Vortrag bei den Poppenrichter Seniorenwochen
Wenn der Schmerz nicht nachlässt

Lokales
Poppenricht
06.11.2014
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"Schmerz - (k)ein Schicksal?" - mit einem Vortrag über dieses Thema bereicherte die Frauen-Union die Seniorenwochen. Referentin war Maria Boßle, die seit ihrer Kindheit Schmerzpatientin ist und die Selbsthilfegruppe "Chronischer Schmerz" in Sulzbach-Rosenberg gegründet hat und auch leitet.

"Lassen Sie sich nicht vom Schmerz unterkriegen", war der erste Rat Boßles. Um den Senioren einen Eindruck von diesem Leiden zu geben, las sie einige Aufzeichnungen aus ihrem Tagebuch vor, in das sie ihre Qualen und Depressionen niederschreibt. Bei wem Schmerzen zum Leben gehören, der müsse lernen, die Krankheit zu akzeptieren. "Heute kann ich mit meiner Erkrankung, dem Ehlers-Danlos-Syndrom, ganz offen umgehen", betonte die Referentin. Familie, Freunde und vor allem die Musik gäben ihr Kraft und Mut, ihr Leben zu gestalten und auch anderen zu helfen.

Boßle informierte, dass spezielle Kliniken multimodale Therapien anbieten. Bei dieser ambulanten Behandlung, die sich über mehrere Wochen hinziehe, kombinierten die Mediziner Medikamente mit Infos über die Krankheit, psychologischen Gespräche und Entspannungsübungen. Einigen Patienten helfen Meditationen, Selbsthypnose, Akupunktur oder Krankengymnastik so gut, dass sie auf Tabletten verzichten könnten. Von einem Schmerzpatient spricht man laut Boßle, wenn Nervenreize ihre Warnfunktion verloren haben und ständig auf das Schmerzsystem einprasseln, weil die Ursache nicht heilt. Dabei könne das seelische das chronische Leiden weiter negativ beeinflussen oder auch auslösen.

In Deutschland gibt es nach Aussagen der Referentin rund zwölf Millionen dieser Patienten, die viele Jahre lang von Arzt zu Arzt pilgern, ohne dass ihnen geholfen wird. "Dadurch geht wertvolle Zeit verloren, weil sich in dieser Zeit Chronifizierungs-Prozesse abspielen können, die vermeidbar wären", unterstrich Boßle. Sie zitierte Dr. Marianne Koch, Ehrenpräsidentin der Deutschen Schmerzliga, wonach jeder dieser Patienten ein Recht auf eine adäquate Therapie habe. Die von Maria Boßle gegründete Selbsthilfegruppe kommt immer am ersten Mittwoch im Monat um 19 Uhr im Speisesaal des St.-Anna-Krankenhauses Sulzbach-Rosenberg zusammen. Die Treffen sind für alle Interessierten offen.
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