Traditionelle fernöstliche Medizin Thema bei den Seniorenwochen in Poppenricht - Barbara Wagner ...
Weisheit aus China: "Im Ohr steckt der ganze Mensch"

Lokales
Poppenricht
22.10.2014
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Wie sich die Medizin in Europa und im fernen Orient entwickelt hat, wie sie sich gegenseitig beeinflusste und was wir heute daraus lernen können - über diese Fragen referierte Ärztin Barbara Wagner bei den Poppenrichter Seniorenwochen. "Seit mehr als 2000 Jahren ist die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) als eigenständiges Heilkundesystem entwickelt worden", erklärte Wagner. Was sich über Jahrtausende bewährt habe, sei Mitte des 19. Jahrhunderts durch die westliche Medizin verdrängt worden.

Als die westliche Medizin trotz vieler Fortschritte an ihre Grenzen geraten sei, habe TCM wieder an Bedeutung gewonnen. In China gehöre zum Medizinstudium heute auch die "westliche Heilkunde". TCM-Ärzte würden sogar "westliche Medikamente" verordnen. "Grundkonzept der traditionellen chinesischen Medizin ist das Qi", erklärte Wagner. "Qi" sei die Quelle der Bewegung, erzeuge Wärme im Körper, sei für psychische Aktivität verantwortlich und wandle Nahrung in Blut und Energie um. Diese Lebensenergie fließe auf den Meridianen, senkrecht gedachten Linien, und durchflute so im Laufe eines Tages einmal den ganzen Körper. Zwölf Hauptmeridiane gebe es, die bestimmten Organen oder Organsystemen zugeordnet werden können.

Körper und Geist

"Unser Wohlbefinden ist auch von den polar einander entgegengesetzten Kräften Yin und Yang abhängig, die bei völligem Gleichgewicht einen idealen Gesundheitszustand bewirken", erklärte Wagner. In die TCM fließe auch die Lehre von den fünf Elementen ein. "Holz" verbrenne zu "Feuer", dann entstehe Asche, eben "Erde", in der sich Kristalle wie "Metalle" befinden, aus denen eine Quelle entspringe, das "Wasser". Krankheiten hätten nach der Lehre der TCM ihre Ursache in einer Störung des harmonischen Fließens der Lebensenergie in den Meridianen.

Innere und äußere Faktoren würden zu einem Ungleichgewicht von Yin und Yang und damit zu Krankheiten führen. Zu inneren Faktoren zählen laut Wagner Angst, Zorn oder Trauer, zu den äußeren Hitze, Kälte, Trockenheit oder Feuchtigkeit. TCM behandle immer den Patienten als Ganzes.

Zur Untersuchung gehöre auch die Puls- und Zungendiagnostik. Die fünf Säulen der Therapie in der TCM seien Ernährung/Diätetik, Bewegungstherapie, Kräuterheilkunde, Massage oder Akupunktur. Bereits einfache Veränderungen der Essgewohnheiten, erklärte Wagner, könnten das Wohlbefinden steigern. Bestimmte Nahrungsmittel könnten präventiv gegen Krankheiten eingesetzt werden und mit etwas mehr Bewegung könne jeder Patient selbst etwas für seine Gesundheit tun.

Mit Akupunktur könnten durch Nadelstiche bestimmte Punkte auf den Meridianen gereizt werden. Feinste Nadeln seien weniger schmerzhaft als eine Injektion. Vielfach führe alleine die Ohrakupunktur zum Erfolg, da "im Ohr der ganze Mensch steckt" und die Nadel an einer bestimmten Stelle am Ohr das entsprechende Organ anspreche. So werde etwa das Kniegelenk beeinflusst, wenn die Nadel im Punkt 49, etwa in der Mitte der oberen Ohrmuschel, gesetzt werde.
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