Mohren-Debatte geht weiter

Lokales
Poppenricht
16.09.2015
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Es wäre ewig schade, wenn man dem Haus etwas antun würde: Heimatpfleger Hans Prem ist gegen den Abriss der Drei Mohren. Warum, das erklärte er Interessierten bei einem Ortstermin.

Der Gemeindeheimatpfleger hatte dazu am Montag direkt vors Gebäude geladen: Es präge seit Jahrzehnten das Poppenrichter Ortsbild, betonte Prem vor einer überschaubaren Zahl von Teilnehmern, die seine Argumente gegen einen Komplett-Abriss hörten. Unzählige Feste seien in den Drei Mohren gefeiert worden, sagte Prem. Gesellschaften zu Hochzeiten, Geburtstagen und Jubiläen habe das Haus beherbergt, aber auch Raum für weniger erfreuliche Anlässe geboten.

Man muss nur wollen

Prem betonte ausdrücklich, dass er nicht gegen einen Neubau sei: Aber die Fassade müsse erhalten bleiben. Zweifel hat er an der Notwendigkeit einer Tiefgarage.

Auf dem rund 3000 Quadratmeter großen Areal könne auch ohne sie genügend Parkraum geschaffen werden. Der zuständige Architekt habe ihm gegenüber ursprünglich geäußert, dass nur die Nebengebäude, nicht aber der Hauptbau, verschwinden sollen. Wenig später habe der Planer aber dann behauptet, dass bei Erhalt des alten Gebäudes kein ausreichender Brandschutz gewährleistet werden könne. Prem widerspricht dem: Ein Experte habe ihm versichert, dass die Vorgaben auch im alten Gebäude sichergestellt werden könnten. Man müsse das einfach nur wollen.

Um die 100 000 Euro wird der Abriss nach Prems Worten verschlingen: Dadurch verliere Poppenricht ein prägendes Gebäude. Dabei könne der Investor seine Pläne auch mit dem Erhalt des Haupthauses verwirklichen, davon ist der Heimatpfleger überzeugt. Zweifel hat er am geplanten Nahversorger. Prems Prophezeiung dazu: Die Großmärkte in Witzlhof und Rosenberg würden diesem Laden über Dumpingpreise bald das Leben schwer machen.

"Zwei Herzen schlagen in meiner Brust", bekannte 2. Bürgermeister Hermann Böhm. Er versicherte, auch an den Drei Mohren zu hängen. Unstrittig sei aber, dass hier über Privatbesitz diskutiert werde, auf den die Gemeinde nur über das Baurecht Einfluss nehmen könne. Nicht zu leugnen sei zudem, dass ein Nahversorger im Ort vor allem für ältere Mitbürger Vorteile brächte.

Die derzeitigen Eigentümer hätten sich nach seiner Kenntnis schon über Jahre vergeblich bemüht, einen Investor zu finden, der bereit gewesen wäre, das Haus zu sanieren. Nun habe der eventuelle künftige Besitzer kalkuliert, dass Abriss und Neubau günstiger sind. Er wolle die Immobilie aber nur kaufen, wenn er seine Vorstellungen verwirklichen könne und sichere Mietverträge in der Tasche habe. Arztpraxen könnten in einem Neubau barrierefrei erreicht werden, sagte Böhm: Beim derzeit in Poppenricht angesiedelten Allgemeinarzt sei das nicht der Fall.

Vorschlag: Relief erhalten

Kontrovers war danach eine kurze Debatte: Es gab darin sowohl Stimmen für den Erhalt als auch für den Abriss. Ein Diskussionsteilnehmer gab zu bedenken, dass der Investor wohl bald das Interesse verliere, wenn er nicht zügig die Hälfte der von ihm geplanten Gewerbe- und Wohneinheiten vermietet habe: "Dann stehen die Drei Mohren in fünf Jahren immer noch ungenutzt da." Böhm sieht einen Kompromiss darin, das alte Relief im Neubau zu erhalten.
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