Chorgemeinschaft Sankt Georg
Fasching und die Fünfziger

Mit dem Einzug des Imperators und seinem Gefolge erinnerte die Chorgemeinschaft an die Zeit der Monumentalfilme der 1950er Jahre. Bild: do
Kultur
Pressath
01.02.2016
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Im Stil der legendären Robert-Lemke-Sendung "Was bin ich?" sinnierte ein Rateteam über einen Ehrengast. Bilder: do (3)

Ein Faschingskonzert war angekündigt, doch was sich da am Samstag im Pressather Pfarrsaal abspielte war mehr: Die Chorgemeinschaft Sankt Georg bot Geschichtsunterricht in Form einer Revue für das Herz, den Kopf und auch das Zwerchfell.

Musikboxen hielten Anfang der 1950er Jahre Einzug in die Gaststätten. Schlager sorgten für Unterhaltung. Catarina Valente nimmt 1954 ihre ersten Schallplatten auf und - im Weltmeisterschaftsjahr wird ein "berühmter" Dirigent geboren: Richard Waldmann. Verrückte Zeiten, oder? Schon diese Feststellung des Moderators Günter Schwab sorgte für lautstarke Zustimmung. "Lassen Sie sich verführen und verführen Sie selbst", hieß die Aufforderung des Conférenciers. Naja, zumindest entführen ließ sich das Publikum. Der Saal war beim Faschingskonzert der Chorgemeinschaft St. Georg und des Pressather Kulturkreises voll.

Das bis zum Einzug der "Gladiatoren" gehütete Geheimrezept war so einfach, wie genial. Man nehme einen Chor der Extraklasse, virtuose Musiker, etwas Slapstick, einen Hauch Comedy, verfeinere diese mit einer starken Prise Humor und Narretei und widme sich mit Leidenschaft den größten Hits der 1950er Jahre, dem Jahrzehnt der Schlager, des Rock'n'Roll und des Twists. Ganz Paris träumte von der Liebe, sang die Valente. Am Samstagabend träumte das Publikum mit, als die Chorgemeinschaft ihren Blick auf die Welt und die Musik der 1950er Jahre richtete. Sänger und Musiker boten unter Leitung von Richard Waldmann eine Show voller spektakulärer Auftritte, gespickt mit hintergründigen Sketchen und Einlagen, garniert mit Improvisationen der Hits von damals.

Absolut wandlungsfähig


Wandlungsfähig zeigten sich die Ensemblemitglieder schon zu Beginn, als sie Peter Igelhoffs "Wir machen Musik" versprachen und mit Lollipop und Petticoat ein furioses Konzert erahnen ließen. Atemlos setzte sich das musikalische Vergnügen bei "So ein Regenschirm hat's gut" fort. Ortsbezogen entliehen sich die Protagonisten selbstbewusst Empfehlungen aus Schillers "Bürgschaft" nach einer Komposition von Peter Frankenfeld und auch Elvis' Besuch in der Oberpfalz fand Erwähnung.

Die Schlagerwelt produzierte einen Hit nach dem anderen in einer Ära, in der die Waldmann-Zwillinge geboren wurden, ulkte Günter Schwab. Prompt folgte ein Einblick in die Baby-Zeit des Chorleiters, Musikpädagogen und Co-Moderators. Zum Mitschunkeln und Mitsingen animierte die vereinigte Sängerschaft im "Der weiße Mond von Maratonga" oder bei "Seemann, lass das Träumen". Afrikanisch bunt endete mit "Lion sleeps tonight" der mit rauschendem Beifall quittierte erste Teil.

Musik, Musik, Musik beherrschte auch den Rest des dreistündigen Mammutprogramms. Auch aus berühmten Filmmelodien dieser Zeit entlieh sich der Chor Ohrwürmer. Zu einem einzigen Ärgernis entwickelte sich für den Dirigenten eine verkorkste Generalprobe der Instrumentalisten mit einem "scheußlichen Ton auf der Schelln wie auf der Pressather Orgel". Karl Valentin und Liesl Karlstadt ließen grüßen. Zwischendurch glänzten Sänger als Schauspieler mit hintergründigen Wortspielereien. Die Ratschkathl (Günter Schwab) mit Pressather Insiderwissen im Stil einer Erni Singerl fesselte das Publikum. Mit ihrer Schlusspointe "ich bleibe Jungfrau, so lange ich lebe" fand sie beim Publikum keinen ungeteilten Beifall. Lüsterne Blicke auf "hüftschwingende Zuckerpuppen" fanden da schon eher Zuspruch, auch des Bürgermeisters. Gerne ließ sich Werner Walberer auf die Bühne entführen, um sich alles genauer zu betrachten.

Es gibt Frauen und Männer und gute Pressather. Mit dieser Ankündigung leitete Günter Schwab zum legendären Ratespiel mit "Robert Lemke" (Hans Sattler) über. Einen Ehrengast galt es zu erraten. Erst bei der 9. Frage landete "Guido, Marianne und Annette" den Volltreffer. Stadtpfarrer Edmund Prechtl stand im Rampenlicht. Statt "Schweinderl" und Fünf-Mark-Stücke hab es für ihn Lieblingsprodukte: Einkaufskorb, Strickwolle, Kochlöffel und Rotwein. Der Pfarrer nutzte die Anwesenheit vieler "Schäfchen" zur pastoralen Charmeoffensive. Die Glanzeinlagen wurden zum gefeierten Programmbeitrag.

Ben Hur und Peter Ustinov


Ein bisschen Rosenmontag, Faschingsdienstag und Frankenfasching aus Veitshöchheim hob die Chorgemeinschaft als einen der Programmhöhepunkte für den Schluss auf. Gänsehaut überkam die Besucher mit dem Einzug des Imperators Nero mit Bauchtänzerinnen, Legionären und Volk. Ein imposantes Schauspiel, angelehnt an die Monumentalfilme der 1950er. Ben Hur und Peter Ustinov ließen grüßen. Welch ein Endspurt, angeheizt mit Harry Belafontes Jamaika Farewell und begleitet von den stehenden Ovationen des begeisterten Publikums.
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