CSU-Diskussion über Bildungspolitik
Seitenhieb für die Kanzlerin

Der CSU-Kreisvorsitzende Dr. Harald Schwartz (links) und Horst Pongratz (rechts) als Vorsitzender des Arbeitskreises Schule, Bildung und Sport des CSU-Kreisverbandes rahmten Staatssekretär Georg Eisenreich ein, als er über die bayerische Bildungspolitik sprach. Bild: gf
Politik
Poppenricht
13.06.2016
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Eigentlich sprach Kultus-Staatssekretär Georg Eisenreich (CSU) zum Thema "Amberg-Sulzbach - eine starke Bildungsregion?". Schnell war er da aber beim Thema Flüchtlinge angelangt. Und überraschte mit Zustimmung für die Bundeskanzlerin.

Altmannshof. Eingeladen hatte zu der Diskussion der Arbeitskreis Schule, Bildung und Sport des CSU-Kreisverbandes Amberg-Sulzbach. Er war Ende 2015 unter dem Vorsitz von Dr. Horst Pongratz gegründet worden. Pädagogen, Erzieher und Ausbilder kamen am Freitag in den Gasthof Kopf in Altmannshof und suchten das Gespräch mit Staatssekretär Georg Eisenreich.

Für den stellvertretenden Poppenrichter Bürgermeister Hermann Böhm ist Amberg-Sulzbach eine hocheffiziente Bildungsregion, nicht zuletzt wegen der OTH. Immer mehr Oberpfälzer wanderten nicht ab, sondern nutzten das Angebot an qualifizierten Arbeitsplätzen in der Region. Der Landtagsabgeordnete Harald Schwartz lobte Georg Eisenreich als verlässlichen und engagierten Politiker, wenn es um Bildung in Bayern gehe. Ganz hoch rechne er ihm an, dass er sogar Münchens Stadtgrenzen für einen Abstecher in die Oberpfalz verlassen habe.

Grundsätzlich könne nie genug Geld in Bildung investiert werden, und jede Diskussion bringe neue Impulse für die Bildungspolitik, betonte der Jurist Georg Eisenreich, der seit 2003 dem Landtag angehört. Jeder Schüler solle sich für ein selbstbestimmtes Leben entscheiden können. Bayerische Bildungspolitik kümmere sich um alle Schüler. 11,6 Milliarden Euro habe der Freistaat dafür im Haushalt 2016 vorgesehen, drei Milliarden mehr als 2008. Trotz sinkender Schülerzahlen seien 5000 Lehrer zusätzlich eingestellt worden.

Für Familien entscheidend


Ein zentraler Bildungsgrundsatz der CSU sei die Gleichwertigkeit akademischer und beruflicher Bildung, sagte Eisenreich. Bayern investiere in den ländlichen Bereich, um eine wohnortnahe Schulversorgung sicherzustellen. Viele Familien orientierten sich bei der Auswahl ihres Wohnorts und Arbeitsplatzes daran, welche Bildungsangebote für ihre Kinder vorhanden seien, ob es Ganztagsangebote gebe oder wie Unterrichtsausfall vermieden werde.

60 000 zusätzliche Schüler, die als Flüchtlinge ins Land kamen, dann etwa je 650 Übergangs- und Berufsintegrationsklassen seien nur zu bewältigen gewesen, weil Bayern einerseits 11,6 Milliarden Euro in Bildung investiert, andererseits die Lehrerschaft großartige Arbeit geleistet habe, fand Eisenreich.

Merkel "handelte übereilt"


Einen Seitenhieb auf die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin konnte er sich nicht verkneifen, denn ihr Handeln sei übereilt und wenig nachhaltig gewesen. Nur in einer Aussage gebe er der Kanzlerin recht, die ein Chaos eingeräumt habe, wären die Flüchtlingsströme nicht in Bayern, sondern in anderen Bundesländern eingetroffen. Eisenreich betonte, dass Bayern den vom Bund prognostizierten Flüchtlingszahlen nie getraut habe und immer von höheren Werten ausgegangen sei. Die Zeit, die Flüchtlingskinder in der Schule seien, müsse man nutzen, um ihnen Sprache und Werte zu vermitteln.

Bei der Diskussion schränkte Eisenreich ein, dass nicht jeder einmal seinen Traumberuf ausüben könne: "Ich wäre auch gerne Wiesenwirt geworden." Fehlende Lehrer hinten und vorne seien ein Problem, meinte ein Schulleiter, der zudem bemängelte, dass den Rektoren zu wenig Zeit für die Leitungsfunktion an ihren Schulen zur Verfügung stehe.

Dr. Horst Pongratz meinte, in der heutigen Zeit müsse digitale Bildung ausgeweitet werden. "Informatik braucht einen höheren Stellenwert." Zum Thema Lehramtsstudium meinte Eisenreich, dass für Grund- und Berufsschule sowie Sonderpädagogik eine spätere Übernahme ziemlich sicher sei, beim Lehramt für Gymnasium und Realschule habe er seine Zweifel. Lange Anfahrtswege zur Berufsschule bei bestimmten Berufen wurden kritisiert, aber der Sprengel orientiere sich an der Anzahl der Schüler und umfasse deshalb oft mehrere Landkreise. Das entsprechende Defizit beim öffentlichen Personennahverkehr sehe er ein, es stehe aber nicht in seiner Macht, etwas dagegen zu unternehmen, so der Bildungspolitiker.

Ich halte die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin für falsch, stimme aber ihrer Aussage zu, dass es das Beste war, dass alle Fluchtrouten nach Bayern führten. In anderen Bundesländern hätte es das blanke Chaos gegeben.Georg Eisenreich
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