2016
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Schönkirch. Bei der Jahresversammlung des Obst- und Gartenbauvereins steuerte Kreisfachberaters Harald Schlöger einen interessanten Fachvortrag zum Thema "Der Friedhof - Ort der Würde, Kultur und Natur" bei. Schlöger betonte, dass sich der Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Tirschenreuth 2015 an einem landesweiten Wettbewerb über Friedhöfe als Kulturräume von besonderer Bedeutung für Dörfer und Städte beteiligte. Wie Schlöger weiter ausführte seien Friedhöfe symbolträchtige Orte, die eine regional verankerte Trauerkultur bergen.

Der Wettbewerb sollte positive Beispiele der Friedhofsgestaltung herausstellen und Impulse zur Orientierung und Nachahmung geben. Der Friedhof sei dabei wichtiger Teil sowohl im Gemeindeleben als auch Bestandteil der Landschaft. Da der Friedhof nicht nur für die Toten, sondern vor allem für die Lebenden da sei, gehören die Bemühungen um ein ansprechendes Friedhofsbild zu den wichtigen landeskulturellen Aufgaben gerade der Obst- und Gartenbauvereine. "Mit dem Zitat 'Heimat ist da, wo wir die Namen der Toten kennen' lässt sich der Stellenwert der Bemühungen um ein ansprechendes Friedhofsbild charakterisieren", so der Kreisfachberater.

Der Friedhof solle ein Ort sein zum Ruhen und Verweilen. Deshalb sei ein grüner, würdevoller Friedhof anzustreben. Im Vortrag ging Schlöger im ersten Teil auf die sinnvolle Anlage des Friedhofes, seine Gliederung durch Bäume im Bereich der Hauptachsen und die Pflanzenauswahl für die Abgrenzung der Grabfelder ein. Wichtig seien auch die Anordnung der Grabstellen und die Gestaltung der Grabzwischenräume im Rahmen von Friedhofssatzungen.

Schlichtheit oft besser


Im zweiten Teil des Vortrages wurden Hinweise zur würdigen Gestaltung des Einzelgrabes gegeben. Dazu zählt ein einfaches Grabmal in Form und Materialwahl. Schön seien Zitate, Sprüche, die Aufschluss über die Verstorbenen geben und die den Betrachter zum Nachdenken anregen. Schlichtheit sei oft besser als ein aufwendiger, hochglanzpolierter Steinklotz. Als völlig ungeeignet betrachtete Schlöger vollkommen abgedeckte Grabstellen. Diese bieten auch praktische Nachteile. Gestecke und Schalen sind windanfällig; der Gießaufwand ist enorm. Bei der Pflanzenauswahl für die Grabstelle sollte auf das Wechselspiel Rahmenbepflanzung, Dauerbepflanzung mit niederen Bodendeckern oder Stauden und Wechselbepflanzung entsprechend der Jahreszeit geachtet werden. Wegen Schatten oder herbstlichem Laubfall die Beseitigung von Bäumen im Friedhofsbereich zu fordern, wie es immer wieder von Grabbesitzern getan wird, hält der Kreisfachberater für absurd. Gerade Bäume mit ihrem Wechsel von Laubfall und erneutem Austrieb im Frühjahr haben eine enorme Symbolik als Zeichen für vergängliches Leben und Auferstehungshoffnung. Überhaupt gelte es die Symbolik der Pflanzen wieder zu verstehen. "Wir sollten vermehrt solche Pflanzen verwenden, die Tradition bei der Friedhofsgestaltung haben. Immergrüne wie Buchs oder Eibe gelten als Symbol der Unsterblichkeit und der Auferstehungshoffnung." Die rote Rose als Symbol der Liebe über den Tod hinaus sei sehr gut als Strauch in Verbindung mit Metallkreuzen geeignet oder einfach nur als lieber Blumengruß zu Allerheiligen.

Abschließend äußerte Schlöger die Hoffnung, dass alle Friedhofsnutzer wieder mehr den Blick für das Gesamte in ihre Betrachtungen einfließen lassen. Der im Herbst häufig vernehmbare Ruf nach Beseitigung von Laubbäumen sei sehr egoistisch und kurzsichtig und werde dem "Kulturort" Friedhof nicht gerecht.
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