Aus Fremden werden Freunde

Ein besonderer Augenblick in ihrem Leben: die Taufe in der Poppenrichter Kirche. Von links: Patin Johanna Steindl mit Täufling Gina Salha, Osaima Alsahnawi mit ihrer Patin, der Gemeindereferentin Regina Probst, Pfarrer Dominik Mitterer. Bilder: Wild (2)
Lokales
Poppenricht
24.11.2015
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Gruppenbild vor der Kirche (von links): Helen Salha mit Patin Sabine Ederer, Pate Engelbert Weidl mit Täufling Adonis Salha, Carmen Salha mit Patin Katharina Weidel, Gina Salha mit Patin Johanna Steindl, Pfarrer Dominik Mitterer, Osaima Alsahnawi mit Patin Regina Probst und Moafak Salha.

Als Osaima ihren Kopf wieder vom Taufbecken erhebt, lächelt sie. Der Pony ihrer für diesen festlichen Anlass zurechtgemachten Frisur ist nass. Aber das stört sie nicht. Im Gegenteil: "Ich bin sehr glücklich. Ich liebe das alles", sagt die 39-Jährige euphorisch.

Osaima Alsahnawi (39), Moafak (52), Adonis (17), Carmen (16), Gina (11) und Helen Salha (4) - so heißen die sechs Syrer, die seit Sommer 2014 in Poppenricht zu Hause sind. Aber nur hier zu leben, ist der Familie nicht genug.

"Wir gehen fast jeden Samstag in die Kirche. Außer, wenn ich Zeitungen austragen muss", erzählt die 16-jährige Carmen. "Uns gefällt die Gemeinschaft, hier wollen wir auch dazugehören", fügt ihre Mutter Osaima hinzu. Deshalb haben sie und ihre vier Kinder sich dazu entschlossen, die Taufe zu empfangen und zu Katholiken zu werden.

"Ich habe sie zweimal weggeschickt. Aber als sie zum dritten Mal vor meiner Tür standen, da wusste ich: Die meinen es ernst", erzählt der Poppenrichter Pfarrer Dominik Mitterer. "Ich habe die Familie auch mehrfach darauf hingewiesen, dass sie es in ihrer Heimat als Christen nicht leicht haben und dass sie die Konsequenzen bedenken sollen. Aber trotzdem wollten sie es so."

Vater bleibt Druse

Ursprünglich gehören die Salhas der Religion der Drusen an, einer arabischsprachigen Glaubensgemeinschaft, die es vor allem in Syrien, Israel und im Libanon gibt. Der Vater, Moafak, möchte Druse bleiben. Auf die Frage, ob er mit der Entscheidung seiner Frau und seiner Kinder ein Problem hat, schüttelt er heftig den Kopf, lächelt und antwortet: "Nein, nein. Freiheit für meine Familie."

Ihr Land mussten die Poppenrichter Neubürger wegen Krieg und Verfolgung verlassen. Mehr möchte Moafak zu den Gründen für die Flucht nicht sagen. Dem 52-Jährigen, der in der Nähe von Damaskus als selbstständiger Taxiunternehmer tätig war, ist es sichtlich unangenehm, über dieses Thema zu sprechen. Eine neue Heimat haben die Salhas nun in Poppenricht gefunden, als Mieter bei Gemeindereferentin Regina Probst. Dadurch entstand auch der erste Kontakt zur Pfarrei St. Michael.

Als die Salhas kamen, rief Pfarrer Mitterer dazu auf, die christliche Nächstenliebe in die Tat umzusetzen. Viele freiwillige Helfer sammelten daraufhin Möbel, Kleidung, bauten der Familie sogar eine Küche in die Wohnung. "Etwas Besseres hätte uns nicht passieren können. Die Wohnung ist sauberer als meine", scherzt Regina Probst. Die 44-Jährige fasst die Charakterzüge der Familie Salha in drei Worten zusammen: höflich, gastfreundlich und hilfsbereit.

"Dort, wo Lücken im staatlichen System sind, da helfen wir schnell und unbürokratisch", erklärt der Pfarrer. Osaima ist dafür sehr dankbar: "Es ist richtig schön hier. Die Leute helfen uns, wir haben neue Freunde gefunden und fühlen uns sehr wohl in dieser großen Familie."

Alle schon integriert

Und in dieser "großen Familie" haben alle sechs schon Fuß gefasst. Gina ist Mitglied bei den Pfadfindern, möchte Ministrantin werden und singt im Jugendchor, Osaima im Kirchenchor. Die beiden Mädchen besuchen das HCA-Gymnasium in Sulzbach-Rosenberg, Adonis absolviert ein berufsvorbereitendes Jahr und will danach eine Ausbildung zum Friseur beginnen. Moafak arbeitet in einem örtlichen Kamingeschäft und macht einen Deutschkurs. Seine Frau ist als Reinigungskraft im Pfarrhaus und in einem Friseurgeschäft tätig.

Familie eine Ausnahme

Auf der faulen Haut liegen, das ist für die Salhas keine Option. "Wir wollen selbst für uns sorgen, selbst Miete, Strom und Heizung bezahlen, weg vom Jobcenter." Die Deutschlehrerin vom Kolping-Bildungswerk, Katharina Weidel, und ihr Vater Engelbert Weidel, der die Kinder im Basketballkurs kennengelernt hat, bezeichnen die Familie als "Ausnahme, was die Integration angeht". Den Jugend-Integrationskurs haben Adonis und Carmen mit dem höchsten Sprach-Level im Juli abgeschlossen. Der Kontakt blieb auch danach noch bestehen, die Weidels sind jetzt die Taufpaten der beiden.

Appell des Pfarrers

Die Geschichte der Familie Salha zeigt, dass Integration durch persönliche Begegnungen und Menschlichkeit nicht unmöglich ist. "Wenn jeder Bürger, jede Pfarrei und jeder Verein einen Beitrag leistet, dann können aus Fremden Freunde werden", ist Pfarrer Dominik Mitterer überzeugt.
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