Die alte Grenze lebt wieder auf

Eine weiß-blaue Schranke und Hans Prem (rechts) als Grenzposten in historischer Uniform versperrten am Bayerischen Brückl den AOVE-Wanderern, die von Alfons Graf (links) geführt wurden, den Weg. Die Stelle heißt Bayerisches Brückl, weil man dort vom Herzogtum Sulzbach in die Obere Pfalz des Herzogtums Bayern gelangte. Bild: gf
Lokales
Poppenricht
09.10.2014
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Was bei der AOVE-Wanderung "Anno dazumal, Aussicht und Äpfel" der erste Teil des Titels bedeutete, merkten die Teilnehmer, als sie ans Bayerische Brückl kamen. Ein weiß-blauer Schlagbaum und ein historischer Grenzposten ließen dort erst einmal keinen durch.

Der verkleidete Hans Prem erzählte den neugierigen Wanderern, woher diese kleine Brücke ihren Namen hat: Sie kennzeichnete die Grenze zwischen der Oberen Pfalz (gehörte zu Bayern) und dem Herzogtum Sulzbach. Auch der Thurn-und-Taxis-Postweg von Nürnberg über Altdorf hinein ins Böhmische habe über das Bayerische Brückl geführt. Im Lauf der Jahre sei die Brücke allmählich verfallen. Sie wurde aber vor sieben Jahren von einigen Karmensöldener Bürgern mit Unterstützung eines ortsansässigen Bauunternehmens wieder saniert.

Ein Berg aus Schutt

Als westlichsten Punkt steuerte die Exkursion unter Leitung von Alfons Graf den "Monte Schlacko" an, wo laut Graf ein gewinnorientiertes Unternehmen bedenkenlos allen Schutt aus dem Erzbergbau aufschütten ließ. Über Siebeneichen führte die Wanderung aber zunächst auf den Eichelberg, wo von 1964 bis 1978 über den Eichelberg-Schacht bis auf fast 100 Meter Tiefe eingefahren wurde. Josef Rieder, der 24 Jahre als Bergmann in der Grube St. Anna und Karoline Eisenerz abgebaut hat, betonte, dass die Gruben im Eichelberg die ältesten Erzlagerstätten rund um Sulzbach-Rosenberg waren und dass hier bereits im 13. Jahrhundert Eisenerz aus dem oberen Erzkörper abgebaut wurde.

Vor 50 Jahren habe man sich entschlossen, auch den unteren Erzkörper zu erschließen, wo 15 Millionen Tonnen Eisenerz hochwertiger Qualität vermutet wurden, was etwa dem Volumen des Schlackenbergs entspreche. Billiger Erzimport aus Südamerika und Skandinavien habe dann zur Aufgabe des Eichelberg-Schachtes geführt, um den herum mittlerweile große Halden tauben Gesteins aufgeschüttet worden seien.

Die AOVE-Wanderung endete in der Bio-Apfel-Plantage von Alfons Graf, auf der Erhöhung westlich von Häringlohe auf dem Staudenberg beim Neuhof. Graf wies auf den herrlichen Ausblick nach Süden und Westen hin, wo sich am Horizont die Windräder drehten und wo sogar die nahe Altdorf stehenden Exemplare noch zu erkennen waren.

Dürftige Apfelernte

Zum Ausschneiden der Bäume sei er zu faul, scherzte Graf, er lasse der Natur ihren Lauf und sei mit seinen gut 100 Bio-Apfelbäumen, auf denen 30 verschiedene Apfelsorten heranwachsen, vollauf zufrieden. Langanhaltend feuchtes Wetter habe heuer den Schädlingsbefall begünstigt. Zwar habe es oft, aber nicht ausreichend geregnet, so dass das Wasser nie so richtig bis in Wurzeltiefe durchgesickert und die Ernte daher dürftig ausgefallen sei. Eigens für die AOVE-Wanderer hatte Graf einige Bäume nicht abgeerntet. So konnte er sie mit saftigen Äpfeln verköstigen.
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